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Atom-Moratorium schmerzt EnBW schockt Aktionäre mit herber Gewinnwarnung

Für EnBW-Chef Villis ist es eine sehr schwierige Hauptversammlung: Er muss nicht nur den Aktionären erklären, dass EnBW die Gewinnprognose senken muss, sondern auch, wie es ohne zwei Atommeiler weitergehen soll.

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Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Hans-Peter Villis, muss heute auf der Hauptversammlung viel Hoffnung wecken. Quelle: handelsblatt.com

Der Zickzackkurs der Bundesregierung bei der Atomkraft beschleunigt den Gewinnrückgang des Energieversorgers EnBW. Durch den mindestens dreimonatigen Stillstand von zwei seiner vier Atomkraftwerksblöcke werde der bereinigte Gewinn vor Steuern und Zinsen 2011 bis zu einem Viertel geringer ausfallen als im vergangenen Jahr, sagte Finanzvorstand Thomas Kusterer am Dienstag auf der Hauptversammlung in Karlsruhe.

EnBW ist damit der erste der vier Atomkraftwerksbetreiber in Deutschland, der seine Prognose für das laufende Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Japan und der Kehrtwende der schwarz-gelben Berliner Bundesregierung zusammenstreicht. Die größeren und weniger von der Atomkraft abhängigen Konkurrenten RWE und E.ON sehen bisher keinen Anlass, ihre Gewinnaussichten im Zuge der möglichen Neuausrichtung der Atom-Politik zu korrigieren.

2011 werde der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Adjusted Ebit) 15 bis 25 Prozent unter dem Vorjahreswert von 1,93 Milliarden Euro liegen, sagte der im Januar berufene EnBW-Finanzvorstand. Bisher war EnBW lediglich von einem Minus von zehn bis 15 Prozent ausgegangen. Damit hatte EnBW bereits den fälligen Ausgaben durch die Kernbrennstoffsteuer und in den Ökoenergiefonds Tribut gezollt, die den Versorgern im vergangenen Jahr im Gegenzug zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten auferlegt worden waren. Auch nach dem angeordneten dreimonatigen Atom-Moratorium der Bundesregierung hatte EnBW als drittgrößter deutsche Versorger seine Prognose noch bekräftigt, obwohl die die älteren Atomkraftwerksblöcke Neckarwestheim I und Philippsburg I vom Netz genommen werden mussten.

Der voraussichtliche Stillstand für drei Monate koste rund 80 Millionen Euro, rechnete Finanzchef Kusterer vor. Ein Betriebsstopp beider Meiler bis Jahresende schlüge mit einer knapp doppelt so hohen Ergebniseinbuße zu Buche, rechnete der Manager vor. Neckarwestheim I soll dauerhaft abgeschaltet bleiben soll, den Reaktor Philippsburg I will EnBW hingegen nach der dreimonatigen Zwangspause wieder anfahren.

Proteste von Atomkraftgegnern

Auf dem Aktionärstreffen stimmte auch Vorstandschef Hans-Peter Villis die Anteilseigner auf härtere Zeiten ein. Eine Aufstockung des jüngst aufgelegten Sparprogramm, dessen Volumen derzeit im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegt, sei „sehr wahrscheinlich“, sagte der Manager, dessen Vertrag im Herbst kommenden Jahres endet. Über eine mögliche Verlängerung seines Mandats muss nach dem jüngsten Erdrutsch-Sieg der Grünen in Baden-Württemberg die voraussichtlich in wenigen Wochen stehende neue Koalitionsregierung mit der SPD entscheiden. Denn das Land Baden-Württemberg ist EnBW-Großaktionär, da die abgewählte CDU-FDP-Regierung im Dezember dem französischen Versorger für fast fünf Milliarden Euro einen EnBW-Anteil von rund 45 Prozent abkaufte.

EnBW-Vorstandschef Villis sagte, Atomenergie sei „eine wichtige und auch tragende Säule“ bei der Energieerzeugung. Kernkraft sei aber für EnBW „kein Dogma“, räumte Villis ein und kündigte verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien an. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass gerade nach den Ereignissen in Japan die Mehrheit der Deutschen die Kernkraft in Deutschland ablehnt und den unumkehrbaren Ausstieg aus der Kernkraft einfordert“, sagte Villis. Die Spielräume für Investitionen in umweltfreundliche Gas-, Wind- oder Wasserkraftwerke sind jedoch beschränkt, da EnBW die Bonitätsnote unbedingt bei „A“ halten will.

Villis Rede vor den Aktionären wurde zu Beginn kurzzeitig von Atomkraftgegnern unterbrochen, die auf der Hauptversammlung für den Ausstieg aus der Atomenergie protestierten. Der EnBW-Vorstandschef bekräftigte, dass Atomenergie für ihn und das Unternehmen "eine wichtige und auch tragende Säule" bei der Energieerzeugung darstelle. Kernkraft sei aber für EnBW "kein Dogma", sagte Villis. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass gerade nach den Ereignissen in Japan die Mehrheit der Deutschen die Kernkraft in Deutschland ablehnt und den unumkehrbaren Ausstieg aus der Kernkraft einfordert", sagte er. Die kommenden Wochen würden zeigen, bis wann und in welcher Form die Stromerzeugung aus Kernspaltung künftig noch politisch gewollt sei.

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