Audi Autohersteller schwächelt in China

Audi-Chef Rupert Stadler präsentiert gute Zahlen für 2014. Doch die Zeiten werden schwieriger, der Wettbewerb schärfer. Vor allem aus dem wichtigen Wachstumsmarkt China kommt Gegenwind für Audi.

PS-Protze auf dem Genfer Autosalon
Der 85. Genfer Automobilsalon, der am 5. März seine Pforten für Besucher öffnet, schwelgt in Leistung und Luxus. Doch nicht nur die Mobile der Schönen und Reichen dürfen PS-Orgien feiern. Auch die Großserienhersteller brennen bei Studien und Neuheiten ein Feuerwerk der bürgerlichen Boliden ab. Quelle: Presse
So darf sich ein Ford Focus RS mit 320 PS produzieren, der Audi A3 RS mit 367 PS, der Honda Civic Type R mit 280 PS (hier im Bild) oder der Opel Corsa OPC künftige Kunden mit 207 PS locken. Quelle: Presse
46,25 Dollar sind der magische Betrag, um den derzeit die Autoindustrie und ganze Volkswirtschaften kreisen. Die umgerechnet 39,50 Euro waren vergangene Woche in London für ein Barrel Rohöl der Sorte „Nordsee Brent“ fällig. Nie zuvor in diesem Jahrhundert waren 158,98 Liter Öl (entspricht einem Barrel) so preiswert. Förderländer stöhnen unter dem Preisverfall. Des einen Leid, des anderen Freud: Autofahrer auf der ganzen Welt begeistern die tiefen Spritpreise, die positiven Impulse für viele nationale Konjunkturen sind unverkennbar, und die Autoindustrie profitiert vom Sexappeal großer und leistungsstarker Fahrzeuge. Quelle: Presse
Offenbar vollkommen vergessen ist das Krisenjahr 2008, als der Ölpreis die Marke von 150 Dollar pro Barrel riss und drohte auf die 200 Dollar zu marschieren. Damals mussten Messe-Premieren in puncto Leistung in Sack und Asche gehen und um jeden Tropfen Verbrauchssenkung ringen. Aber nun darf erst einmal wieder gebolzt werden. Den Trend zu Selbstbewusstsein und Status läutete bereits die erste wichtige Automesse des Jahres, die Detroit-Motorshow im Januar ein. Nun geht die Party in Genf weiter. Quelle: Presse
Mercedes-Benz überlässt die besten Bühnenplätze der Spaß-Tochter AMG. Die enthüllt ihre Interpretation des CLA Shooting Brake (360 PS). Neu sind auch die AMG-Beiträge zur C-Klasse. Mit 476 PS so stark wie keine C-Klasse zuvor. Alpina will mit dem B6, seiner Interpretation des BMW 6er-Gran Coupé glänzen, das 600 PS aus seinem aufgeladenen 4,4-Liter-V8 mobilisiert. Quelle: Presse
Mercedes hat für den Dauerbrenner G-Modell ein neues Paket geschnürt. Der G 500 4x4² verdoppelt quasi das bereits legendäre Vermögen des Off-Roaders über Stock und Stein zu fahren. Vorausgesetzt genügend solvente Genf-Besucher skandieren „Haben wollen!“, geht das Modell Ende des Jahres für rund 300.000 Euro in Kleinserie. Mit 422 PS sollen dann auch fast senkrechte Felswände kein unüberwindliches Hindernis für den Kraxler mehr errichten. Quelle: Presse
Die Exoten und extrem Getunten gehören zu Genf wie der See, das Verkehrschaos und Preise, die den Messebesucher selbst am Würstelstand in Schnappatmung versetzen. McLaren toppt mit dem 675LT seine Straßensportler. Der Name ist Programm: 675 PS ... Quelle: Presse
Der Supersportler P1 reißt die 1.000-PS-Hürde, damit der Augenkontakt zum Ferrari FXX K mit seinen 1.050 PS Systemleistung erhalten bleibt. Das neue Lotus-Lebenszeichen ist der aufgefrischte Evora mit 400 PS. Quelle: Presse
