ADAC-Jahresbilanz Skandale machen dem ADAC noch immer zu schaffen

Die Skandale hinterlassen beim ADAC Spuren: Wenn Präsident Markl am Mittwoch das Zahlenwerk für das vergangene Jahr präsentiert, dürfte er einen deutlichen Gewinnrückgang für die Wirtschaftstöchter des Clubs verkünden.

Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC. Quelle: dpa

Auf der Hauptversammlung des ADAC vergangenen Monat gab sich August Markl Mühe, den entschlossenen Reformer zu mimen. Der Präsident des von Krisen geschüttelten Automobilclubs versuchte etwa mit erheblichem Druck, die Gründung einer sogenannten Compliance GmbH durchzusetzen. Mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattet, soll die neue Einheit Unregelmäßigkeiten und Schummeleien wie bei der Verleihung des Gelben Engel künftig verhindern.

Doch mit der Vermittlung von Aufbruchsstimmung ist es immer noch schwierig. Wenn Markl am Mittwoch in München die Jahresbilanz 2014 vorlegt, holt ihn die Vergangenheit wieder ein.

Markl wird der Öffentlichkeit aller Voraussicht nach erklären, die Wirtschaftstöchter des Clubs hätten im vergangenen Jahr einen Gewinn von 100,9 Millionen Euro erwirtschaftet – gut 12 Prozent weniger als im Jahr zuvor. So steht es zumindest im vorläufigen, noch nicht testierten Jahresabschluss der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH (BuW), der der WirtschaftsWoche vorliegt. Grund für den Einbruch ist der erhöhte Aufwand für die Bewältigung der Krise.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

In der Tochter des ADAC Vereins sind die kommerziellen Aktivitäten der Münchner gebündelt. Dazu gehören unter anderem Anbieter von Rechtsschutz- und Schutzbriefversicherungen, eine Autovermietung sowie ein Verlag. Mit gut 122,3 Millionen Euro erzielte die ADAC-Schutzbrief-Versicherung die höchsten Einnahmen. Dahinter rangieren die Rechtsschutz-Versicherung, die Finanzdienste und die Autoversicherung.

Die Unternehmensleitung des ADAC sieht die Entwicklung gelassen. Diese sei „trotz der im Zusammenhang mit der Preisverleihung ‚Gelber Engel‘ am 16. Januar 2014 erhobenen Manipulationsvorwürfe gegen den ADAC, die nachfolgende negative Presseberichterstattung und die dadurch ausgelöste Krise des Vereins“ zufriedenstellend, heißt es in dem vorläufigen Jahresabschluss.

ADAC-Manager wegen Veruntreuung unter Verdacht
Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC. Quelle: dpa
02. Dezember 2014Der ADAC hat sich nach monatelangen Auseinandersetzungen mit seinem fristlos gekündigten Pressechef Michael Ramstetter geeinigt. Ramstetter habe Schadenersatz geleistet, sagte eine ADAC-Sprecherin Anfang Dezember in München und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Damit sei eine außergerichtliche Einigung erreicht worden. Zu der Höhe des geleisteten Schadenersatzes äußerte sich der ADAC nicht. "Im Übrigen wurde Stillschweigen vereinbart." Ramstetter hatte im Januar Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" zugeben und den ADAC damit in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem ein Prüfbericht der Beratungsfirma Deloitte den Verdacht auf Fälschungen bestätigt hatte, wurde Ramstetter fristlos gekündigt. Er wehrte sich aber vor Gericht gegen Schadenersatzforderungen und die Kündigung. Quelle: dpa
22. November 2014Der ADAC steht nach dem Skandal um Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" und Kritik an seinen wirtschaftlichen Aktivitäten vor einer grundlegenden Strukturreform. Dabei will der Autoclub seinen steuermindernden Vereinsstatus behalten. Ein entsprechender Reformplan, der aus mehreren Entwürfen ausgewählt wurde, soll der außerordentlichen ADAC-Hauptversammlung am 6. Dezember in München vorgelegt werden. Neben mehr Transparenz und besserer Nachvollziehbarkeit der Struktur soll die Reform auch der "erforderlichen und sinnvollen Trennung zwischen Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten besser Rechnung tragen", wie ADAC-Sprecher Christian Garrels erklärte. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und von NDR Info favorisiert der kommissarische ADAC-Präsident August Markl (66) ein Modell, das eine Ausgliederung der ADAC-Firmenholding in eine Aktiengesellschaft vorsieht. Diese Berichte wollte der Sprecher des Autoclubs nicht bestätigen und nicht kommentieren. Quelle: dpa
10. November 2014Der ADAC zieht sich aus dem umkämpften Markt für Fernbusse zurück und beendet seine Beteiligung an dem ADAC Postbus. Die Deutsche Post AG wird die Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen übernehmen. Über den Ausstieg des ADAC war seit Monaten spekuliert worden. Der Wettbewerb auf dem Fernbusmarkt hatte zuletzt auch andere Anbieter hart getroffen: Anfang November war bekanntgeworden, dass das Offenbacher Unternehmen DeinBus.de Insolvenz anmelden muste. Quelle: dpa
22. Oktober 2014August Markl, der kommissarische Präsident des ADAC, will auch in Zukunft auf dem Chefposten bleiben. Wie der Autoclub im Oktober mitteilte, wird Markl sich im Dezember auf einer außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC als Präsident zur Wahl stellen. Der 66-Jährige, offiziell Erster Vizepräsident, war im Februar Interimschef geworden, nachdem Peter Meyer vom Präsidentenamt zurückgetreten war. "Ich fühle mich dem ADAC und seinem zutiefst solidarischen Grundgedanken von Hilfe, Rat und Schutz seit mehr als 40 Jahren so sehr verpflichtet, dass ich meine ursprüngliche persönliche Planung noch einmal hinten anstelle", erklärte Markl. Quelle: dpa
23. April 2014Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ werden liegengebliebene Kunden großer Autohersteller bei der Pannenhilfe bevorzugt. Mehrere ADAC-Insider hätten demnach berichtet, dass die „Gelben Engel“ häufig zunächst den Autofahrern helfen, die über die Hersteller ihrer Fahrzeuge versichert seien. Mehrere Autokonzerne haben den ADAC mit solchen Dienstleistungen beauftragt. Der ADAC hat den Vorwurf zurückgewiesen. „Alle Pannenfälle werden nach Eingang bearbeitet“, sagte ein Sprecher des Autoclubs. Quelle: dpa
16. April 2014Der frühere ADAC-Geschäftsführer Alfons Kifmann gibt in seinem Enthüllungsbuch "Die gelbe Gier" noch einmal Zunder ins Feuer der Wut auf den ADAC. So deckt Kifmann, der zwischen 1995 und 1998 Mitglied der Geschäftsführung sowie Chefredakteur der Clubzeitung "Motorwelt" war, etwa auf, dass die 650 Vertragsanwälte, die für den ADAC arbeiten, ein Auftragsvolumen von 460.000 Euro pro Kopf und Jahr erhalten. Die Anwaltslizenzen nennt er eine Lizenz zum Gelddrucken. Nahezu ebenso gut würden die Sachverständigenbüros und Abschleppdienste des ADAC verdienen. Quelle: Fotolia

