7200 Euro Mitarbeiter-Bonus Nur Europa trübt die schöne, heile VW-Welt

VW strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Am 12. März wird es jedoch ernst für den Autobauer: Eine neue Klage der EU-Kommission gegen das VW-Gesetz wird verhandelt. Hilft es, dass sich der EU-Parlamentschef Martin Schulz bei der Betriebsversammlung auf die Seite des Konzerns schlägt?

Autohersteller zahlen ihren Mitarbeitern Rekordprämien
BMW zahlt nach dem Rekordjahr 2011 seinen Mitarbeitern eine Rekordprämie. Ein Facharbeiter in Bayern zum Beispiel erhalte 7650 Euro als Prämie, nach knapp 4900 Euro im Vorjahr, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Die Prämienzahlung erhalten die deutschen Tarifbeschäftigten des Konzerns. Quelle: dpa
Über alle Hierarchieebenen hinweg werde die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter nach dem gleichen Prinzip geregelt: Sie berechne sich nach dem Jahresgewinn, der Umsatzrendite, der Dividende und einem einheitlichen Basiswert für jede Gehaltsgruppe. Die Prämie werde im Juli ausbezahlt. 2010 hatte BMW seinen Mitarbeitern an den deutschen Standorten deutlich weniger, im Schnitt rund 5840 Euro, gezahlt. Die zwei Jahre zuvor hatte es keine Erfolgsbeteiligung gegeben. Auch bei anderen Autobauern gibt es hohe vierstellige Beträge. Quelle: dpa
Volkswagen füllt die Taschen seiner Belegschaft nach dem Rekordjahr 2011 mit dem höchsten Bonus in der Firmengeschichte. Jeder der etwa 100.000 VW-Tarifmitarbeiter in den sechs westdeutschen Werken erhalte eine Ergebnisbeteiligung von 7500 Euro, teilte Personalvorstand Horst Neumann am Donnerstag mit. Quelle: ap
Volkswagen schüttet laut Tarifvertrag zehn Prozent des operativen Gewinns der Marke VW Pkw als Prämie an die Belegschaft aus. Wegen des hohen Gewinns hatte der Betriebsrat aber einen Aufschlag verlangt. Im Vorjahr waren 4000 Euro je Mitarbeiter gezahlt worden. Quelle: dpa
Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern, zu dem acht Pkw-Marken, die beiden Lastwagenbauer Scania und MAN sowie die VW-Transportersparte gehören, hatte seinen Gewinn im vergangenen Jahr auf knapp 16 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz schwoll um ein Viertel auf 160 Milliarden Euro an. Quelle: dapd
Den Bonus für die Marke VW Pkw verhandelt der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung aus. Er lasse keine Rückschlüsse auf den Gewinn der Marke zu, erklärte Volkswagen. Den höchsten Bonus unter den deutschen Autobauern erhalten jedoch die Tarifmitarbeiter einer VW-Schwestermarke. Quelle: dpa
Die rund 44.800 Tarifbeschäftigten an den deutschen Audi-Standorten bekommen angesichts des Rekordgewinns der VW-Tochter für das vergangene Jahr eine Rekordprämie. Im Schnitt zahlt der bayerische Konzern seinen Mitarbeitern für ihre Leistungen zwei Monatsgehälter - durchschnittlich summiert sich damit die Sonderzahlung auf 8251 Euro. Quelle: dapd
„Die Belegschaft hat es mit ihrem großen Engagement und der fantastischen Leistungsbereitschaft ermöglicht, dass Audi das erfolgreichste Geschäftsjahr seiner Geschichte erreichte“, teilte Personalvorstand Thomas Sigi mit. Gesamtbetriebsratschef Peter Mosch sagte, die Prämie sei „ein Volltreffer“ und zeige, dass sich „harte Arbeit und Fleiß“ lohnten. Quelle: dapd
Zudem hat Audi sich mit dem Betriebsrat darauf geeinigt, die Belegschaft besser abzusichern. Als Teil der Ergebnisbeteiligung investiert Audi für jeden einzelnen Beschäftigten zusätzlich 1000 Euro in die betriebliche Altersvorsorge. „Wer Höchstleistung erbringt, soll auch in einem Höchstmaß abgesichert sein“, sagte Vorstandschef Rupert Stadler. Auch bei anderen Herstellern können sich Mitarbeiter wegen des erfolgreichen Autojahrs 2011 über hohe Extrazahlungen freuen. Quelle: dpa
Der Sportwagenhersteller Porsche zahlt seinen Mitarbeitern nach dem besten Absatzjahr aller Zeiten mit jeweils 7600 Euro einen Rekordbonus. Das Unternehmen honoriere damit „die hohe Leistungs- und Einsatzbereitschaft der Belegschaft“, erklärte Porsche in Stuttgart. Quelle: dapd
Im Vorjahr hatte Porsche 1.700 Euro Bonus gezahlt, allerdings berechnet wegen einer Bilanzierungsumstellung nur für die Monate August bis Dezember. 2011 erzielte der Sportwagenhersteller mit 118.868 verkauften Fahrzeugen einen neuen Auslieferungsrekord. Quelle: dapd
„Porsche hat ein tolles Jahr hinter sich, und für diese Leistung haben unsere Leute eine genial-intergalaktische Sonderzahlung verdient“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Uwe Hück. Die Sonderzahlung wird an über 8.500 Mitarbeiter ausgeschüttet, gleich ob Ingenieur oder Küchenhelfer. Auch andere Autohersteller steuern dieses Jahr auf deutlich höhere Bonuszahlungen zu. Quelle: ap
Bei Daimler erhalten die Mitarbeiter in Deutschland für 2011 mit 4100 Euro die bislang höchste Ergebnisbeteiligung. Die Höhe orientiert sich am jeweiligen Geschäftserfolg im zurückliegenden Jahr. Dank der Rekordergebnisse 2011 wurde der bisher höchste Wert von 3750 Euro aus dem Jahr 2007 übertroffen. Quelle: dpa
Die Prämien lassen auch Baden-Württembergs IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann in Jubel ausbrechen: „Der Schlag Sahne oben drauf in diesem Jahr schmeckt extrem gut.“ Quelle: dpa

