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Alternative Antriebe Was die Brennstoffzelle kann

Abgasfrei, geräuschlos und in wenigen Minuten aufgetankt: Die Brennstoffzelle scheint die Vorteile von Benzin- und Elektromotoren zu verbinden. Was die Technik kann – und was zum Durchbruch fehlt.

Toyotas Brennstoffzellen-Auto Mirai Quelle: Presse

Ein leises Surren – mehr ist nicht zu hören, als der Toyota Mirai an der grünen Ampel losfährt. Soweit, so gewöhnlich. Das nahezu lautlose Beschleunigen ist schon von Elektroautos wie dem BMW i3, Tesla Model S oder dem Nissan Leaf bekannt.

Der große Unterschied: Während die Akkus der sogenannten batterieelektrischen Fahrzeuge nach einer mehr oder weniger langen Fahrt (der i3 und der Leaf kommen mit einer Ladung zwischen 100 und 200 Kilometer weit) für Stunden an die Steckdose müssen, droht dem Mirai erst nach rund 500 Kilometern der erste Zwangsstopp. Doch bei dem Toyota geht die Fahrt nach gerade einmal drei Minuten weiter – auf die nächsten 500 Kilometer.

Das Wichtigste über Wasserstoff und Brennstoffzelle

Statt Strom zu laden tankt der Mirai reinen Wasserstoff. Eine Brennstoffzelle an Bord gewinnt aus dem Wasserstoff Strom, der dann den Elektromotor antreibt. Aus dem Auspuff entweichen lediglich warme Luft und Wasserdampf. Stammt der Wasserstoff aus einer nachhaltigen Produktion, fallen bei der Fortbewegung keine Emissionen an.

Toyota hat das Rennen gewonnen

Der Traum der Mobilität ohne schlechtes Gewissen kann so Realität werden. Wie gesagt – kann.

Die großen Autobauer sind in den Wettbewerb um das erste bezahlbare Großserienmodell mit Wasserstoffantrieb eingestiegen. Das Rennen hat Toyota gewonnen, denn der Mirai ist keine Zukunftsvision mehr: In Japan wird der Brennstoffzellen-Wagen ab Dezember verkauft, in Deutschland kommt er im September 2015 für rund 79.000 Euro in den Handel.

So braust Toyota in die Zukunft
Wasserstoffauto Mirai Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai kommt im Dezember nach Japan Quelle: dpa
Wasserstoffauto Mirai startet im September 2015 in Deutschland Quelle: Toyota
Wie unsere Redaktion berichtete, plant BMW im Rahmen der Kooperation mit Toyota ein eigenes Brennstoffzellenauto. Insider rechnen damit, dass der Wasserstoff-BMW mehr Leistung bringen wird als der Mirai. Einem Bericht des britischen " Autocar"-Magazins zufolge soll das Modell BMW i5 heißen. Quelle: REUTERS
Wasserstoffauto Mirai beruht auf dem Toyota Sedan Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai hat 500 Kilometer Reichweite Quelle: Toyota
Wasserstoffauto Mirai stößt nur Wasserdampf aus. Quelle: Toyota

Doch die aufgescheuchte Konkurrenz wird auf absehbare Zeit nachziehen. Toyotas Kooperationspartner BMW wird wohl 2016 mit modifizierter Mirai-Technik den i5 auf den Markt bringen, Hondas Wasserstoffauto FCV will ebenfalls ab 2016 mit stolzen 700 Kilometern Reichweite glänzen. Das Quartett Daimler, Ford und Renault-Nissan plant, ab 2017 gemeinsam entwickelte Wasserstoff-Modelle zu verkaufen. Hyundai hat auf Basis des SUVs iX35 bereits eine Kleinserie von 1000 Brennstoffzellenautos auf der Straße.

In Japan setzt die Politik auf Wasserstoff

Die nächste Generation der Honda-Technik dürfte auch bei Opel zum Einsatz kommen, der Mutterkonzern General Motors und Honda arbeiten bei der Brennstoffzelle zusammen. Auf der Automesse in Los Angeles zeigte außerdem der Volkswagen-Konzern mit zwei Konzeptfahrzeugen auf Basis eines Golf Variant und eines Audi A7, dass man bei der anspruchsvollen Technik nicht hinterher hinkt. Kurzum: Es ist mehr im Kommen.

„Alle großen Hersteller arbeiten an der Brennstoffzelle. Toyota verfolgt die Technologie sehr konsequent“, sagt Jörg Karstedt, Koordinator Elektromobilität beim Zentrum für Brennstoffzellen-Technik (ZBT) in Duisburg, einem unabhängigen Dienstleister für Forschung und Entwicklung von Brennstoffzellen-, Wasserstoff- und Batterietechnik. „Sie arbeiten am Einsatz der Brennstoffzelle in vielen Bereichen, neben dem Auto etwa auch bei Bussen, Gabelstaplern und in der Hausenergieversorgung.“

Der breite Einsatz der Brennstoffzellen hat bei dem japanischen Hersteller auch einen politischen Hintergrund. „Für Japan ist der Wasserstoff ein Weg, seine Rohölimporte zu verringern und unabhängiger von Energieimporten zu werden“, sagt Karstedt. „Dort liegt ein starker Fokus auf dieser Technik, deshalb wird auch der Ausbau konsequenter vorangetrieben.“

In der EU ist die Motivation für die jüngste Brennstoffzellen-Offensive eine andere. Bis zum Jahr 2050 soll die CO2-Emission des gesamten Verkehrssektors um 95 Prozent sinken – im Vergleich zum Jahr 2009. Die Experten der Beratungsgesellschaft McKinsey sprechen in einer Analyse über die Antriebssysteme der Zukunft den heutigen Verbrennungsmotoren noch ein Einsparpotenzial von 30 Prozent zu. Bei Weitem nicht genug, um die Klimaziele zu schaffen.

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