Absatzkrise Renault verliert überraschend Vize-Chef

Inmitten der schwersten Absatzkrise seit Jahrzehnten verliert der französische Autobauer Renault überraschend seinen Vize-Chef und Leiter des operativen Geschäfts. Carlos Tavares werde sofort zurücktreten.

Die erfolgreichsten Autobauer der Welt
Wer ist Verkaufs-, Gewinn- und Flexibilitäts-Champion?Erst vor wenigen Wochen präsentierten die Autobauer auf der 83. Internationalen Automobilsalon in Genf ihre Innovationen und legten damit den Grundstein für neue Erfolge. Wie erfolgreich die größten Automobilhersteller der Welt sind und wer die Nummer eins unter den neun absatzstärksten Autobauern ist, damit hat sich das CAR-Center Automotive Research unter Leitung von Ferdinand Dudenhöffer auseinandergesetzt. Als Kriterien für den Erfolg haben die Experten drei Kategorien definiert: Verkaufserfolg (Absatzentwicklung), Gewinnmargen sowie Flexibilität & Effizienz. Als Maßstab hierfür gilt der Umsatz pro Mitarbeiter. Hat ein Konzern einen geringen Umsatz pro Mitarbeiter - also eine geringe Arbeitsproduktivität - ist seine Effizienz verbesserbar. Quelle: dpa
Peugeot-CitroenFahrzeugabsatz: 2,95 Millionen Gewinnmarge 2012: -3,9 % Umsatz pro Mitarbeiter: 187.000 Gewinn pro Fahrzeug: - 510 EuroDer französische Autobauer kränkelt, zu viele Mitarbeiter erzeugen Verluste. Das Problem mit den Überkapazitäten kommt beim niedrigen Umsatz pro Mitarbeiter zum Vorschein. Hier bildet Peugeot-Citroen das Schlusslicht. Dudenhöffer: "Schwierig stellt sich die Lage bei den Automarken dar, die überwiegend in Europa agieren. So hat Peugeot-Citroen 510 Euro Verlust pro verkauftem Fahrzeug erwirtschaftet" Quelle: dpa
HondaFahrzeugabsatz: 3,96 Millionen Gewinnmarge 2012: 5,5 % (1,8 in der Autosparte) Umsatz pro Mitarbeiter: 490.000 Gewinn pro Fahrzeug: 319 Euro Die hohe Gewinnmarge kann trügen - beim japanischen Hersteller hat die Automobilsparte nur 1,8 Prozent Gewinn erwirtschaftet. Autoexperte Dudenhöffer: "Honda hat im Automotive-Geschäft die Nachwirkungen der Naturkatastrophen des Jahres 2011 noch zu verdauen. Dies zeigt, wie wichtig für Honda Power-Tools und Motorräder als wichtige Konzernsparten sind". Quelle: REUTERS
Fiat-ChryslerFahrzeugabsatz: 4,29 Millionen Gewinnmarge 2012: 4,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 391.000 Gewinn pro Fahrzeug: 1579 EuroChrysler hat den im Jahr 2012 den größten Gewinn pro Fahrzeug eingefahren und erreicht damit Platz eins vor allen anderen Autobauern im Nicht-Premium-Bereich. Dudenhöffer: "Die Überraschung ist sicher Fiat-Chrysler. Für beide Unternehmen wurde noch vor ein paar Jahren keine Zukunft mehr vorausgesagt. Mittlerweile ist Fiat-Chrylser profitabler als der VW-Konzern ohne Audi. Dabei enthält VW ohne Audi noch Porsche, Bentley, Lamborghini, Bugatti – ist also durchaus vergleichbar mit Fiat-Chrylser, die Ferrari und Maserati halten. Fiat-Chrysler-Chef Marchionne hat also deutlich besser abgeschnitten als vielfach vermutet. Allerdings hat sich Fiat-Chrysler durch hohe Einsparungen bei Produktinvestitionen sein Ergebnis 'verdient'. Langfristig hat Fiat-Chrylser damit ein höheres Risiko". Quelle: REUTERS
FordFahrzeugabsatz: 5,67 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 2 % Gewinnmarge 2012: 5,9 %Umsatz pro Mitarbeiter: 586.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: + 890 Euro Ford Auto; - 967 Ford Europe Ford liegt beim Umsatz pro Mitarbeiter auf Platz zwei, und kann auch eine erstaunlich hohe Ebit-Marge ausweisen. Dudenhöffer: "Überraschend ist die hohe Profitabilität von Ford trotz hoher Verluste im Europageschäft. Ähnliches gilt auch für GM mit den Europaverlusten und Fiat-Chrysler." Beim Absatz und Absatzwachstum belegt Ford allerdings den letzten Platz. Quelle: AP
Renault-NissanFahrzeugabsatz: 7,60 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 25 % Gewinnmarge 2012: 3,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 353.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: - 241 Euro Renault ; + 890 Euro Nissan Den Absatz konnte Renault-Nissan in den vergangenen fünf Jahren zwar ordentlich steigern - vergleichsweise stärker als Toyota oder GM - doch in den anderen Kategorien sieht es mau aus. Die Ebit-Marge ist mit 3,5 Prozent die geringste unter den Big Six (Toyota, Ford, Hyundai-Kia, GM, Renault Nissan, VW). Mit einem Verlust von 241 Euro pro verkauftem Neuwagen hat Renault massiv unter den Krise in seinem Kernmarkt Europa gelitten. Quelle: REUTERS
General MotorsFahrzeugabsatz: 9,29 Millionen Absatzwachstum 2010-2012: 11 % Gewinnmarge 2012: 5,2 % Umsatz pro Mitarbeiter: 534.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: 635 Euro Die US-Mutter des deutschen Autobauers Opel liegt in allen Kategorien im Mittelfeld. Beim Absatz weltweit die Nummer drei, reicht es bei den restlichen Kennzahlen nur für den vierten Platz. Beim Gewinn pro Fahrzeug ergeben sich je nach Marke im GM-Konzern große Unterschiede. So fuhr Opel-Vauxhall im vergangenen Jahr pro Fahrzeug einen Verlust von 834 Euro ein, im Gesamtkonzernschnitt reicht es dank der starken US-Marken wie Chevrolet und Buick für 635 Euro - ein Platz im hinteren Mittelfeld. Skoda liegt etwa mit einem Wert von 758 Euro deutlich vor GM. Quelle: dpa

