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Angeschlagener Airbag-Hersteller Steht Takata vor der Insolvenz?

Angesichts von 100 Millionen zurückgerufenen Autos könnte man meinen, dass Takata-Anleger keine Nachricht mehr schocken kann. Doch am Donnerstag gab die Aktien nochmals 52 Prozent nach. Wie ernst die Lage ist.

Takata Airbags Quelle: AP

Es ist ein schwarzer Donnerstag für Takata: Die Aktien des angeschlagenen japanischen Autozulieferers gaben um weitere 52 Prozent nach – dabei war der Kurs in den vergangenen drei Jahren wegen des Rückrufdesasters von fehlerhaften Airbags bereits rapide gefallen. Die wichtigsten Antworten zur Lage des Unternehmens.

Warum ist der Aktienkurs am Donnerstag erneut so stark gefallen?

Weil die Anleger den Durchhalteparolen des Managements nicht mehr glauben. Seit Wochen mehren sich die Gerüchte über eine dramatische Verschärfung der finanziellen Lage, doch das Unternehmen beteuert das Gegenteil – offensichtlich ohne Überzeugungskraft. In der vergangenen Woche berichteten die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ und die Agentur Kyodo unter Berufung auf informierte Quellen, Takata könnte möglicherweise noch Ende dieses Monats vor Gericht Insolvenz beantragen. Inzwischen wird spekuliert, dass das Unternehmen am kommenden Montag Gläubigerschutz beantragen könnte – weshalb die Anleger ihre Papiere jetzt panikartig verkaufen wollen.

Was war nochmals das Problem bei Takata?

Takata beliefert viele Autobauer mit Airbags. Einige davon können unvermittelt explodieren und mit umherfliegenden Metallsplittern verletzen. Weltweit stehen mindestens 16 Todesfälle mit defekten Aufblasvorrichtungen von Takata in Verbindung. Mehr als 100 Millionen Airbags wurden zurückgerufen, davon allein in den USA 70 Millionen. Betroffen sind dort etwa 42 Millionen Fahrzeuge.

Fünf Gründe für die häufigen Rückrufe

Wie ernst ist die Lage?

Angesichts gewaltiger Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als einer Billion Yen (rund 8,1 Milliarden Euro) wäre dies die größte Pleite eines Produktionsunternehmens in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Das Problem: Seit Ausbruch der Krise 2014 verdient Takata kein Geld mehr, die Zahlen sind tiefrot. Umgerechnet stand in dem Ende März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr ein Minus von umgerechnet 640 Millionen Euro in den Büchern. Da das japanische Unternehmen mit den gigantischen Rückrufzahlen das Verhältnis zu seinen Kunden stark beschädigt hat, brechen zunehmend Folgeaufträge weg – und es wird noch schwerer, die Krise zu überwinden.

Wie geht es jetzt weiter?

Der von der Nachrichtenagentur Reuters zitierte Insider geht davon aus, dass Takata am Montag einen Antrag auf Gläubigerschutz am zuständigen Bezirksgericht in Tokio einreichen wird. Anschließend werde Takata bei der Sumitomo Mitsui Financial Group Überbrückungskredite beantragen. Am kommenden Dienstag steht dann die Hauptversammlung des Autozulieferers an – spätestens dann wird das Management seine Pläne den Aktionären erklären müssen.

Wie ist die Lage in den USA?

Im Januar hatte Takata mit den US-Behörden eine Einigung im Airbag-Skandal erzielt. Danach zahlt die Firma unter anderem eine Milliarde Dollar und stellt sich drei Jahre lang unter die Aufsicht eines unabhängigen Prüfers.

Wer war alles von den fehlerhaften Takata-Airbags betroffen?

Von den deutschen Herstellern unter anderem Daimler, Volkswagen und BMW. Alle haben im Zusammenhang mit der Rückrufaktion hohe Millionenbeträge zurückgestellt. Takata beliefert aber auch viele japanische und amerikanische Hersteller. Gemessen an der Anzahl der zurückgerufenen Autos war Honda am stärksten von dem Takata-Debakel betroffen.

Was war die Ursache für die Airbag-Probleme?

Eine Kombination aus drei Faktoren: fehlende wasserabsorbierende Chemikalien, hohe Temperaturen und eine mangelhafte Bauweise. Das sagen zumindest zehn betroffene Autobauer. Die Unternehmen – darunter BMW, Toyota und General Motors – hatten sich im Dezember 2014 zu einer unabhängigen Testkoalition zusammengeschlossen und die Untersuchung in Auftrag gegeben. Ein bestimmtes Ammoniumnitrat, das Takata verwendet hat, kann keine Flüssigkeiten aufnehmen. Steht und fährt der Wagen lange Zeit in einem feucht-warmen Klima, kann die mangelhafte Konstruktion nicht verhindern, dass Feuchtigkeit eindringt – der Teufelskreis ist komplett. Diese Hypothese wird durch die Tatsache gestützt, dass die meisten der tödlichen Unfälle im warmen Süden der USA registriert wurden.

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