ADAC in der Kritik Solange nur die Pannenhilfe funktioniert...

Deutschlands Autoclub Nummer eins hat ein großes Problem. Weil der Kommunikationschef ein Testergebnis geschönt hat, stellt sich die Frage, wie glaubwürdig der ADAC noch ist. Aber mal ehrlich: Interessiert das die Mitglieder?

Nach Manipulationsvorwürfen beim Autopreis

Gleich zwei große deutsche Testinstanzen haben in den vergangenen Tagen Schiffbruch erlitten: Erst die Stiftung Warentest, die im Streit mit dem Schokoladenfabrikanten Ritter Sport den Kürzeren zog und nun nicht mehr behaupten darf, dass Ritter Sport einen Aromastoff in seiner Nussschokolade falsch deklariert habe und nun der ADAC. Der Autoclub galt über Jahrzehnte als unfehlbar.

"Kein Mensch wäre doch darauf gekommen, dass da getrickst wird", sagt Peter Pirck von der Brandmeyer Markenberatung. Für ihn ist die Marke ADAC untrennbar mit Werten wie "Glaubwürdigkeit" und "Verlässlichkeit" verbunden.

Das Image hat nun eine ordentliche Delle bekommen. "Das ist schon mehr als ein Kratzer im Lack", betont der Markenexperte, "aber ich glaube nicht, dass es langfristig negative Konsequenzen haben wird." Warum gibt sich der Markenexperte so optimistisch? Ist der Vertrauensbruch nicht eklatant? Marc-André Reinhard, Professor für Sozialpsychologie an der Uni Kassel sieht prinzipiell die Gefahr einer tiefen Vertrauenskrise: „Ein einziger Fehltritt reicht, um jahrelang aufgebautes Vertrauen zu zerstören. Das ist wie in einer Partnerschaft. Jahrzehntelange Treue ist nichts mehr wert, sobald einer der Partner fremdgeht.“

"Gelber Engel": Spitzenreiter in neun Kategorien
Eco-Auto – Platz 1 VW e-up!Die Wolfsburger machen das Rennen in der Kategorie „Eco-Auto“ des Jahres. Der Elektro-Kleinwagen überzeuge durch einen effizienten Antriebsstrang, der den bisher geringsten Stromverbrauch aller gemessenen Elektrofahrzeuge aufweist. Basis der Wertung ist der ADAC EcoTest, der seit 2003 das Umweltverhalten der aktuellen Neufahrzeuge misst und benotet. Dabei werden realitätsnahe Fahrzyklen verwendet, um das Umweltverhalten im alltäglichen Fahrbetrieb bewerten zu können. Im ADAC EcoTest wird nicht nur der Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) gemessen, sondern auch der Ausstoß der Schadstoffe Kohlenmonoxid (CO), Kohlenwasserstoffe (HC), Stickoxide (NOx) und Partikel. Im EcoTest konnte der VW e-up mit 101 Punkten das bisher beste EcoTest-Ergebnis einfahren.
Stadtauto – Platz 1 Smart fortwo edEr gilt als bester City-Flitzer: Der Smart fortwo ed von Daimler. Mit seinem Elektroantrieb, und 2,70 Metern Länge ist der Smart nach wie vor der Inbegriff für Mobilität und verwies den VW e-Up!, den Mitsubishi i-MIEV, den Toyota Aygo und den Mitsubishi Space Star 1.0 MIVBC Clear Tec auf hintere Plätze. Außerdem überzeugte der wendige Stromer die Jury durch kompakte Abmessungen und eine übersichtliche Karosserie. Für die in der Stadt gefahrenen Kilometer ist der Smart fortwo ed mit seiner Reichweite ausreichend und garantiere zudem stressfreies Fahren, so die Jury. Enge Seitenstraßen ließen sich damit mühelos durchqueren und auch die Parkplatzsuche gestalte sich einfach. Quelle: dapd
Familienauto – Platz 1 VW SharanDen „Gelben Engel“ in der Kategorie „Familienauto“ sichert sich der VW Sharan. Er überzeugte nicht nur durch seinen riesigen Kofferraum und die breiten Schiebetüren. Der Käufer hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Sitzkonfigurationen. Durch die serienmäßigen Einzelsitze in der zweiten Reihe lassen sich dort problemlos drei Kindersitze nebeneinander befestigen. Zudem kann auf Wunsch eine voll versenkbare dritte Sitzreihe geordert werden. Quelle: Presse
Reiselimousine – Platz 1 BMW 520dDer BMW 520d BluePerformane Automatic nimmt den „Gelben Engel“ in der Kategorie „Reiselimousine“ mit nach Hause. Dafür sorgt eine Vielzahl an Assistenzsystemen, komfortable Sitze, die sich auf Wunsch vielfältig justieren lassen und das optionale adaptive Fahrwerk, das selbst grobe Unebenheiten sanft ausbügelt. Angetrieben wird der Wagen mit einem kräftigen aber sparsamen Euro6-Dieselmotor mit 184 PS und einem 8-Gang Automatikgetriebe. Quelle: Presse
Lieblingsauto – Platz 1 VW GolfDas Lieblingsauto der Deutschen kommt aus Wolfsburg. Die Leser der ADAC-Motorwelt kürten das Volkswagen-Erfolgsmodell Golf mit deutlichem Abstand zum beliebtesten Auto des Jahres. Zur Wahl standen mehr als 200 Modelle von über 30 Marken aus dem ADAC Kundenbarometer. Mit der Spitzenplatzierung löst VW Mercedes ab, dessen A-Klasse im vergangenen Jahr die Auszeichnung erhalten hatte. Quelle: Presse
Qualität – Platz 1 BMW X1Der kleine Geländewagen lässt seine Fahrer in Deutschland nur sehr selten im Stich. In der ADAC Pannenstatistik landet er daher auf den hinteren Plätzen und schneidet sehr gut ab. Auf der Basis von 2,5 Millionen Pannenberichten ermittelt der ADAC Straßenwachtfahrer die Zuverlässigkeit der einzelnen Modelle. Quelle: Presse
Innovation und Umwelt – Platz 1 Bosch MSCAls besonders innovative Idee zeichnet der ADAC die Motorrad-Stabilitätskontrolle (MSC) von Bosch aus. Sie trägt dazu bei, dass Unfälle durch falsches Bremsen oder Beschleunigen besonders in Kurven verhindert werden. MSC registriert mit einer umfangreichen Sensorik die Umdrehungsgeschwindigkeit der Räder sowie die Schräglage und den Nickwinkel und damit die fahrdynamische Situation der Maschine. Das Steuergerät regelt in Abhängigkeit von der Schräglage die physikalisch maximal übertragbaren Bremskräfte und Antriebsmomente, um Stürze besonders in Kurven zu verhindern. Bremst der Fahrer nur ein Rad, baut MSC aktiv auch am anderen einen Bremsdruck auf und regelt so die Druckverteilung beider Räder für maximale Stabilität und den bestmöglichen Bremsweg. Quelle: dapd
Beste Marke – Platz 1 BMWNach Einschätzung des ADAC ist BMW die stärkste und wertvollste Marke auf dem deutsche Automobilmarkt. Diese Bewertung basiert auf dem AutoMarxX, wo BMW unangefochten an der Spitze steht. Benotet werden dabei Image, Kundenzufriedenheit, Produktstärke, Umweltverhalten und Sicherheitsausstattung. Quelle: dpa
Persönlichkeit 2014Michael Schumacher erhält den „Goldenen Engel“ als Persönlichkeit des Jahres. Geehrt wurde der Ex-Formel-1-Profi für sein soziales Engagement und seine Verdienste um die Verkehrssicherheit. Als UNESCO-Sonderbotschafter unterstütze Schumacher seit 1995 die Errichtung von Kinderkliniken und den Bau von Schulen. Während des Hochwassers 2013 und der Tsunami-Katastrophe in Südostasien trat er zudem als Großspender in Millionenhöhe auf. Außerdem macht sich Schumi als Mitglied der „Commission for Global Road Safety“ für mehr Sicherheit im Straßenverkehr stark und zeigt Wege auf, um sicherzustellen, dass nicht täglich weltweit 3500 Menschen durch Verkehrsunfälle sterben. „Sicher zu fahren, heißt auch mit Köpfchen zu fahren“, so Schumacher im vergangenen Jahr. Quelle: dpa

