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Aufstand der Investoren Infineon holt die Vergangenheit mal wieder ein

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Die Argumente der Investoren offenbaren, dass Infineon die Vergangenheit einholt – wieder einmal: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, begründet Hermes seinen Gegenantrag damit, dass für einen "wirklichen Neuanfang" eine Erneuerung an der Spitze des Aufsichtrats notwendig.

Im Klartext: Klaus Wucherer gilt Hermes als befangen. Denn Infineon gehörte einst zum Siemens-Konzern, der seine Halbleitersparte im Jahr 2000 an die Börse brachte. 35 Euro zahlten die Aktionäre damals pro Aktie, heute liegt der Kurs bei gerade einmal vier Euro. Wucherer sitzt seit 1999 im Infineon-Aufsichtsrat.

Laut Ansicht von Hermes und DWS hat er die Fehler der Vergangenheit mitzuverantworten.

Ob der Gegenantrag Erfolg haben kann, ist noch unklar. Hermes und DWS halten zusammen nur fünf Prozent der Aktien.

Doch Finanzkreisen zufolge stehen auch weitere Anteilseigner auf Seiten der Kritiker. Aktionärsschützer sehen die Wahlmöglichkeit als positiv im Sinne guter Unternehmensführung. Denn bisher haben Aktionäre auf Hauptversammlungen Personalvorschläge meist nur abgenickt.

Wucherer gilt den aufständischen Investoren als Teil des alten Siemens-Netzwerks, das bei dem Chiphersteller nach wie vor großen, vermutlich zu großen, Einfluss hat.

Auch Gegenkandidat Berchthold ist nicht makellos

Doch leider hat auch Berchthold einen Makel: Der von ihm geführte Autozulieferer ZF Friedrichshafen ist einer der bedeutenden Kunden von Infineon.

Echte Unabhängigkeit sieht anders aus. In der Zeitung "Die Welt" mahnt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz deshalb: „Findet eine Person eures gemeinsamen Vertrauens“. Grabenkämpfe seien bei Infineon, das gerade einer schweren Krise knapp entronnen sei, fehl am Platz.

Trotz des Hin und Her ist zumindest ein Aspekt positiv: Die Aktionäre gehen gegen das Netzwerk der alten Deutschland AG vor. So könnte der Machtkampf um Infineon zum Lehrbeispiel für unabhängigere Aufsichtsräte werden.

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