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Auftragsfertiger Foxconn Das dunkle Imperium hinter iPhone, iPad und Co.

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Fertigung bei Foxconn: Nokia, Quelle: REUTERS

In China, wo Foxconn 20 seiner weltweit 25 Fabriken betreibt, ist der Konzern eine nicht mehr wegzudenkende Größe. Mit 937.000 Lohnkräften ist er größter privater Arbeitgeber des Landes. Fast vier Prozent aller Ausfuhren des Riesenreichs entstehen in seinen Fabriken.

Den größten Teil fertigen die Arbeiter in den Werken im südchinesischen Shenzhen, gleich hinter der Grenze zu Hongkong. Links und rechts der staubigen Straße, die auf den Südeingang des Campus im Stadtteil Longhua zuführt, haben sich Handyläden, Garküchen und Friseure eingerichtet. Kleine Geschäfte bieten einfache Kleidung, gefälschte DVDs und Sportartikel feil. Am Straßenrand stehen abgenutzte Billardtische.

Kleine Gruppen junger Frauen in roter Foxconn-Arbeitskleidung bummeln durch die Gassen. Sie entspannen sich bei Nudeln, gedämpften Teigtaschen und Eistee. Glamour und Luxus der Wirtschaftsmetropole Shenzhen sind hier, am Foxconn-Tor, weit weg.

Täglich 137.000 iPhones

Durch die Sicherheitsschleuse am Eingang geht der Blick auf das Fabrikgelände, auf dem unter anderem täglich 137.000 iPhones entstehen. Die Firmenleitung erlaubt Journalisten normalerweise nicht, das Werk zu betreten. Einzige Ausnahme war kürzlich das US-Magazin "Business Week" im Rahmen von Foxconns PR-Offensive nach der Selbstmordwelle. Ansonsten sind die Medien angewiesen auf Schilderungen von Arbeitern oder eingeschleusten Menschenrechtlern.

Vier- und fünfstöckige weiß-blau getünchte Fabrikhallen reihen sich scheinbar endlos aneinander. Dazwischen stehen die ebenfalls in weiß-blau gehaltenen Kantinen und Wohnheime der Arbeiter.

An sämtlichen Gebäuden sind an den Außenwänden seit der Suizidserie in etwa fünf Meter Höhe drei bis vier Meter breite Netze gespannt. Sie sollen mögliche Selbstmörder auffangen. Eine Bibliothek gibt es auf dem Gelände, außerdem Karaoke-Kneipen, Basketballfelder und ein Schwimmbad – der Foxconn-Campus ist eine Stadt in der Stadt. Wer das Gelände umrunden will, braucht selbst mit dem Auto eine knappe Stunde.

Das Riesenreich begann mit einem Kleinkredit. Umgerechnet 7500 US-Dollar lieh Gründer und Chef Terry Gou sich 1974 bei seiner Mutter. Damit legte der Chinese den Grundstein für sein Imperium: Hon Hai, Foxconns Mutterunternehmen.

In einem schäbigen Vorort von Taipeh mietete sich der damals 23-Jährige einen Schuppen und kaufte sich ein paar Spritzgussmaschinen. Damit fertigte er Knöpfe, mit denen man damals bei Schwarz-Weiß-Fernsehgeräten die Kanäle wechselte. Zu seinen ersten Kunden zählte der niederländische Hersteller Philips.

Einen Durchbruch erzielte Gou sechs Jahre später. Er zog einen Auftrag von Atari an Land. Die Japaner stiegen damals zum weltweit führenden Anbieter von Videospielen auf. Gou produzierte Komponenten, die das Kabel des Joysticks mit der Spielkonsole verbanden.

Doch das reichte ihm nicht. Er wollte in die Entwicklung von Hochtechnologie einsteigen. Bald meldete Gous Firma die ersten Patente an und begann mit der Fertigung von Spezialkabeln. Anfang der Achtziger bekam das Unternehmen in den USA einen Fuß in die Tür: Für IBM produzierte Hon Hai Steckverbindungen.

Als damals die Löhne in Taiwan zu stark stiegen und die Unternehmen ihre Fertigung in billigere Länder wie Malaysia, Thailand oder auf die Philippinen ver-legten, blickte Gou in eine andere Richtung: auf das chinesische Festland, wo Reformpatriarch Deng Xiaoping gerade mit der Öffnung der Wirtschaft begonnen hatte. Kaum ein ausländisches Unternehmen hatte sich bis dahin in die kommunistische Volksrepublik gewagt, mit ihren großen Defiziten bei Infrastruktur, Ausbildungsniveau und Lebensqualität.

Gou schreckte das nicht: Er baute eine Fabrik in Shenzhen. Deng hatte die Stadt zur Sonderwirtschaftszone erklärt, in der Unternehmen aus dem Ausland Steuervorteile und andere Vergünstigungen genossen. 1991 brachte Gou Hon Hai in Hongkong an die Börse und finanzierte damit die Expansion auf dem chinesischen Festland, wo er mit der Fertigung von Computerteilen begann. Zu den ersten Abnehmern zählten Hewlett-Packard und Apple.

Für dieses Jahr erwarten Analysten, dass der Umsatz der Foxconn-Mutter Hon Hai bei 85 Milliarden Dollar liegen wird, rund 40 Prozent mehr als 2009. Im ersten Halbjahr schaffte Hon Hai bereits 37 Milliarden Dollar Umsatz. Nettogewinn: 1,1 Milliarden Dollar. 36 Milliarden Dollar ist Hon Hai an der Börse wert, zwölf Prozent der Anteile hält Gou.

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