Doch liegt ein solcher Fall vor? Was sich der bisherige ADAC Kommunikationschef Michael Ramstetter geleistet hat, ist in der Tat ein starkes Stück. Jährlich vergibt der ADAC den Preis "Gelber Engel" in verschiedenen Kategorien - von der besten Familienkutsche, über das beste Stadtauto, bis hin zum "Lieblingsauto der Deutschen" schlecht hin. In der letztgenannten Kategorie hat Ramstetter gemogelt. Nicht an der Reihenfolge an sich - die sei einwandfrei verbürgt sich die Geschäftsführung. Aber die Zahl der abgegeben Stimmen hat Ramstetter - angeblich ohne jedes Mitwissen anderer ADAC-Mitarbeiter und Manager - kräftig nach oben geschönt.

34.299 Stimmen seien für den Golf abgegeben worden, so steht es in einem offiziellen ADAC-Papier - magere 3409 Stimmen sollen es nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung tatsächlich gewesen sein. Mal eben die zehnfache Stumme anzugeben, ist dreist. Und es stellt sich die Frage warum? Hat Ramstetter am Ende Geld für das Schönen der Zahlen erhalten. Darauf deutet nichts hin. Die Hersteller bestreiten vehement, Einfluss auf der Ergebnis genommen zu haben. Preisträger Volkswagen betont, niemals finanzielle Zuwendungen gemacht zu haben, um das Ergebnis zu eigenen Gunsten zu verändern.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

Die Wut über das geschönte Ranking und die offensichtlich fehlende Kontrolle ist groß - auch bei den Autobauern: „Das ist eine riesige Sauerei“, heißt es bei einem großen deutschen Automobilhersteller. Dass gerade ein gemeinnütziger Verein mit manipulierten Zahlen arbeite, sei ein Unding. Andererseits: So richtig wundern könne man sich über die jetzt ans Licht gekommen Unstimmigkeiten auch nicht, heißt es mit Blick auf die Ergebnisse der ADAC-Umfragen aus den vergangenen Jahren. Ohnehin seine die zahllosen Preise und Trophäen, mit denen Autos prämiert würden, wenig aussagekräftig.

Fand Ramstetter das Ergebnis zu wenig eindeutig? Fürchtete er gar um das Renommee des Clubs und seiner Auszeichnungen, wenn bekannt würde, wie wenige Mitglieder sich in Wirklichkeit an der Wahl beteiligt haben? Was Ramstetter zu seiner Tat verleitete, weiß nur er.

Fakt ist, er hat dem ADAC schwer zu gesetzt. Die Stimmung unter den Mitarbeitern des ADAC beschrieb Obermair als schlecht. „Es ist ein emotionaler Mix aus Empörung, Wut, Fassungslosigkeit.“ Den rund 19 Millionen Club-Mitglieder dürfte es nicht viel anders gehen - wieder einmal.

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