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ADAC Machtkampf im Autofahrerclub

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Kritik am Einfluss der Anwälte

Der Einfluss der Freshfields-Anwälte ist einigen Regionalclubs ebenfalls nicht geheuer. Sie beraten Markl bei der neuen Compliance-Organisation. Sie betreuen das Hinweisgebersystem, das Markl eingeführt hat und über das Whistleblower anonym Meldungen zu möglichen Compliance-Verstößen abgeben können. Und sie haben neben dem Fall Reimer noch weitere Aufträge von Markl bekommen, konkrete Vorwürfe zu untersuchen.

Einer davon stößt nun bei diversen Regionalfürsten besonders übel auf. Am 17. Juli trafen sich Verantwortliche von fünf Regionalclubs aus Südwestdeutschland in Karlsruhe: Der ADAC Nordbaden war Gastgeber für die Nachbarclubs Südbaden, Pfalz, Mittelrhein und Saarland. Mit dabei war auch ein Gast mit etwas weiterer Anreise: Der Syndikus (Vereinsanwalt) des Regionalclubs Berlin-Brandenburg. Hinweis Nummer 138 aus dem anonymen Hinweisgebersystem beschuldigt ihn unter anderem, Markls Reformprogramm als „Unsinn“ bezeichnet zu haben.

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Hier zögerte Markl nicht, Freshfields zu beauftragen, die Vorwürfe zu untersuchen. In mehreren Regionalclubs macht nun das Schreiben die Runde, das die Kanzlei daraufhin nach Berlin schickte. „Wir sind von Dr. Markl gebeten worden, zwei in das ADAC-Hinweisgebersystem eingestellte Hinweise (Nr. 135 und 138), die den ADAC Berlin-Brandenburg e.V. betreffen, näher zu untersuchen“, schreibt Freshfields. In den ersten beiden Punkten geht es um die Bestellung von Vertragsanwälten. Und dann – unter „3. Kritik am beschlossenen Reformprogramm“ - folgt der Vorwurf, dass sich der Syndikus „gegen den ADAC e.V. aufstelle“, die Reform als „Unsinn“ bezeichnet habe.

Compliance als Instrument gegen Kritiker?

Der Sprecher des Regionalclubs Berlin-Brandenburg teilt auf Fragen hierzu mit, der Syndikus „stellt fest, dass er die ihm zugeschriebene Äußerung nicht getätigt hat“. Zudem stelle sich niemand im ADAC Berlin-Brandenburg, auch nicht der Syndikus, generell gegen die Refom. Für Markls Kritiker ist der Fall jedoch ein weiterer Grund, sich gegen eine einheitliche Compliance GmbH zu wehren.

Sie glauben, dass die Zentrale in München diese missbrauchen könnte, um Kritiker mundtot zu machen und Regionalclubs mit abweichenden Meinungen auf Linie zu zwingen. Die Untersuchung gegen den kritischen Syndikus aus Berlin-Brandenburg sehen sie als Beleg dafür, dass solche Befürchtungen keineswegs aus der Luft gegriffen sind.

Markls Sprecher wartet in diesem Fall wiederum mit einer höchst eigenwilligen Erklärung auf. Auf Nachfragen zu dem Untersuchungsauftrag an Freshfields gegen den Berlin-Brandenburger Syndikus sagt er: „Mir ist nicht bekannt (und ich persönlich finde es auch befremdlich), dass im gesamten ADAC das Vortragen und Äußern von sachlicher Kritik in irgendeiner Weise sanktioniert wird.“ Spekulationen über eine Untersuchung könne er „weder nachvollziehen noch möchte ich sie kommentieren“.

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