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Atom-Katastrophe Zwischen Pietät und Profit

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Bei VW-Partner Suzuki stehen Quelle: dpa

„Eins zu eins sind die Komponenten zwar nicht ersetzbar, wohl aber, was ihre Funktion angeht“, sagt der Sick-Chef. „Die Chancen stehen gut, dafür auch amerikanische oder europäische Lieferanten zu finden.“ Ein Kandidat sei Infineon.

So weit sind längst nicht alle Unternehmen. Offenbar liefern sich noch immer viele einem einzigen Lieferanten aus. Single-Sourcing heißt diese riskante Strategie – im Gegensatz zum sogenannten Multi-Sourcing, bei dem mehrere Lieferanten zum Zuge kommen. „Für viele Mittelständler ist Multi-Sourcing noch immer ein Fremdwort“, sagt Experte Kerkhoff.

Auch werden nach den Erfahrungen mit Japan mehr Unternehmen Versicherungen gegen Produktionsausfälle abschließen. Solche Policen decken sogenannte Rückwirkungsschäden ab. Das sind Umsatzausfälle, die ein Unternehmen ohne eigenes Verschulden erleidet, weil es zum Beispiel einen Sachschaden bei einem Zulieferer gegeben hat. „Wir gehen davon aus, dass infolge der Schäden in Japan Forderungen wegen Betriebsunterbrechungen in Deutschland auf uns zukommen werden“, sagt Christian Hinsch, Chef der HDI-Gerling Industrieversicherung. Allerdings sind Schäden durch Krieg, innere Unruhen und Kernenergie nicht versicherbar – Grund genug, bei Produktionsausfällen durch die Vorgänge in Japan mit der Versicherung lange über die Ursache zu streiten: War es Erdbeben oder Atom?

Toyota ist hart getroffen

Zu den großen Verlierern der Japan-Katastrophe droht der weltgrößte Autobauer Toyota zu zählen. Das Unternehmen hat etwa für 233 Ersatzteile, die in den USA benötigt werden, Zulieferer in der Bebenregion identifiziert, die ihre Produktion erst nach mindestens 30 Tagen wieder aufnehmen können. Die Zahl der Komponenten und Länge des Produktionsstopps könnten noch zunehmen, warnte Toyota bereits seine Händler in den Vereinigten Staaten. Zu den Teilen gehören Stoßdämpfer, Öldichtungen, Kotflügelkomponenten und Heckklappenscharniere. Für die Produktion von Autos in Japan fehlen Toyota 500 Teile, darunter elektronische Teile, Gummi- und Granulatprodukte. Nun droht Toyota sogar ein kompletter Produktionsstopp auf dem wichtigsten Auslandsmarkt.

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Standort erkennen

    Honda und Mazda produzieren von der kommenden Woche an wieder, aber mit stark gedrosseltem Tempo. Ein Honda-Werk kann frühestens in einigen Monaten wieder starten, in den anderen werden nur Teile gefertigt, keine Autos. Bei VW-Partner Suzuki stehen zwei von sechs Fabriken still. Und wo, wie bei Nissan, in den meisten Werken gearbeitet wird, könnten schon bald Teile fehlen und die Bänder angehalten werden. Zudem gerät die Produktion der Japaner in ihren US-Werken ins Stocken, weil Teile fehlen. Honda kündigte am Mittwoch an, in seinen Fabriken in Nordamerika weniger Autos zu produzieren. Branchenprimus Toyota forderte Händler in Nordamerika auf, Bestellungen für bestimmte Ersatzteile zu drosseln, um Engpässe zu verhindern.

    Bislang wurden 400 000 Autos wegen der Krise nicht produziert. Rund 140 Millionen Euro kostet das die japanische Autoindustrie pro Tag, hat die Investmentbank Goldman Sachs errechnet. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen geht bei einem Produktionsausfall von drei Monaten von einem Umsatzverlust von rund 25 Milliarden Euro aus. In den kommenden sechs Monaten, so Deutsche-Bank-Analyst Kurt Sanger, würden alle japanischen Autobauer rote Zahlen schreiben.

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