In Deutschlands größtem Industriekonzern könnte die Stimmung kaum besser sein - wäre da nur nicht der ständige Zank um ein 53 Jahre altes Regelwerk. Die erneute Klage der EU-Kommission gegen das VW-Gesetz treibt die Belegschaft des Autobauers um. Dabei kennen die Wolfsburger die Argumente der Brüsseler Behörde schon aus einem früheren juristischen Gefecht 2007. Vor der Anhörung zu einem zweiten Verfahren gegen Deutschland am 12. März vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) lud der Betriebsrat am Mittwoch EU-Parlamentschef Martin Schulz ein. Der Sozialdemokrat gibt dem Unternehmen im Kampf um die Sonderrechte für den Großaktionär Niedersachsen Schützenhilfe.

Die Halle 11 ist gut gefüllt - mehr als 18.000 Beschäftigte kommen zur Betriebsversammlung im Stammwerk und füllen die Stuhlreihen. Grundsätzlich ist die Atmosphäre blendend: Erst Ende vergangener Woche gab die weltweite Nummer drei der Autobranche einen weiteren Rekordgewinn von knapp 22 Milliarden Euro bekannt, die Mitarbeiter in Westdeutschland streichen einen dicken Bonus von 7200 Euro ein.

Das sind zwar 300 Euro weniger als im vorigen Jahr. Doch etliche Kollegen können nachvollziehen, warum es keinen Aufschlag gibt. „Manche in der Branche kämpfen ums Überleben“, sagt Betriebsratschef Bernd Osterloh über die einbrechenden Märkte in Süd- und Westeuropa.

Der neue Golf 7

VW stemmt sich mit aller Kraft gegen die Absatzflaute daheim - dem starken Geschäft in Übersee sei Dank. Konzernchef Martin Winterkorn will auch in Russland, Südamerika und Südostasien zulegen. Neben Schulz lässt er sich an einer Ducati-Maschine ablichten, der italienische Motorradbauer ist einer der jüngsten Ableger. Einzig Brüssel, so sagen viele, trübe mal wieder ihre Laune. Denn ob das schon vor sechs Jahren nachgebesserte VW-Gesetz vor dem höchsten EU-Gericht Bestand hat, ist ungewiss.

Den Wettbewerbshütern sind die seit 1960 bestehenden Regelungen ein Dorn im Auge. Sie monieren vor allem die Sperrminorität, die das Land Niedersachsen als staatlicher Eigentümer von rund einem Fünftel der VW-Stammaktien bei zentralen Standort- und Verkaufsentscheidungen innehat. Das laufe der Freiheit des Kapitalverkehrs - einer der vier Grundfreiheiten im europäischen Binnenmarkt - zuwider.

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