WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Antriebstechnologie Volkswagen ist der König der Innovationen

Wer stellte im Jahr 2011 die meisten Innovationen für Benzin-, Diesel-, Hybrid- und Elektroantriebe vor? Eine Studie des CAM Center für Automotive Research bescheinigt den deutschen Autobauern eine Weltklasse-Leistung.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Autobauer mit den innovativsten Antriebstechnologien
A Lexus hybrid engine Quelle: dpa
A model's leg hangs out of a Fiat Oubo at the Paris Motor Show Quelle: dpa
People visit the Renault showcase on media day at the Paris Mondial de l'Automobile Quelle: REUTERS
Minister for Industrial Recovery Arnaud Montebourg (C) and Chief Executive of French carmaker PSA Peugeot Citroen Philippe Varin (R), visit "La Francaise de Mecanique" Quelle: REUTERS
A worker cleans a Toyota Yaris car at the Wuhan Motor Show, Hubei province, Quelle: REUTERS
A Hyundai logo is seen on a Hyundai BlueOn electric car Quelle: REUTERS
The 2012 Ford Escape Quelle: dapd

Das Team um Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach hat die Innovationskraft von 20 global tätigen Automobilherstellern mit insgesamt 55 verschiedenen Marken unter die Lupe genommen. Das Ergebnis belegt einmal mehr, dass die deutsche Automobilwirtschaft zur absoluten Weltklasse gehört. Die ersten drei Plätze im Innovationsindex im Bereich Antrieb gehen an Volkswagen, BMW und Daimler.

Trotz eines deutlichen Rückgangs der Innovationsstärke gegenüber dem Vorjahr ist Volkswagen erneut die Nummer eins. Rang 2 belegt der BMW-Konzern und verbessert sich damit gegenüber 2010 um drei Plätze - gleichzeitig verdrängen die Bayern Daimler auf den dritten Rang. Auf den Rängen 4 und 5 folgen die US-amerikanischen Automobilkonzerne General Motors und Ford. Ford schließt damit wieder ins obere Mittelfeld auf. Die asiatischen Automobilkonzerne Hyundai und Toyota landen unter 20 Konzernen auf den Plätzen 6 und 7.

Über die Studie Automotive Innovation 2012

Alle Hersteller reduzieren erheblich den Verbrauch der Flotten

Die Auswertung zeigt, dass alle der 20 untersuchten Hersteller ihre Anstrengungen bei der Weiter- und Neuentwicklung von Antrieben deutlich verstärkt haben. Volkswagen und Co. reagieren damit auf den zunehmenden politischen Druck, klimafreundlichere Autos zu entwickeln. Das zeigt der Vergleich von 379 Antriebsinnovationen des Jahres 2011 sowie der Neuheiten des laufenden Jahres. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einem geringeren Spritverbrauch. Die Autokonzerne schafften es einmal mehr die Werte der Vorjahre zu übertreffen. Dank neuer Technologien im Antriebsbereich erzielten die Tophersteller Verbrauchsreduktionen von 17,3 Prozent. Zum Vergleich: 2010 waren es 15,5 Prozent und 2009 nur 12,4 Prozent. Die Forscher des CAM gehen davon aus, dass die Hersteller in diesem Jahr nochmals ähnliche hohe Raten erreichen. Aktuelle Auswertungen deuteten sogar darauf hin, dass der Wert 2012 bei über 18 Prozent liegen könnte.

Weit überdurchschnittliche Reduktionen durch neue oder bessere Antriebe haben im vergangenen Jahr unter anderem Daimler mit 22,9 Prozent sowie Nissan und Volkswagen mit je 18,5 Prozent geschafft. Da die Autos immer weniger Benzin oder Diesel schlucken, verringert sich auch der CO2-Ausstoß der Flotten insgesamt. Bratzel: "Besonders im Bereich der schweren Oberklassenfahrzeuge und oberen Mittelklasse wurden in 2011 die größten CO2-Einsparungen realisiert".

Die Premium-Hersteller haben die CO2-Emissionen zwischen 2009 und dem den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 im Durchschnitt um rund 10 Prozent verringert. Den Schwarzen Peter hält nach wie vor die Marke Mercedes. Egal ob die Stadtflitzer der Marke Smart miteingerechnet oder gesondert aufgeführt ist - die Mercedes-Flotte pustet trotz deutlicher Einsparungen immer noch viel mehr Abgase pro Kilometer in die Luft als die Konkurrenz:

  • Marke Mercedes allein: 156g/km
  • Mercedes inklusive Smart: 150 g/km
  • Audi: 144,5g/km
  • BMW: 145,4g/km

Damit haben die Kollegen aus Ingolstadt die Konkurrenz aus München in der CO2-Bilanz der Neuzulassungen in Deutschland überflügelt. Im Bereich der großen Volumenhersteller sind die CO2-Emissionen der Neuzulassungen zwischen 2009 und 2012 (1. Halbjahr) im Durchschnitt um 7 Prozent gesunken. Toyota punktet als sauberster Automobilhersteller. Die Japaner weisen mit 129g pro Kilometer den Abstand niedrigsten C02-Wert auf.

