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Auftragsfertiger Foxconn Das dunkle Imperium hinter iPhone, iPad und Co.

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Landkarte: Verlagerung der Foxconn-Aktivitäten von der Küste ins Hinterland

Dabei gilt Foxconn, anders als viele kleine Fertigungsunternehmen in China, sogar bei den Sittenwächtern der Nichtregierungsorganisationen noch als vergleichsweise verlässlicher Arbeitgeber: Das Unternehmen zahle zumindest die Löhne pünktlich, heißt es, und halte sich im Wesentlichen an die Gesetze.

Für viele Chinesen ist Foxconn denn auch eine Chance. Liu Guangyin kommt aus einem kleinen Dorf im Norden. Ihre Eltern bauen Mais an, das Geld reicht oft vorne und hinten nicht. Jetzt sitzt die 23-Jährige in einer Garküche gegenüber dem Eingang zum Foxconn-Gelände im nordchinesischen Langfang, etwa eine Autostunde südöstlich von Peking. "Hier verdiene ich knapp 1000 Yuan im Monat", sagt die junge Frau. Das sind 150 Dollar. Die Überstunden macht sie gerne: Rechnet man die Zuschläge dazu, kommt Liu auf 260 Dollar im Monat.

Foxcomm will sich neu erfinden

Für die Bauernfamilie ist das viel Geld. Etwa die Hälfte des Lohns spart Liu für den Traum der Familie, eine Hochschulausbildung des jüngeren Bruders: "Wenigstens einer aus unserer Familie soll zur Uni", sagt Liu. Sie selbst ist nur sechs Jahre zur Schule gegangen.

Von den Selbstmorden bei Foxconn habe sie gehört, sagt Liu und blickt auf die Netze an den Werkshallen. "Die Selbstmörder hatten mentale Probleme", sagt die Arbeiterin. Sie spüre keinen Druck.

Foxconn will seine Aktivitäten hier in Langfang kräftig ausbauen. Neue Fabriken sollen entstehen, zigtausend neue Arbeiter will das Unternehmen einstellen. Die Offensive ist Teil eines großen Plans, mit dem sich Foxconn neu erfinden will.

Im bislang größten Werk in Shenzhen soll die Zahl der Mitarbeiter um etwa 100.000 auf 370.000 sinken, berichten Foxconn-Manager. Das Lohnniveau in der südchinesischen Metropole ist den Taiwanern zu stark gestiegen. Hinzu kommt der Ärger mit den lokalen Behörden. Die wären die Fabriken nach den weltweiten Negativ-Schlagzeilen lieber heute als morgen los, es sei denn, Foxconn würde in Shenzhen in forschungsintensivere Fertigungen investieren. Nach dem Willen der Zentralregierung soll der reiche Osten Industrien mit höherer Wertschöpfung ansiedeln. Die Billigfertigung soll in den rückständigen Westen Chinas vorrücken.

Auf dem Weg nach Westen

In Zukunft will Foxconn vor allem in west- und zentralchinesischen Städten wie Wuhan, Chengdu, Chongqing und Zhengzhou, aber auch im Norden in Langfang produzieren. Dort verdienen die Arbeiter teilweise 30 Prozent weniger als in den chinesischen Küstenstädten. Insgesamt 400 000 Kräfte will Foxconn in China im Zuge seiner Go-West-Initiative zusätzlich rekrutieren.

In den rückständigeren Regionen rollen die Lokalbehörden Gou den roten Teppich aus. In Zhengzhou, wo für Foxconn künftig 300.000 Arbeiter Handys und Laptops bauen sollen, habe die Regierung den Taiwanern die Grundstücke gratis überlassen, berichten chinesische Medien.

Verabschieden möchte Foxconn sich an den neuen Standorten von seinem Konzept, bei dem die Werker auf dem Firmengelände wohnen. Das Modell sei nicht mehr zeitgemäß, heißt es im Unternehmen. Einige Fachleute sehen in der Enge der Schlafsäle und der fehlenden Trennung von Job und Privatleben eine Ursache für die Selbstmordserie im Mai.

Verbesserungsbedarf gibt es im Zuge des teils überstürzten Umzugs ins Landesinnere noch bei den Umwelt- und Sicherheitsstandards. In Zhengzhou haben im August einige Tausend Arbeiter mit der Fertigung begonnen. In einer halbdunklen, muffigen Fabrikhalle am Stadtrand rattern lange Reihen kastenförmiger Maschinen. Durch die Gänge laufen Arbeiter mit dünnen Stoffmasken. Es liegt ein beißender Geruch in der Luft. Durch eine Außenwand der Fabrikhalle ergießt sich eine zähe, schwarze Flüssigkeit in die Grünanlagen. Viele der Pflanzen sind mit einem trockenen, schwarzen Film überzogen. „Hier werden iPhones produziert“, sagt der Sicherheitsmann am Eingang.

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