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Apple-Autovorstellung 2024? „Es wird schwer, den iPhone-Moment in der Autoindustrie zu wiederholen“

Apple entwickelt schon seit Jahren neue Autotechnik, konzentriert sich nun aber offenbar auf Software für ein autonom fahrendes Fahrzeug Quelle: AP

Angeblich plant Apple für 2024 die Einführung eines autonomen Autos. Eine neue Akku-Technik soll locken – die andere Hersteller bis dahin längst eingeführt haben dürften, sagt Szenekenner Peter Fintl.

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Herr Fintl, die Gerüchteküche brodelt. Steht wirklich ein Auto des Apple-Konzerns in den Startlöchern?
Naja die ganze Geschichte ist ein Evergreen der Automobilindustrie – sie hat schon 2014 begonnen. Dann hat es diverse Strategieschwenks gegeben. Obwohl Apple schon Verhandlungen mit Auftragsfertigern führte, wurde es zwischenzeitlich ruhig um das Projekt. Wenn Apple sich jetzt auf ein Gesamtangebot einigt, dann hat es Erfolgsaussichten auf dem Markt.

Apple baut doch hauptsächlich Telefone. Warum ist der Automarkt überhaupt interessant für Apple?
Fahrzeuge und Mobilitätsdienste gehören in Zukunft zusammen. Mobilität ist ein großer Bestandteil des Lebens der Verbraucher. Für einen Konzern wie Apple, der jetzt schon das digitale Leben vieler Menschen bestimmt, kann das in Zukunft im Portfolio eine wichtige Rolle spielen. Apple bietet weit mehr als nur Mobiltelefone und baut seine Services mit ganzer Kraft aus.

Also passt das Auto ins Ökosystem von Apple?
Ja. Apple ist ein Meister der Customer Experience. Für Apple ist es nicht neu, mit frischer Energie den Markt umzukrempeln. Das iPhone ist das beste Beispiel dafür. Genauso kann man Mobilität neu denken. Gerade durch die Technologiesprünge hat sich gezeigt, dass sich ein Fahrzeug weniger über PS definiert – vielmehr über die Software. Das spielt Apple in die Hände. Denn sie beherrschen die Technologie: Von der Software, bis zur Hardware und User-Experience. Die Chips in den neuen iPhones und MacBooks bieten eine leistungsfähige Basis, um zeitnah auch autonome Funktionen möglich zu machen. Deshalb braucht man zum autonomen Fahren gar nicht mehr viele andere Halbleiterhersteller. Dies ist durchaus ein Weckruf für etablierte Hersteller von KI-Chips. Apple zeigt aber auch, wie ein Kunde an ein Ökosystem gebunden werden kann. Stichwort: Apple ID. Zum gelungenem Nutzererlebnis gehören aber auch elementare Dinge wie eine praxistaugliche elektrische Reichweite.

Peter Fintl ist Direktor Technologie und Innovation beim Beratungsunternehmen Altran. Quelle: Fintl

Wie funktioniert denn die Batterietechnik?
Gerüchte sprechen von einer revolutionären Monozelle. Das klingt nach einer Wunderheilung. In Wirklichkeit arbeitet aber die gesamte Industrie in diese Richtung. Die Kosten pro Kilowattstunde müssen runter – dies erfordert weitere Optimierungen am Batteriesystem. Ein Hebel dazu ist die Vergrößerung der Zellen und die damit einhergehende Steigerung der Energiedichte pro Volumen. Wichtig ist aber auch, diese intelligent in das Fahrzeug zu integrieren. Da arbeiten aber schon chinesische Hersteller wie etwa CATL und BYD dran. Apple hat zwar auch Erfahrung mit Batterien, lässt aber fertigen. Das fehlende Produktions-Know-how einer eigenen Fabrik ist nicht zu unterschätzen.

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    Apple präsentiert nicht zuerst die neue Batterie?
    Nein. Ich glaube nicht, dass Apple zuerst die neue Batterietechnik am Auto präsentiert. An solchen Großzellenbatterien arbeiten alle auf dem Markt. Kommt Apple erst 2024 hinzu, werden bis dahin einige solche Batterien schon eingeführt haben. Eine gute Ausgangslage haben hier sicherlich Tesla und BYD. BYD ist mit dem Han und seiner Blade-Battery bereits mit einer sehr ähnlichen Batteriekonstruktion auf dem Markt. Das wird sich jetzt weiterentwickeln. Und Tesla kann mit ihrer 4680-Zelle im Idealfall 2021 auf den Markt kommen.

    Kann Apple den Ansprüchen auf dem Markt genügen?
    Ein Apple-Fahrzeug kann Kunden durch das Design und ein einzigartiges Erlebnis überzeugen. Die frische Herangehensweise an das Fahrzeugdesign wird allen gut tun. Von den bisherigen Herstellern auf dem Markt unterscheiden sich die nächsten Generationen nicht mehr groß: Oft funkelt es mehr, das Innere schaut aus wie ein Jahrmarkt – aber es hat sich nichts Großes geändert.

    Welche Risiken bestehen denn für die US-Premiummarke, sollten sich die Pläne tatsächlich konkretisieren?
    Wenn Apple wirklich 2024 in den Markt eintritt, hat sich die Elektromobilität bereits weiterentwickelt. Die etablierten Hersteller stehen nämlich unter einem unglaublichen Transformationsdruck und haben eigene Innovationen in puncto Elektromobilität wie auch Konnektivität bzw. Autonomie in der Planung. Dann wird die Luft für Apple natürlich dünner. Vielleicht können sie durch neue Ideen und Ansätze dennoch überraschen. Es wird nicht leicht, den iPhone-Moment in der Autoindustrie zu wiederholen. Da Apple auch für einen überdurchschnittlich hohen Preis bekannt ist, bleibt abzuwarten, ob die Ideen gekauft werden.

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    Würden Sie sich denn ein Apple-Auto kaufen?
    Mhh…, also die Produkte und das Ökosystem sind in vielen Belangen absolut führend. Dafür nehme ich andere Nachteile wie die Geschlossenheit des Systems durchaus in Kauf. Ja, ich kann mir vorstellen, ein Apple-Auto zu kaufen. In jedem Fall werde ich mir die Innovationen genau ansehen. Ich bin mir sicher, man darf hier gespannt sein.

    Mehr zum Thema: Der iPhone-Hersteller Apple soll die Einführung eines autonomen Passagierfahrzeugs planen.

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