Audi-Aufsichtsrat tagt Rupert Stadler muss sich erklären

Am Donnerstag tagt der Aufsichtsrat von Audi. Wie überall im VW-Konzern geht es vor allem um den Abgasskandal. Das Kontrollgremium fordert von Audi-Chef Stadler Klarheit, was "versäumt worden ist".

Audi-Chef Stadler: Warum dementierte er erst, um dann doch Manipulationen einzugestehen? Quelle: dpa

Wie kann es sein, dass Audi-Chef Rupert Stadler im November erst den Einsatz einer Schummel-Software bei den Drei-Liter-Dieselmotoren des VW-Konzerns, die von Audi entwickelt wurden, heftig dementiert, wenige Tage später aber doch Manipulationen einräumt? Diese Frage muss Stadler dem Audi-Aufsichtsrat erläutern, der am Donnerstag zusammenkommt.

Die Abgasaffäre nimmt auch bei Audi kein Ende. Zwar muss Stadler nach Aussagen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats nicht um seinen Job fürchten, wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet. Stadler müsse aber klipp und klar sagen, was bei Audi "versäumt worden ist" und welche Konsequenzen man daraus ziehe.

Bei Audi kamen nicht nur die EA189-Dieselmotoren, die den Skandal im September ausgelöst haben, zum Einsatz. Auch bei dem V6-Diesel warf die US-Umweltbehörde EPA dem Konzern vor, ein sogenanntes "Defeat Device" eingesetzt zu haben. Neben einigen Audi-Modellen wie dem A6, A7, A8 und Q7 wurde der Motor auch in den Konzernmodellen VW Touareg und Porsche Cayenne eingebaut. Audi selbst wies die Betrugsvorwürfe damals zurück, es handle sich lediglich um eine Ungenauigkeit in der Dokumentation, die zu Irritationen geführt habe.

Kurze Zeit später musste Stadler aber einräumen, dass einige Funktionen des Motors nach geltendem US-Recht doch als "Defeat Device" zu betrachten seien. Die beanstandete Software werde in Nordamerika eingesetzt und sei nicht identisch mit der europäischen Software. Dennoch werde auch mit dem Kraftfahrt-Bundesamt darüber gesprochen.

Wurde die Nebentätigkeit genehmigt?

Laut dem SZ-Bericht stößt dem Volkswagen-Aufsichtsrat in Sachen Stadler noch eine andere Tatsache bitter auf. Der Audi-Chef, der als enger Vertrauter des zurückgetretenen Konzern-Patriarchen Ferdinand Piëch gilt, ist neben seinen diversen Ämtern im Konzern auch Vorstandsmitglied von drei Privatstiftungen der Familie Piëch. Die Stiftungen dienen dazu, das Vermögen der Familie zu erhalten und zu vermehren und den Piëch-Einfluss bei Volkswagen zu sichern.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Daraus könnte sich ein Interessenskonflikt ergeben, wenn Stadler sich neben seinen Tätigkeiten als Audi-Chef auch um die Belange der Familie Piëch kümmert – so befürchten es offenbar Personen aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Das Problem: Die Interessen der Großaktionäre Piëch und Porsche stimmten zumindest im Aufsichtsrat nicht immer mit denen der Arbeitnehmervertreter überein.

Auch sei fraglich, ob die Nebentätigkeit genehmigt worden sei. Der "SZ" gegenüber wollten sich zu diesem Punkt weder Volkswagen noch Audi äußern. Das Blatt berichtet aber weiter, dass laut Konzernkreisen hauseigene Juristen die Stiftungsmandate geprüft und für in Ordnung befunden hätten – nachprüfen lasse sich das aber nicht.

Im Gegensatz zu der Konzernmutter VW, wo im November die Neuwagenverkäufe zurückgingen, konnte Audi im vergangenen Monat zulegen. Bei den anderen großen deutschen Herstellern Mercedes-Benz und BMW stiegen die Zulassungszahlen ebenfalls.

In den USA hatte VW im November die Folgen des Abgas-Skandals zu spüren bekommen. Die Verkäufe waren hier im Jahresvergleich um fast ein Viertel eingebrochen. Probleme bei Autoherstellern schlagen dort in der Regel schneller auf die Zahlen durch, weil Neuwagen meist direkt vom Hof verkauft und nicht erst vom Kunden bestellt werden.

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