Deutlich besser sieht es bei der BuW-Mutter, dem ADAC e.V., aus. Der nämlich verbuchte nach Informationen, die der Wirtschafstwoche vorliegen, 2014 einen Nettogewinn von 16,9 Millionen Euro, nach 4,6 Millionen Euro im Jahr zuvor. Wichtigste Einkommensquelle: die nach wie vor sprudelnden Mitgliedsbeiträge. In der Kartei der Münchner stehen noch immer gut 18,9 Millionen zahlende Autofahrer, gerademal 18.956 weniger als vor der Compliance-Krise. Da kann getrickst und gemogelt werden bis zum Abwinken – die Deutschen halten ihrem ADAC die Treue.

Markl muss Akzente setzen

Man kann nur hoffen, dass Markl, der durchaus als glaubwürdiger Reformer gilt, einige Akzente setzen kann, um Auswüchse wie in der Vergangenheit zu verhindern. Bei seiner geplanten Compliance Service GmbH, die künftig die 18 Regionalclubs und die Zentrale in München überwachen soll, stößt der ADAC-Präsident auf heftigen Widerstand der mächtigen Regionalfürsten.

Wohl nicht ganz zu Unrecht monieren diese, es sei problematisch, das arbeitsrechtliche Direktionsrecht gegenüber den Mitarbeitern der Regionalclubs einer externen GmbH zu übertragen. Mehr als fragwürdig ist auch die Idee, in den Regionalclubs Maulwürfe zu installieren, die an die Compliance GmbH berichten sollen. Als sicher gilt, dass die externe Einheit - wenn überhaupt - nur in abgespeckter Form kommen wird.

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Der ADAC Nordrhein mit seinen 2,65 Millionen Mitgliedern hat bereits signalisiert, dass er nicht mitmachen wird.

Auf Kritik stoßen aber auch die Kosten der Reformen. Teilnehmer einer Verwaltungsratssitzung berichten, für die Umstrukturierung habe der ADAC im vergangenen Jahr 15 Millionen Euro ausgegeben; im laufenden Jahr fiele nochmal ein ähnlich hoher Betrag an.

Viel Geld geht für Berater drauf: Zur Bewältigung der unschönen Vergangenheit und Verhinderung künftiger Fehlentwicklungen beschäftigte der Automobilclub gleich mehrere Berater-Teams.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte untersuchte die Stimmenzahlen beim Autopreis „Gelber Engel“ und bestätigte die Manipulationen, um die Krisenkommunikation kümmerte sich zeitweilig die Agentur CNC Communications. Nach wie vor an Bord sind die Großkanzlei Freshfields, die für den rechtlichen Rahmen der Reform verantwortlich ist, sowie die Unternehmensberatung Oliver Wyman, die das ganze Reformprojekt steuert.

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