Der Portugiese möchte sich anderen persönlichen Projekten widmen, teilte Renault am Donnerstag mit. Details zur beruflichen Zukunft des 55-Jährigen nannte der Autobauer nicht. Von seinen Aufgaben als Stellvertreter von Renault- und Nissan -Chef Carlos Ghosn sowie als Chief Operating Officer (COO) wurde Tavares sofort entbunden. Das Unternehmen verlassen soll er nach Firmenangaben aber zu einem späteren Zeitpunkt. Die überraschende Ankündigung ließ erneut Spekulationen aufleben, dass Tavares seine Karriere bei einem US-Autobauer in der Pole Position vorantreiben könnte. Denkbar wären GM oder Ford.

Nach Informationen von hochrangigen Managern, mit denen Tavares zusammengearbeitet hat, wäre dieser für eine führende Rolle bei einem US-Autobauer bestens geeignet. "Wenn man zwischen Deutschland und USA wählen müsste, würde Amerika besser zu seinem Temperament und seiner Erfahrung passen", sagte ein Insider, der namentlich nicht genannt werden wollte. Tavares war vor seiner Rückkehr zu Renault im Jahr 2011 Chef von Nissan America.

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Die Spekulationen über einen Wechsel in die USA hatte er mit Interview-Äußerungen selbst befeuert. Am 14. August zitierte ihn die Agentur Bloomberg mit den Worten, er habe "Energie und Lust auf eine Position in der ersten Reihe", es sei aber unwahrscheinlich, dass er Ghosn in absehbarer Zeit nachfolge. "Meine Erfahrung wäre für jede Firma gut", wurde Tavares zitiert. "Warum nicht GM? Ich wäre geehrt, wenn ich eine Firma wie GM führen dürfte." Die Opel-Mutter GM hatte die Äußerungen von Tavares nicht kommentiert. GM-Chef Dan Akerson ist 64. Ford hat nach eigenen Angaben für alle wichtigen Posten Nachfolgepläne in der Schublade, auch für den 68-jährigen Chef Alan Mulally.

Am Donnerstag war von Opel und Ford zunächst keine Stellungnahme zu den Ereignissen zu erhalten. Ein Wechsel zu GM hätte für den französischen Rivalen PSA Peugeot Citroen vermutlich unmittelbare Folgen: Peugeot und GM unterhalten eine Allianz. Nach langer Durstrecke haben die französischen Autobauer zuletzt erste Zeichen einer Erholung ausgemacht. Renault hat einen rigiden Sparkurs eingeschlagen, um wieder in die Spur zu kommen. Renault-Aktien notierten bis zum Nachmittag 0,8 Prozent schwächer.

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