Innovationsstark bei konventionellen Antrieben

Wie schafft es Volkswagen dennoch an die Spitze des Rankings der innovationsstärksten Autobauer im Bereich Antriebstechnologie? Die Wolfsburger sind ganz einfach extrem stark in der Weiterentwicklung konventioneller Antriebe. Das wird Volkswagen auch in den nächsten Jahren den Erfolg sichern. Denn bis alternative Antriebe Benzinern und Dieselmotoren den Rang abläuft wird es noch eine Weile dauern.

Viel Potenzial für Hybridantriebe

Das sind die sparsamsten Autos
Mercedes SL 63 AMGLeistung: 537 PS Hubraum: 5,5 Liter Verbrauch: 9,9 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 160.000 Euro Besonderheit: Weniger Hubraum, mehr Leistung, vier Liter weniger Verbrauch als Vorgänger
Ford Focus 1.0 EcoboostLeistung: 100/125 PS Hubraum: 1,0 Liter Verbrauch: 4,8/5,1 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 18.050 Euro Besonderheit: Der erste Drei-Zylinder-Motor in der Golf-Klasse Quelle: Ford
VW Polo BlueGTLeistung: 140 PS Hubraum: 1,4 Liter Verbrauch: 4,7/ Liter Benzin/100 Kilometer Preis: k.A. Besonderheit: Zylinderabschaltung Quelle: Volkswagen
BMW M 550dLeistung: 381 PS Hubraum: 3,0 Liter Verbrauch: 6 Liter Benzin/100 Kilometer Preis: ab 80.000 Euro Besonderheit: drei Turbolader, mehr Power, spontaneres Ansprechen bei niedrigen Drehzahlen Quelle: BMW
Audi A3 1.8 TLeistung: 160 PS Hubraum: 1,8 Liter Verbrauch: 5,6–5,2 l/100 km Preis: ab 26.000 Euro Besonderheit: 50 Kilo leichter, 20 Prozent weniger Verbrauch Quelle: Audi

Die Nachfrage nach Benzin- und Dieselmotoren ist immer noch deutlich höher. Dadurch wirken sich diese Innovationen auf die CO2-Bilanz derzeit noch viel stärker aus. "Und das Einsparungspotenzial ist gerade auch bei konventionellen Verbrennungsmotoren bei Weitem noch nicht erschöpft. Besonders in Kombination mit Start-Stopp-Systemen sowie Bremsenergierückgewinnungssystemen lassen sich im Bereich der konventionellen Antriebe noch erhebliche Verbrauchsverbesserungen realisieren", sagt Studienleiter Bratzel. Insgesamt sei bis zum Jahr 2020 im Bereich der konventionellen Benzin- und Dieselantriebe mit weiteren Effizienzverbesserungen in Höhe von 20-25 Prozent im Vergleich zum Stand heute zu rechnen.

Deutsche Autobauer nicht überall vorn dabei

Das Center of Automotive Management (CAM) rechnet mit einem langsamen Wandel weg von konventionellen hin zu alternativen Antrieben - zehn bis fünfzehn Jahre werden noch ins Land gehen, meinen Bratzel und Kollegen, bis dahin wird der Anteil konventioneller Motoren kontinuierlich abnehmen und bis 2025 auf rund 75 Prozent sinken. Damit sind sie immer noch die meist verbreitete Technologie. Doch Innovationen allein in diesem Bereich werden nicht genügen, um die Marktführerschaft zu erreichen. Studienleiter Bratzel: „Die deutschen Automobilhersteller gehören im Antriebsbereich zwar zu den Top-Innovatoren. Im Bereich der alternativen Antriebe gibt es jedoch noch deutlichen Nachholbedarf. Insbesondere die Plug-in Hybridtechnologie wird in Zukunft wichtiger.“

Auto



Hybridantriebe, vor allem Plug-in Hybride/Range-Extender Konzepte, werden deutlich schneller als reine Elektroautos zulegen, so die Forscher. Sie rechnen für diese Antriebskonzepte bis 2025 mit einem Marktanteil von bis zu 20 Prozent. Kunden schätzen an den Hybriden, dass sie kurze Strecken zwischen 25 und 60 Kilometer abgasfrei und damit umweltfreundlich zurücklegen können - für längere Strecken bleibt aber der Verbrennungsmotor. Das macht die Zwitterwesen auf Rädern für viele Haushalte als Erstwagen attraktiv.

Zum Thema Elektroauto vertritt Bratzel die Meinung: "Das postulierte Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen bis 2020 ist aus derzeitiger Sicht deutlich zu hoch gegriffen. Reine Elektrofahrzeuge werden voraussichtlich bis 2025 einen globalen Marktanteil von fünf Prozent erreichen, wobei diese primär in urbanen Ballungsräumen und als Zweitwagen eine Nischenposition einnehmen können." Insgesamt seien die Meldungen über den Tod des Elektroautos jedoch verfrüht und weit übertrieben. An den guten langfristigen Marktchancen von Elektromobilität – in Form batteriebetriebener (BEV) Konzepte oder mittels einer wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle (FCEV) – habe sich auch nach der Phase der Ernüchterung nichts geändert.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%