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Asia Business Insights Was deutsche Unternehmen von China lernen können

Deutsche Unternehmen werden nicht mehr lange mit Innovationen aus China Schritt halten. China-Experten kritisieren zudem Europas Industriepolitik.

„Wir müssen mehr auf Zack kommen. Das können wir aus China lernen.“ Quelle: Oliver Blobel für Handelsblatt

DüsseldorfDeutsche Unternehmen sind nicht mutig genug – zumindest wenn es um die Einführung neuer Produkte geht. Davon jedenfalls ist Hannes Streeck überzeugt, Chef der Konsumgütersparte bei Fiege Logistik.

„Es mangelt an der Bereitschaft, Produkte, die nicht ganz ausgereift sind, auf den Markt zu bringen und dann zu optimieren“, sagte am Mittwoch bei der Handelsblatt-Tagung Asia Business Insights.

Im Vergleich zur Konkurrenz aus China fehle es deutschen Unternehmen an Schnelligkeit. Da helfe auch die „urdeutsche Effizienz“ nicht.

Streeck weiß aus eigener Erfahrung, was deutsche von chinesischen Unternehmen lernen können. Er war selbst fünf Jahre lang als China-Chef für Fiege in Asien.

Andere Teilnehmer des Panels zu Chinas Digitalisierungsstrategie lenken den Blick immer wieder auf die Industriepolitik, bei der sie Deutschland bisher noch im Vorteil sehen.

Bei der Produktion sei China immer noch auf andere Länder angewiesen, scheitere oft noch an der Qualität, betont Frank Stieler, CEO der KraussMaffei Group.

„China ist gerade eher noch auf dem Weg zur Industrie 3.0 als zu einer Industrie 4.0“, erklärt auch Jost Wübbeke. Doch der Leiter des Programms Wirtschaft und Technologie des Mercator Institutes for China Studies sagt auch: Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die „Made in China 2025“-Strategie auch den Industriestandort Deutschland herausfordert.

„In China gibt es eine sehr klare Industriepolitik, sie ist öffentlich und jeder hat die Möglichkeit, sich daran auszurichten“, ergänzt Stieler.

Welche Kernbereiche der Industrie in Deutschland und Europa gezielt aufgebaut und gefördert werden sollen, sei dagegen überhaupt nicht erkennbar. „Ich sehe auch nicht, dass wir uns darauf mit einer GroKo zubewegen.“

Adidas-Chef Kasper Rorstedt hatte bei der Handelsblatt-Veranstaltung zuvor bereits kritisiert: „Wenn man die technologische Entwicklung in China betrachtet und hört, was die Große Koalition in Berlin vorhat, kann man sich fragen: Wie realitätsfern ist das eigentlich?“

Seiner Meinung nach habe sich seit Jahren in dieser Hinsicht nichts in Deutschland verändert. Es gebe schlicht keine digitale Agenda.

Dass China ein ganz eigenes Wirtschaftssystem habe, gibt Forscher Wübbeke bei der Diskussion zu Bedenken.

„Trotz der Davos-Rede des chinesischen Präsidenten Xi Jinping wird China sich nicht für eine freie Marktwirtschaft öffnen.“

Entscheidend für die Innovationskraft Chinas sei die staatliche Förderung von aufstrebenden Industrien und Start-ups sowie eine viel weniger bürokratische Herangehensweise. Vieles sei in China aber auch einfacher, weil „Datenschutz dort nicht so ein Thema ist“, sagt Stieler.

„China ist extrem innovativ: Vor allem beim Thema Künstliche Intelligenz, im medizinischen Bereich, beim 3D-Druck“, erklärt Wübbeke. Ebenso wie Hannes Streeck sieht der Wissenschaftler es als Gewinn für China an, dass viel ausprobiert wird: „Die haben da einen extrem guten Riecher. Es geht darum, Dinge auf den Markt zu bringen, zu verkaufen und zu vermarkten.“

Das Potential dazu gebe es auch in Deutschland, ist sich Hannes Streeck sicher: „Wir haben ein tolles Bildungssystem und ich glaube an die Ideen, die wir in Deutschland haben.“ Es ist eben vor allem das Tempo, das ihm Sorgen macht: „Wir müssen mehr auf Zack kommen. Das können wir aus China lernen.“

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