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ADAC Machtkampf im Autofahrerclub

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Drei grüne Haken und ein Rücktritt

Die Delegierten, so Reimer weiter, sollten wissen, „dass die Dinge rechtlich abgeprüft worden sind und nicht beanstandet worden sind.“ Sein Fazit: „Die Untersuchung ist abgeschlossen. An allen drei Vorwürfen wurden grüne Haken dran gemacht.“ Das Problem: Weder waren die Untersuchungen abgeschlossen, noch die Vorwürfe entkräftet. Reimer wurde von den Delegierten zunächst als Schatzmeister wiedergewählt, trat aber im Juli zurück. Die WirtschaftsWoche war zuvor an das Gutachten gekommen. Ein Delegierter bezeichnete die Vorgänge in der Hauptversammlung als „Wahlmanipulation“.

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Damit meinte er nicht nur Reimer, sondern auch Markl. Denn der Präsident saß bei Reimers Ausführungen schweigend dabei. Dabei hätte er als Auftraggeber des Freshfields-Gutachtens wissen müssen, dass das Gutachten die Vorwürfe keineswegs ausräumt. Die Erklärungen von Markls Sprecher dazu werfen nun mehr Fragen auf, als sie beantworten. Markl selbst habe Reimer aufgefordert, in der Hauptversammlung den Sachverhalt darzustellen. Das habe Reimer auch getan.

Markl habe richtig und korrekt gehandelt, sei den Ratschlägen der Juristen gefolgt. Es habe keinen Grund gegeben, Reimer zu widersprechen. Schließlich habe Reimer korrekt dargestellt, dass noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen seien – er sagte ja schließlich, dass er in einem Punkt den Haken erst noch machen werde. Zudem dürfe man nicht die wörtliche Abschrift der Tonspur zugrunde legen, sondern müsse den Gesamtkontext berücksichtigen, in dem die Äußerungen gefallen seien. Von den Delegierten habe niemand Nachfragen gestellt, also seien sicherlich alle mit den Auskünften zufrieden gewesen.

Keine Auskunft zu Beschwerden über den Präsidenten

Andere beurteilen Markls Verhalten in der Hauptversammlung offenkundig anders und haben sich deshalb über den Präsidenten beschwert. Warum den Beschwerden nicht nachgegangen wird, will Markl nicht sagen. „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu vertraulichen Interna oder gar Hinweisen aus dem Hinweisgebersystem“, lässt er seinen Sprecher ausrichten.

Dabei ist die Angelegenheit für Markl brisant. In der von ihm vorangetriebenen Compliance-Richtlinie steht schon in der Präambel: „Der ADAC steht für Qualität, Objektivität, Ehrlichkeit und Fairness - kurz gesagt für Integrität. Dies setzt ein verantwortungsbewusstes und redliches, einem hohen ethischen Standard verpflichtetes Handeln aller, die im Namen des ADAC tätig werden, voraus.“ Im Punkt „2. Allgemeine Verhaltensregeln“ heißt es später: „ADAC-Angehörige sind gehalten, sich redlich und fair, mit Anstand und Integrität“ zu verhalten.

Ein Delegierter spottet über Markl: „Damit sollte er mal bei sich selbst anfangen.“ Die Delegierten der Hauptversammlung - das höchste Gremium im ADAC – hinters Licht zu führen, habe schließlich nichts mit Integrität, Ehrlichkeit oder hohen ethischen Standards zu tun. Markl hielt das Gutachten im Vorfeld der Hauptversammlung sogar unter Verschluss – die Freshfields-Anwälte hatten ihm, dem Auftraggeber des Gutachtens, dazu geraten.

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