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Anklage gegen Diess und Pötsch Volkswagen: Ausgestanden ist hier gar nichts

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Sind Diess und Pötsch zu ersetzen?

Auch Volkswagen selber ist sich weiterhin keiner Schuld bewusst. Hiltrud Dorothea Werner, Vorstand Integrität und Recht, sagte: „Das Unternehmen hat in den zurückliegenden nahezu vier Jahren den Sachverhalt akribisch mit Unterstützung von internen und externen Experten untersucht. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Vorwürfe sind unbegründet. Die Volkswagen AG ist dementsprechend weiterhin der festen Überzeugung, alle kapitalmarktrechtlichen Informationspflichten erfüllt zu haben. Sollte es zu einem Prozess kommen, sind wir überzeugt davon, dass sämtliche Vorwürfe sich als haltlos erweisen werden. Darüber hinaus gilt bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung die Unschuldsvermutung.“

Werners Position ist nicht überraschend – schließlich geht es um Milliarden Euro. Denn Investoren verlangen Entschädigung für den damaligen Einbruch des Aktienkurses: Sie argumentieren so wie jetzt auch die Staatsanwaltschaft schon seit längerem, dass die VW-Spitze die Finanzwelt früher über die Risiken der Dieselkrise hätte ins Bild setzen müssen. Die Anleger werfen Volkswagen und dem VW-Großaktionär Porsche SE vor, sie zu spät über den Abgasskandal unterrichtet zu haben, und fordern am Landgericht Stuttgart in knapp 200 Verfahren rund eine Milliarde Euro Schadenersatz. Im vergangenen Jahr entschied das Gericht in zwei Verfahren zugunsten der Kläger. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. In gleicher Sache wird vor dem Landgericht Braunschweig sogar um rund 9,5 Milliarden Euro gestritten.

Doch nicht nur deswegen ist der Diesel-Skandal für VW längst nicht ausgestanden. Für den Konzern geht es jetzt auch darum, ob Diess und Pötsch weiter im Amt zu halten sind.

Die Frage ist nicht trivial: Schließlich sind die beiden wichtigsten Manager im Konzern betroffen. Zwei solche Top-Personalien von heute auf morgen neu zu besetzen, dürfte schwierig werden.

Als Kronprinz von Diess gilt Porsche-Chef Oliver Blume. Doch auch gegen ihn ermittelt eine Staatsanwaltschaft. Es geht um die möglicherweise überhöhte Vergütung des langjährigen Betriebsratschefs Uwe Hück.

Und auch Pötsch dürfte schwer zu ersetzen sein. Schließlich hat er das Vertrauen der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Die Familien halten – siehe „WoPo“ auf der IAA – fest zu ihren Schützlingen. Bei Insidern gilt Pötsch als unersetzbar. Ihm gelänge es, Diess einzufangen, wenn der mal wieder zu schnell Pläne schmiede. Er könne auch gut mit Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, wenn der mal wieder Ärger mache. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Bei Volkswagen kommt jetzt erstmal das Präsidium des Aufsichtsrates zusammen. Das Gremium selber habe sich mit der Möglichkeit einer Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld auseinandergesetzt, teilte ein Sprecher des Aufsichtsrates mit. „Das Präsidium des Aufsichtsrates wird sich wegen der heute bekannt gewordenen Anklage umgehend zu einer Sitzung zusammenfinden, um über das weitere Vorgehen zu beraten.“ Gehen dürften die beiden Manager erstmal nicht. Man braucht sie halt noch. Und erstmal muss auch das Landgericht darüber entscheiden, ob die Anklagen zugelassen werden.

Bis dahin kann sich „WoPo“ ja noch den ID.3 anschauen.

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