Abgas-Skandal VW kürzt Investitionen deutlich

Der Abgas-Skandal zwingt Volkswagen zum Sparen. Der Autokonzern muss seine Investitionen deutlich kappen. "Was nicht zwingend notwendig ist, wird gestrichen oder geschoben", erklärt Konzern-Chef Müller.

VW-Chef Müller hat nun bekannt gegeben, dass der Konzern seine Investitionen kürzt. Quelle: dpa

Angesichts der immensen Kosten für den Abgasskandal kürzt Volkswagen die Investitionen. VW werde für das Jahr 2016 die Sachinvestitionen auf maximal zwölf Milliarden reduzieren. Das sei eine Milliarde Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre, sagte VW-Chef Matthias Müller nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg.

Eigentlich hätte in den kommenden Jahren sogar deutlich mehr ausgegeben werden sollen. Der Aufsichtsrat hatte beschlossen, in den Jahren 2015 bis 2019 insgesamt 85,6 Milliarden Euro zu investieren - also gut 17 Milliarden pro Jahr. Dabei beliefen sich die Sachinvestitionen auf 64,3 Milliarden Euro - also knapp 13 Milliarden jährlich. Welche Summen in den Folgejahren investiert werden, ist noch unklar.

Die noch immer nicht absehbaren Auswirkungen des Abgas-Skandals zwingen VW zum Priorisieren. Müller: "Was nicht zwingend notwendig ist, wird wie angekündigt gestrichen oder geschoben."

Um zu sparen, wird zum Beispiel das geplante neue Designzentrum in Wolfsburg zunächst nicht gebaut. Außerdem soll der Bau einer Lackiererei in Mexiko überprüft werden. Der Nachfolger des Phaeton wird verschoben, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Weitere Ausgaben und Investitionen stehen auf dem Prüfstand.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Der Volkswagen-Chef sieht trotz der gekürzten Investitionen nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs der Kernbelegschaft. "Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten", sagte der Manager. VW werde nicht auf Kosten der Zukunft sparen, sondern sich auf die Technologien der Zukunft konzentrieren. Der Autokonzern hatte bereits angekündigt, die Elektromobilität und die Digitalisierung vorantreiben zu wollen.

Milliardenschaden

VW ist in einer schweren Krise, seitdem der Konzern Mitte September zugegeben hatte, mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Dabei ging es um Werte für das gesundheitsschädliche Stickoxid. Außerdem hat VW bei 800.000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht. Analysten schätzen den möglichen Schaden für den Konzern auf 20 bis 40 Milliarden Euro, einige rechnen sogar mit noch mehr.

In einem ersten Schritt hatte VW 6,7 Milliarden Euro für technische Nachbesserungen der manipulierten Dieselautos zurückgelegt. Weitere Risiken durch die später hinzugekommenen falschen CO2-Werte wurden zunächst auf zwei Milliarden Euro veranschlagt.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Der neue Konzernchef Müller hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme angekündigt, wegen der Krise alle Investitionen auf den Prüfstand stellen zu wollen. Noch vor einem Jahr hatte Volkswagen bis 2019 Ausgaben von 85,6 Milliarden Euro angepeilt. Das Geld sollte in neue Modelle, die Werke sowie umweltfreundliche Technologien fließen.

Die europäische Kommission räumt Volkswagen bei der Aufklärung der Abgas-Affäre mehr Zeit ein. Bis Ende Dezember müsse der Autobauer nun Informationen zu den Manipulationen darlegen, teilte die Kommission am Freitag mit. Volkswagen habe um die Verlängerung gebeten. Nach dem Bekanntwerden falscher CO2-Werte hatte die EU die Mitgliedsstaaten um Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gebeten. Bis Ende November sollten etwaige Informationen vorgelegt werden.
In den USA muss der Autobauer bis diesen Freitag einen Plan für technische Lösungen vorlegen, um den Abgasbetrug zu beenden. Am Firmensitz in Wolfsburg tagt zur Stunde der Aufsichtsrat.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%