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Aschewolke Warum das Flugverbot der Wirtschaft nichts anhaben kann

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Volker Böttcher, Vorsitzender Quelle: dpa/dpaweb

Aus der Not machte die TUI Gruppe eine Tugend. Der Konzernvorstand der Muttergesellschaft TUI Travel in London, übertrug alle Macht den nationalen Krisenteams. Deutschland-Chef Volker Böttcher betrat den Krisenraum nur ein einziges Mal, um Heuer mitzuteilen, dass „Kulanz oberste Priorität“ hat. Die Notfallmannschaft konnte aus dem Vollen schöpfen: freie Flugplätze einkaufen, Busse und Maschinen chartern, so viele wie möglich. Die Kosten etwa für einen gecharterten Jumbo-Jet in Höhe von 14.000 Euro pro Flugstunde waren zweitrangig.

TUI brachte so rund 30.000 gestrandete Urlauber bis zum Mittwoch wieder zurück in die Heimat. Dazu half es auch, dass der Konzern 200 Busse der spanischen Konzerntochter Ultramarin Express für den Shuttle ab Barcelona, Faro und Sizilien nach Deutschland einsetzen konnte. Zudem warteten extra gemietete Busflotten in Wien. Insgesamt lotste TUI so mehr als 7000 Gäste nach Hause.

Der Reiseveranstalter Öger Tours zahlte allen seinen Türkei-Gästen die Nacht vom 16. zum 17. April. Danach brachte Öger Tours alle Pauschalreisenden, die wegen der Aschewolke nicht nach Hause fliegen konnten, kostenlos in seinen Hotels an der Türkischen Riviera unter. Die 4.500 gestrandeten Gäste wurden von Öger kostenlos nach Deutschland zurückgeflogen, sobald der Luftraum wieder frei war. Durch die fünftägige Flugsperre gingen bei Öger 3000 Stornierungen ein. Seinen verhinderten Urlaubern bot Öger eine gebührenfreie Umbuchung bei Antritt der Reise bis zu 15 Mia an - zu den ursprünglichen Konditionen.

Madrid statt Herzogenaurach

Bei Puma fehlten in der vergangenen Woche weder Schnürsenkel noch Turnschuhe, sondern wichtige Mitarbeiter, die an Flughäfen im Ausland kleben blieben.

Doch bemerkt hat das eigentlich keiner. Denn die Konzernmanager aus dem fränkischen Herzogenaurach schließen sich schon länger, wo immer es geht, via Telefon- und Videokonferenzen oder über das Internet zusammen.

Für einige Stunden residierte so die Rechtsabteilung der Puma AG am Dienstag vergangener Woche statt im Puma-Way 1 in Herzogenaurach mitten in der spanischen Kapitale Madrid, in Zimmer 1101 des Hotels Abba an der Avenida de América 32. Hier saß Jochen Lederhilger, Leiter der Rechtsabteilung, seit dem Donnerstag der Vorwoche fest. Dabei wurde der Jurist in der Heimat dringend gebraucht: Vergangenen Dienstag stand Pumas Hauptversammlung auf dem Kalender, und allein drei von sechs Aufsichtsräten konnten wegen des Flugverbotes nicht anreisen – darunter der Aufsichtsratsvorsitzende François-Henri Pinault.

Technik statt Reisen

Lederhilger hatte nun zu klären, ob der Aktionärstreff trotz des halbierten Aufsichtsgremiums überhaupt rechtmäßig stattfinden konnte. Entsprechend war er die ganze Zeit über der Hauptversammlung per Internet und Laptop in einer Videokonferenz zugeschaltet.

Diese Möglichkeit verdankt Puma auch der vor einigen Jahren getroffenen Entscheidung, statt in teure Reisen zwischen den vier Firmenzentralen – in Herzogenaurach, Boston, London und Hongkong – in moderne Video- und Konferenztechnik zu investieren. Das brachte zum einen spürbare Kostenersparnis, zum anderen als Nebeneffekt jetzt die Unabhängigkeit von der Aschewolke.

Auch wenn der Vulkanausbruch die deutsche Wirtschaft nicht ins Wanken gebracht hat, zu sehr sollten die Unternehmen nicht auf die Kraft und Flexibilität vertrauen, sagt Berater Kautzsch. „Die Unternehmen sollten das nicht allein als Bestätigung, sondern auch als Warnschuss verstehen und sich für solche Fälle wappnen.“ Denn ähnliche Krisen können sich jederzeit wiederholen.

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