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ABB-Chef Spiesshofer „Das Elektroauto ist heute die sichere Wahl, nicht der Diesel“

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„Wir haben hier eine historische Gestaltungschance“

Bei den Start-ups und vielen Energieversorgern geht es dennoch darum, mit dem Ladestrom Geld zu verdienen. Wie bringt man dem Kunden bei, dass er an einer Schnellladesäule mehr für die Kilowattstunde Strom zahlen muss als für den Haushaltsstrom?
Wir haben hier eine historische Gestaltungschance. Wir schaffen gerade ein neues System der Mobilität. Es wird sehr wichtig sein, dass wir alle Stellgrößen dieses neuen Systems optimieren. Dazu gehört auch das Konsumentenverhalten und -denken. Heute steuern Autofahrer die Tankstelle an, wenn der Tank leer ist. Diese Denkweise gehört aber der Vergangenheit an. Da wir an 90 Prozent der Tage im Jahr weniger als 100 Kilometer fahren, reicht das günstige Aufladen an der heimischen Steckdose oder auf der Arbeit vollkommen aus. Nur an den wenigen Tagen, die wir längere Strecken fahren, müssen wir an eine Schnellladestation.

Trotzdem wird eine Kilowattstunde dort ein Vielfaches kosten.
Das Teure am Schnellladen sind nicht die Stromkosten. Die fallen bei wenigen Langstreckenfahrten im Jahr ohnehin kaum ins Gewicht. Teuer ist jedoch die Abnutzung der Batterie, die durch das Schnellladen erheblich steigt. Schon bald wird es Leasingmodelle geben, die genau das berücksichtigen. Wenn wir beide ein baugleiches Elektroauto fahren, Sie über die drei Jahre Leasingdauer fast nur zuhause laden und ich dreimal pro Woche am Schnelllader hänge, nutze ich die Batterie stärker ab. Der Wertverlust wäre also höher. Das wird einen viel größeren Einfluss auf unsere Nutzung eines Elektroautos haben als die Stromkosten. Zumal die Stromkosten künftig auch flexibel werden können.

Diese Elektroautos gibt es derzeit zu kaufen
Tesla Model S an einem Supercharger Quelle: Tesla
Citroën C-Zero und Peugeot Ion Quelle: Peugeot
Smart Fortwo und Forfour EQ Quelle: Daimler
Renault Zoë Quelle: Renault
Citroën E-Mehari Quelle: Citroën
VW e-Up Quelle: Volkswagen
Kia Soul EV Quelle: Kia

Was meinen Sie?
Wir sind gerade mit Partnern in Gesprächen, in Singapur ein dynamisches Preismodell zu testen. Die Idee: Über die Künstliche Intelligenz von IBM Watson, die die besten Wettervorhersagen bietet, treffen wir Prognosen für Solar- und Windstrom. Auf der anderen Seite haben wir ein vorhersagbares Konsumentenverhalten, etwa das klassische Laden zuhause nach Feierabend. Wenn wir wissen, dass der Wind bläst und die Sonne scheint, wird der Strom billiger. Ist Flaute und der Strom teuer, teilen wir das dem Kunden mit und er kann sich darauf einstellen. Das ist noch nicht in Stein gemeißelt, zeigt aber, welche neuen Stellgrößen die Elektromobilität bietet.

Im autokratischen Singapur oder auch in China lassen sich solche Dinge schnell durchsetzen, wenn sie politisch gewollt sind. Überwiegt in solchen Fragen in Europa die Unsicherheit – sowohl politisch als auch gesellschaftlich?
Das wandelt sich. Vor einigen Jahren wäre die Unsicherheit noch der Kauf eines Elektroautos gewesen, der Diesel oder Benziner die sichere Lösung. Heute ist es so, dass bei gewissen Fahrzeugen schon Fahrverbote kommen und wir bei den anderen nicht wissen, wie lange wir sie noch überall benutzen dürfen. Beim Elektroauto ist klar, dass ich es immer und überall fahren kann. Ich habe vielleicht noch nicht die Ladeinfrastruktur, die ich mir wünsche, aber das kippt langsam. Deshalb glaube ich, dass sich der Markt in Europa schnell entwickeln wird – aber anders als in China. Dort kommt der Wechsel top-down, wird von oben verordnet. In Europa sehe ich eine Bottom-up-Entwicklung, der Konsument wird eine wesentliche Rolle spielen.

Wie lade ich mein Elektroauto?

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