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Abgas-Skandal bei VW „Wir klären jetzt schonungslos auf“

Matthias Müller, der neue Volkswagen-Chef, hat der Belegschaft eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals zugesichert. Derweil ist publik geworden, dass die Manipulationssoftware schon seit Jahren bekannt war.

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Autoteile von VW auf einem Schrottplatz. Quelle: REUTERS

+++16.54 Uhr+++

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller hat den weltweit rund 600 000 Beschäftigten des Konzern eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals zugesichert. „Wir klären jetzt schonungslos auf“, heißt es in einem Brief an die Mitarbeiter, der dem „Handelsblatt“ vorliegt. Zusammen mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh weist Müller auch auf den Ernst der Lage hin. „Unser Unternehmen steht vor nie dagewesenen Herausforderungen“, betonen beide. Man werde alles tun, um das Vertrauen der Kunden, Partner, Investoren und der gesamten Öffentlichkeit Stück für Stück zurückzugewinnen.

+++14.27 Uhr+++

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat der Bundesregierung in der VW-Affäre Untätigkeit in der Vergangenheit vorgeworfen. „Die Bundesregierung hätte Hinweisen auf Manipulationen bei der Motorsteuerung längst nachgehen und genauer hinschauen müssen. Stattdessen wurden solche Hinweise als böswillige Unterstellungen abgetan“, kritisierte Hermann im Gespräch mit der „Welt“. Sein Bundesland habe sich frühzeitig gefragt, „warum im Ballungsraum Stuttgart die Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden jenseits aller Grenzwerte liegt, obwohl die Autos doch angeblich immer besser werden.“ Spätestens im Sommer hätte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) handeln müssen. Damals hätten die Bundestagsgrünen die Regierung auf die Möglichkeit zur Motorsteuerung bei Abgastests hingewiesen. Stattdessen habe sich Dobrindt darauf verlassen, „dass in den ohnehin miserablen Tests nicht auch noch betrogen wird“. Baden-Württemberg wolle gemeinsam mit Prüfinstituten nun Abgas-Tests im Land verbessern.

Das sagen Analysten zu Matthias Müller als neuem VW-Chef

+++12.09 Uhr+++

Der Autozulieferer Bosch hat Volkswagen einem Medienbericht zufolge bereits 2007 vor einem gesetzeswidrigen Einsatz der Abgastechnik gewarnt. Die Zeitung "Bild am Sonntag" berichtete, die interne Revision von VW sei auf ein Schreiben von Bosch an VW gestoßen, in dem Bosch vor der illegalen Verwendung seiner Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt habe. Die Software, die Bosch an VW geliefert habe, sei nur für Testzwecke und nicht für den normalen Fahrbetrieb vorgesehen gewesen. Ein Bosch-Sprecher sagte, im Rahmen der Geschäftsbeziehung mit VW sei der Konzern zur Vertraulichkeit verpflichtet. Bei VW war zunächst niemand zu erreichen.

Das ist Matthias Müller

+++11.26 Uhr+++

Die Porsche Automobil Holding hat ihren Anteil an Europas größtem Autobauer Volkswagen weiter aufgestockt. Vom japanischen Autokonzern Suzuki seien 1,5 Prozent Stammaktien der Volkswagen AG außerbörslich erworben worden, teilte die Porsche SE mit. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Beteiligung der Porsche SE an der Volkswagen AG steige damit auf 52,2 Prozent der Stammaktien. Der Anteil am gezeichneten Kapital erhöht sich auf 32,4 Prozent. Die Porsche Holding unterstreiche damit ihre Position als VW-Ankeraktionär.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

+++10.38 Uhr+++

Verantwortliche bei Volkswagen haben nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schon vor Jahren Kenntnis vom Einsatz rechtswidriger Software bei Abgasuntersuchungen gehabt. Schon im Jahr 2011 habe ein Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Software, die eine Abgasprüfung erkennt und entsprechend die Motorleistung herunterreguliert, einen „Rechtsverstoß“ darstellen könnte, berichtet die Zeitung unter Verweis auf einen Prüfbericht der internen Revision von Volkswagen.

