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Abgas-Manipulation Wer alles im Diesel-Skandal feststeckt

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Auch Autos von Opel und Mercedes sind auffällig

Opel: Der zweite Sünder?

Der Abgasskandal bei VW war erst einige Wochen alt, da wurden neue Vorwürfe publik: Auch Modelle anderer Autobauer sollen auf der Straße deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als auf dem Prüfstand. Einer dieser Autobauer ist Opel, das Modell der Familien-Van Zafira mit 1,6-Liter-Dieselmotor.

Im Kern geht es um Vorwürfe, welche die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zusammen mit dem „Spiegel“ und dem ARD-Magazin „Monitor“ nach eigenen Abgasmessungen erhoben hatten: Demnach soll der Zafira über eine Abschaltvorrichtung verfügen, welche die Abgasnachbehandlung herunterfahre, sobald die vorgegebenen Bedingungen eines Prüfstandtests verlassen werden.

Ein von der zuständigen Kommission des Bundesverkehrsministeriums eingesetzter Gutachter soll laut einem „Spiegel“-Bericht zu dem Ergebnis gekommen sein, dass die technische Sachlage und Opels Begründung (Schutz wichtiger Bauteile) nicht ausreichend sei. Sprich: Die Abschalteinrichtung wäre illegal – was Opel aber vehement bestreitet. Strafrechtlich entschieden ist hier noch nichts.

Einen Teilerfolg konnte die DUH gegen Opel aber bereits verzeichnen: Der Autobauer hat sich per Unterlassungserklärung dazu verpflichtet, künftig auf umstrittene Werbeaussagen wie „so sauber wie ein Benziner“ oder „vorbildliche Abgasreinigung mit niedrigstem Stickoxidausstoß“ zu verzichten. Ob der Zafira tatsächlich die Abgasnorm einhält oder nicht, war nicht Teil der Verhandlung vor dem Darmstädter Landgericht.

Welche Modelle unter den Diesel-Vergleich fallen

Probleme kommen auch auf Opel-Mutterkonzern General Motors zu. In Kalifornien wurde eine Sammelklage von Autobesitzern eingereicht, in der sie GM eine ähnliche Manipulation wie bei VW vorwerfen. Der Kompaktwagen Chevrolet Cruze, von GM als „sauberer Diesel“ beworben, soll laut eigenen Tests der Kläger im Straßenbetrieb deutlich mehr Stickoxid ausstoßen als auf dem Prüfstand. Damit seien die Käufer getäuscht worden. GM weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

Daimler: Die Adblue-Frage

Bei Daimler ist die Lage ähnlich wie bei Opel: Nachmessungen haben auffällige Abgaswerte bei einem Modell gezeigt, in diesem Fall eine C-Klasse mit 2,2-Liter-Dieselmotor. Zudem hat der Konzern ebenfalls eine Unterlassungserklärung gegenüber der DUH abgegeben, allerdings wegen falscher Verbrauchsangaben im Nachhaltigkeitsbericht. Diesen hat Daimler inzwischen mit korrigierten Angaben neu aufgelegt.

Eine andere rechtliche Auseinandersetzung zwischen Daimler und der DUH steht noch bevor. Der Verein hat gegen die Stuttgarter – wie Opel – eine Unterlassungsklage wegen Verbrauchertäuschung eingereicht. Auch hier geht es um Emissionswerte aus der Werbung, welche die beanstandete C-Klasse auf der Straße laut der DUH nicht einhalten kann. Das zuständige Landgericht Stuttgart hat noch keinen Verhandlungstermin angesetzt.

Daimler reduziert bei Temperaturen von unter zehn Grad die Abgasreinigung. Bei den Stuttgartern kommt noch ein anderer Vorwurf hinzu: Der Tank für das AdBlue, ein Additiv zur Abgasreinigung, ist bei der C-Klasse zu klein ausgelegt. Wie eine Studie des niederländischen Instituts TNO zeigt, fasst der Tank gerade einmal 22 statt der notwendigen 46 Liter. Sprich: Entweder ist der Tank nach rund 12.000 statt der versprochenen 22.000 Kilometer leer oder die Abgasreinigung funktioniert die ganze Zeit nur eingeschränkt, um auf die angepeilte Distanz zu kommen.

Auch bei von Verkehrsminister Alexander Dobrindt angeordneten Nachtests landeten Mercedes-Modelle auf der Liste der Sünder – der Konzern ruft deshalb 240.000 Autos zurück. Hauptkonkurrent BMW war weder bei den Nachtests noch der TNO-Studie auffällig. Zwar löst Daimler den betroffenen Motor OM651 turnusmäßig durch ein neueres Modell ab, entkräftet sind die Vorwürfe damit aber noch lange nicht.

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