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Aufbruch 1949 Gabors Spürnase wies den Weg ins neue Jahrtausend

Der Rosenheimer Schuhersteller Gabor verdankt seinen Erfolg seit 1949 seiner treuen Belegschaft. Wie Joachim Gabor die Schuhmarke nach dem Tod seines Bruders Bernhard in das neue Jahrtausend steuert.

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Joachim Gabor, Chef des gleichnamigen Schuhherstellers Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche

Nach dem Umzug von Barmstedt bei Hamburg ins bayerische Rosenheim, dem Tod von Gabor-Mitbegründer Bernhard Gabor und dem frustrierenden Ausflug in den Iran kommt Mitte der Siebzigerjahre wieder Ruhe in das Unternehmen. Und das, obwohl 1974 als Krisenjahr der Wirtschaft in die Annalen eingeht. Gabor konnte in dieser Zeit sogar einmal mehr seine Rolle als Vorzeigebetrieb der deutschen Schuhindustrie unter Beweis stellen. Während die Schuhindustrie weiter in der Kostenklemme steckt, baut Gabor in Rosenheim ein aufwändiges Hochregallager.

1976 werden die beiden ausländischen Fabriken in Spittal (Österreich) und Lienz (Osttirol) um einen Standort im österreichischen Villach erweitert. Dort übernimmt Gabor-Chef Joachim Gabor den angeschlagenen Schuhhersteller Medicus und sichert damit 100 Arbeitsplätze.

Pumps erklimmen neue Höhen

Joachim Gabor muss immer schneller auf modische Trends reagieren. Oder besser: sie vorausahnen. Während Pumps immer modern blieben, wechseln bei anderen Schuhmodellen ständig die Materialien und Moden. Gesundheitsschlappen und Ballerinas gehen parallel zum Militärlook, schwarzen Stiefeln und Lederbekleidung. In den 1970er-Jahren erklimmt dann auch der Plateau-Schuh seine extremsten Höhen.

Mit Lady Gabor, dem modischen Damenschuh mit etwas mehr Weite, und den Holly Jollys, einem Freizeitschuh, reagiert Gabor schon zu Beginn der Achtzigerjahre auf die Trends. Anfang der 90er kennen fast 70 Prozent aller Frauen zwischen 14 und 64 Jahren die Marke Gabor. Damit sind die Rosenheimer die Marke mit dem höchsten Bekanntheitsgrad unter den reinen Damenschuhanbietern.

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    Zum Jahrtausendwechsel hatten immer mehr traditionelle Schuhgeschäfte aufgeben müssen, weil die Nachfolge nicht geregelt werden konnte, die teuren Mieten in den Städten nicht mehr bezahlt und der Konkurrenz auf der grünen Wiese – Discounter wie Aldi und Lidl verkauften immer mehr Schuhe in ihren wöchentlichen Aktionen – nichts mehr entgegengesetzt werden konnte. Zusätzlich sinken die Ausgaben für Schuhe und Bekleidung. Jedes Jahr müssen um die 100 Schuhgeschäfte dicht machen.

    Joachim Gabor ahnte diese Entwicklung. Und steuert gegen: mit einem eigenen „Shop & Store-Konzept“ Zur selben Zeit übernimmt Gabor auch die weltweite Lizenz für Camel-Schuhe.

    Spürnase versagt

    Einmal versagt auch die Spürnase von Joachim Gabor. Der Terrorakt an den Zwillingstürmen des World Trade Centers am 11. September 2001 lässt das Geschäft langfristig einbrechen. Schon 2002 spürt Gabor die Flaute und die Jahre 2002 und 2003 sind die dunkelsten Geschäftsjahre der Nachkriegsgeschichte. 

    Diesmal konnte Joachim Gabor nicht vorauspreschen, er muss schrumpfen. Rund ein Drittel der Belegschaft in Rosenheim und Spittal wird abgebaut. Für seinen Sohn Achim ist dies die denkbar ungünstigste Zeit das Geschäft vom Vater zu übernehmen. Joachim hängt noch zwei Jahre dran.

    Stadtstiefel und Kugelwade

    Auch nach seinem Ausscheiden im Jahr 2005 konnte sich Achim Gabor, der den Vorstandsvorsitz von seinem Vater übernahm, auf dessen Spürnase verlassen. Bei der Mode für den Winter 2006 zeichnete sich nämlich ab, dass die modebewusste Frau die Hosen in die Stiefel stecken würde. Deshalb wusste Joachim ein Jahr zuvor, dass der gefütterte Stadtstiefel ein Trend sein würde und in verschiedenen Weiten angeboten wurden musste.

    Sieht Joachim Gabor ein Damenbein, so ist er in der Lage, exakt den Wadenumfang zu taxieren. „Bei 44“, er demonstriert den Umfang mit den Händen, „erschrickt man schon, aber sportliche Frauen haben eben auch große Weiten“, heißt es Gabors Biografie, die er für seine Kinder und Enkelkinder hat schreiben lassen. Und so kam im Winter 2006 der Gabor-Stadtstiefel in fünf verschiedenen Weiten auf den Markt: von „sehr schlank“ bis zur Kugelwade.

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