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Atom-Katastrophe Zwischen Pietät und Profit

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Die Lage in Fukushima könnte Quelle: dapd

Dennoch ist auch in der deutschen Autoindustrie die Nervosität groß. Nach außen geben sich VW, BMW und Daimler entspannt und erklären, dass derzeit keine Produktionsausfälle drohen. Eine Prognose für die nächsten Wochen wagt jedoch keiner. „Die Lage in Japan ist für uns auch nach drei Wochen noch total unübersichtlich“, klagt der Manager eines Autobauers. Sollte es im Atomkraftwerk Fukushima zu einem Super-GAU kommen und größere Teile Japans verstrahlt werden, „wäre die Situation für uns womöglich nur noch schwer handhabbar.“

Krisenstäbe eingerichtet

Die Unsicherheit der Automanager hat einen simplen Grund: Ein Auto besteht aus rund 3000 Komponenten, die im Schnitt je 100 Teilen haben. Fehlt nur ein einziges dieser weltweit eingekauften 300 000 Zutaten, kann das einen Produktionsstopp beim Autobauer zur Folge haben. Der Zulieferer Hella aus Lippstadt mag ein solches Szenario nicht ausschließen – und hat sich bereits bei der Bundesanstalt für Arbeit nach den Voraussetzungen für Kurzarbeit erkundigt. „Wir rechnen zwar nicht damit, dass wir aufgrund von Engpässen nicht liefern können“, sagt ein Manager. „Aber es könnte sein, dass die Bänder stehen, weil den Autofirmen ein Teil eines anderen Zulieferers fehlt .“

Sämtliche Autobauer in Deutschland haben deshalb Krisenstäbe eingerichtet, die herausfinden sollen, wo Engpässe durch Lieferausfälle drohen, ob es alternative Anbieter gibt und wie sie mit Änderungen an der Logistik Engpässe verhindern können. Ein deutscher Hersteller erwägt sogar, vorübergehend technisch veraltete Teile einzubauen und die Autos später, nach dem Verkauf, nachzurüsten.

„Was wir in Japan erleben“, sagt ein Mitarbeiter eines solchen Krisenteams, „stellt einfach alle bisherigen Katastrophen in den Schatten und erfordert deshalb auch außergewöhnliche Lösungen.“

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