"Das ist besser für VW"
Martin Winterkorn Quelle: AP
Wolfgang Porsche, Berthold Huber, Stephan Weil Quelle: dpa
Der Konzern stellte darüber hinaus Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Damit will der Konzern das durch die Abgasmanipulationen verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Wörtlich heißt es in einer Erklärung des Gremiums: „Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden vom Konzern in aller Form unterstützt. Quelle: REUTERS
Stephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen Quelle: dpa
Anton Hofreiter (Die Grünen) Quelle: REUTERS
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Quelle: dpa
Oliver Krischer Quelle: dpa

+++10.00 Uhr+++

Ungeachtet der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen vertraut eine Mehrheit der Deutschen einer Umfrage zufolge weiter den technischen Angaben der Autobauer. 44 Prozent der Befragten hätten "großes Vertrauen", elf Prozent sogar "sehr großes Vertrauen", hieß es in einer Umfrage des Instituts Emnid für "Bild am Sonntag". 29 Prozent hätten hingegen ein "eher geringes" und neun Prozent gar kein Vertrauen, berichtete die Zeitung.

Drei Viertel der Bundesbürger waren der Umfrage zufolge der Ansicht, dass auch andere deutsche Autobauer bei technischen Angaben manipulierten, 17 Prozent glaubten das nicht. Bei ausländischen Marken vermuteten 82 Prozent Manipulationen und lediglich 13 Prozent nicht. 77 Prozent sind zudem der Meinung, dass Herstellerangaben von staatlicher Seite besser kontrolliert werden sollten. Emnid befragte 504 Personen.

Vermintes Gelände – Volkswagen und die USA

+++04.00 Uhr+++

VW will Vorwürfe einer Kollaboration mit der brasilianischen Militärdiktatur in den 1960er und 1970er Jahren umfassend aufklären. „Volkswagen bedauert in höchstem Maße, dass den Betroffenen während der Militärdiktatur - gegebenenfalls unter Beteiligung von Mitarbeitern der Volkswagen do Brasil - Leid zugefügt wurde oder sie wirtschaftliche Nachteile erfahren mussten“, sagte der Chef-Historiker des größten europäischen Automobilkonzerns, Manfred Grieger, in Rio de Janeiro. „Volkswagen wird auf die Betroffenen zugehen und ihre Sicht der Dinge erfragen“, sagte Grieger, der schon mehrfach deswegen in São Paulo war und in Archiven Quellenmaterial eingesehen hat. Gegen den VW-Konzern war vor wenigen Tagen bei der Bundesstaatsanwaltschaft in São Paulo Anzeige erstattet worden. Kommt es zum Prozess, droht auch hier juristischer Ärger mit möglichen Entschädigungszahlungen.

+++01.00 Uhr+++

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat Volkswagen einem Zeitungsbericht zufolge ein Ultimatum für einen Zeitplan zur Beseitigung der Abgas-Manipulationen gesetzt. Die Behörde habe die Rechtsabteilung des Autobauers schriftlich aufgefordert, bis zum 7. Oktober einen "verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan" vorzulegen, ob und bis wann seine Fahrzeuge Abgas-Verordnungen ohne Manipulationssoftware einhalten würden, berichtete die "Bild am Sonntag" laut Vorabbericht. In dem Schreiben, dass ihr vorliege, heiße es, die Behörde sei aufgrund der Rechtslage dazu gezwungen, "erforderliche Maßnahmen anzuordnen, um sicherzustellen, dass die hergestellten Fahrzeuge mit dem jeweiligen genehmigten Typ in Übereinstimmung gebracht werden". Die sogenannte Typengenehmigung werde demnach erst entzogen, wenn VW die Aufforderung des Kraftfahrt-Bundesamtes nicht beachte. Dann dürften die betroffenen Autos nicht mehr verkauft und bewegt werden.

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