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Art Report Welche Künstler Ihr Geld wert sind

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Der gigantische Siebdruck

So machten die Traditonshäuser Sotheby’s und Christie’s bei ihren Herbstauktionen auch in diesem Jahr Umsätze im hohen zweistelligen Millionenbereich, und auch deutsche Versteigerer wie Van Ham, Lempertz oder Ketterer überraschten mit guten Ergebnissen. Die Kunstmesse Art Basel Miami Beach, seit Jahren im Dezember Gradmesser für die Spendierlaune der Sammler, ist zwar noch meilenweit von der Kauflaune der Boomjahre zwischen 2004 und 2007 entfernt. Doch zumindest bis 500 000 Dollar wurde Kunst gekauft. „Das Geld fließt“, sagt der New Yorker Galerist Steven O’Hara. „Die Sammler kehren zurück.“

Die aber suchen nur nach dem Besten. Denn die Hoffnung, dass Kunst auch in inflationsschwangeren Krisenzeiten ihren Wert behält, erfüllt sich allenfalls für hochwertige Arbeiten von Künstlern, die über viele Jahre ihre nachhaltige Wirkung auf die Kunstgeschichte bewiesen haben. So trennte sich, egal, ob im Bereich der Alten Meister, Kunst des 19. oder 20. Jahrhunderts, auch zum Jahresende die Spreu vom Weizen: Eine Zeichnung des Renaissance-Malers Raffael war einem Sammler 32 Millionen Euro wert, ein Rembrandt-Gemälde wechselte für 22 Millionen Euro den Besitzer. Und für Andy Warhols frühen Siebdruck „200 One Dollar Bills“ fiel Mitte Dezember bei Sotheby’s der Hammer bei 43 Millionen Dollar.

Ein unvollendetes Rubens-Gemälde blieb dagegen liegen – zu groß war die Unsicherheit, ob der Meister damals wirklich selbst zum Pinsel gegriffen hatte. Aber auch bislang beliebte Jungkünstler bekommen derzeit keine Schnitte: So blieb bei der Dezember-Versteigerung des Kölner Auktionshauses Lempertz ein Werk des einst angesagten polnischen Malers Wilhelm Sasnal unter dem Mindestgebot, für ein mit 40 000 Euro angesetztes Bild des jungen deutschen Malers Norbert Bisky rührte sich gar kein Finger.

Neigung zum Risiko ist derzeit gering

Dass die Neigung zum Risiko derzeit gering ist, zeigt der aktuelle Art Report: Nicht nur der Olymp als Allzeit-Gradmesser zeitgenössischer Kunst ist fest in der Hand arrivierter Platzhirsche. Auch unter den fleißigsten Punktesammlern finden sich 2009 ausnahmslos alte Hasen, die auf ein nachhaltiges Lebenswerk zurückblicken können und seit Jahren konstant ihren Ruhm mehren. Darunter etwa der US-Installationskünstler Bruce Nauman, der seinen dritten Platz festigte. Auch dank seines spektakulären Auftritts auf der Biennale in Venedig.

Oder der früh verstorbene deutsche Kunst-Berserker Martin Kippenberger, der im Frühjahr mit einer großen Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art geehrt wurde. Und dessen Ölgemälde „Paris Bar“ von 1991 im Spätherbst für rund 2,5 Millionen Euro versteigert wurde – die Auktionatoren hatten mit der Hälfte der Summe gerechnet. Getoppt wird das noch von einem weiteren Dauerbrenner: Joseph Beuys, dessen Multiples 2009 zu den gesuchtesten Arbeiten des Ausstellungsbetriebs wie des Kunstmarkts zählten. „Der Markt für diese Stücke“, sagt ein Sammler, „ist leer gefegt.“

Ebenfalls wieder auf dem Vormarsch: Künstler aus den deutschen Wirtschaftswunderzeiten, darunter der Maler Ernst Wilhelm Nay, der seinen Punktezuwachs 2009 gegenüber dem Vorjahr um 350 Prozent steigerte – auch dank einer großen Ausstellung in der Frankfurter Schirn Kunsthalle, die das farbenprächtige Spätwerk des Informel-Künstlers feierte, das auf der Documenta 1964 für Furore gesorgt hatte. Auch Gerhard Hoehme, der zwei Jahre vor seinem Tod prophezeit hatte, „die Kunsthistoriker werden es einmal schwer mit mir haben“, rückte wieder ins Visier der Kunstfans – mit einer auf drei renommierte Museen verteilten Retrospektive in Duisburg und Düsseldorf, die zeigte, dass Hoehme Ende der Fünfzigerjahre auf einer Stufe stand mit Heroen wie dem Amerikaner Frank Stella, der seit Jahrzehnten zum etablierten Personal der Kunstszene gehört – während Hoehme allenfalls Insidern ein Begriff war. Die blättern für Hoehmes selten angebotene Arbeiten heute bis zu 500 000 Euro hin.

Ein großer Sprung zurück ins Rampenlicht gelang 2009 auch einem Pionier der Video- und Filmkunst: Harun Farocki. Der 64-jährige Tscheche, der heute in Berlin lebt, gehörte 2009 gattungsübergreifend zu den fleißigsten Punktesammlern im Art Report, machte auf der letzten Documenta 2007 mit der Medieninstallation „Deep Play“ von sich reden, bei der er das komplette offizielle Filmmaterial seziert, das rund ums Endspiel der Fußball-WM 2006 entstanden war. Farocki arbeitete viele Jahre als Redakteur einer Filmzeitschrift, schreibt bis heute Drehbücher, etwa für Regisseur Christian Petzold. Sieht seinen Platz aber jenseits des Mainstreams. „Ich zeige meine Filme lieber im Museum als im Kino“, sagt er. „Da habe ich mehr Zuschauer.“

Über hohe Aufmerksamkeit konnten sich 2009 auch einige junge Videokünstler freuen – viele haben im Art Report große Sprünge nach vorn gemacht. Unter ihnen die Slowenin Katarina Zdjelar, die ihr Punktekonto um mehr als 400 Prozent steigerte – vor allem bedingt durch ihren Auftritt im Pavillon ihres Heimatlandes auf der Biennale in Venedig. Dort zeigte sie Videos, die sich mit dem Phänomen der Sprache auseinandersetzen. Arbeiten von großer Poesie, denen Museen in Rotterdam und Portugal gerade Zdjelars erste Einzelausstellungen widmen.

Dass Videos bei Museumschefs auch 2010 gern gesehen sind, hat in Zeiten knapper Kassen auch einen banalen Grund: „Eine Ausstellung mit Arbeiten talentierter Videokünstler zu organisieren“, sagt Art-Logistics-Geschäftsführer Schumacher, „kostet viel weniger als eine Bilderschau etablierter Altmeister.“

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