Die edle VW-Tochter Audi setzt in Genf vor allem auf Leistung. Highlight auf dem Stand wird die zweite Auflage des Supersportwagens R8. Der Allrader tritt optisch schärfer auf, bleibt technisch aber seinem Konzept vorerst treu. Für den Antrieb sorgt wie bei seinem nächsten Verwandten, dem Lamborghini Huracan, ein V10-Benziner ohne Turboaufladung, aber mit mindestens 540 PS. Während sich der Zweisitzer so kommod im Wettbewerbsumfeld einpasst, will der Kompakt-Sportler RS3 eine neue Bestmarke setzen. Mit knapp 370 PS aus fünf turbogeladenen Zylindern wird er das weltweit stärkste Serienmodell seiner Klasse. Allradantrieb ist natürlich immer an Bord. Quelle: Presse
Die R8-Topversion beschleunigt in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 330 km/h. Er ist bis zu 50 Kilo leichter als das vorherige Modell. Auf Wunsch liefert Audi einen Laserspot, der die Reichweite des Fernlichts auf 600 Meter verdoppelt, und das dynamische Blinklicht vorn, das am Heck Serie ist. Das grüne Feigenblatt: Als Kleinserie will Audi auch den R8 E-Tron anbieten, dessen Vorgänger ein Prototyp blieb. Die Reichweite soll sich mit 450 Kilometern mehr als verdoppelt haben. Quelle: Presse
Im Zuge von Modellpflegemaßnahmen stattet Bentley die Zwölfzylinder-Fahrzeuge Continental GT und Flying Spur mit einer Zylinderabschaltung aus. Tritt der Fahrer nur sanft aufs Gas, werden sechs Brennkammern des 6,0-Liter-Triebwerks deaktiviert. Beim Continental GT geht der Normverbrauch laut Bentley um 0,4 auf 14,1 Liter zurück (CO2-Ausstoß: 329 g/km). Die Leistung des GT wurde leicht gesteigert auf 590 PS und das Außendesign - auch bei den V8-Modellen - ein wenig nachgeschärft. Quelle: Presse
Ford nimmt mit dem GT wieder einen Mittelmotorsportler ins Programm. Der Bolide soll Anfang 2016 auf den Markt kommen – 50 Jahre nach dem legendären Le Mans-Sieg seines Vor-Vorgängers. Mit Karbon-Karosserie, mehr als 600 PS und Hinterradantrieb sowie einem gelungenen Design-Mix aus Retro und Moderne tritt er dann gegen Ferrari 458 Italia, Lamborghini Huracan und Porsche 911 Turbo an. Quelle: Presse
Das Cabrio California T hat es vorgemacht: Nun setzt Ferrari auch beim Nachfolger seines Mittelmotorsportlers 458 Italia auf Turboladung. Dank der Zwangsbeatmung kommt der V8 des neuen 488 GTB bei relativ kleinem Hubraum auf 492 kW/670 PS Leistung. Premiere feiert der Supersportwagen auf dem Genfer Salon. Äußerlich ähnelt der Neue bis auf die zusätzlichen Lufteinlasskanäle auf den hinteren Kotflügeln noch dem 458, hinter beiden den Sitzen kommt nun aber der aus dem Frontmotor-Cabrio bekannte 3,9-Liter-Biturbobenziner zum Einsatz, der den noch 4,5 Liter großen Sauger des Vorgängers in fast jeder Beziehung alt aussehen lassen soll. Das Drehmoment legt um 210 auf satte 760 Nm zu. ... Entsprechend besser sind die Fahrleistungen: Der Spurt auf Tempo 100 wird in nur 3 statt 3,4 Sekunden gelingen, weitere 5,3 Sekunden später soll die 200er-Marke erreicht werden. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit jenseits der 330 km/h angegeben (458: 325 km/h). Weiterer Effekt der Turboaufladung: Durch den geringeren Hubraum sinkt der Normverbrauch von 13,3 auf 11,4 Liter. Der 488 GTB ist auch eine Reaktion auf die neue Konkurrenz in Person des McLaren 650S, der ein sehr ähnliches Motorenkonzept mit kleinem Hubraum und zwei Turboladern verfolgt, mit 477 kW/650 PS aber knapp unter dem Leistungsmaximum des Ferrari bleibt. Zu den weiteren Wettbewerbern des Italieners zählen. Quelle: Presse
Auf einen extremen Auftritt verzichtet der Ford Focus RS. Natürlich unterscheidet sich der potente Fünftürer beispielsweise durch Heckspoiler, einer modifizierte Frontpartie, verbreiteten Radläufen, einer Sportauspuffanlage und Lufteinlässe in den Seiten des unteren Stoßfängers von seinen zivileren Schwestermodellen, das extreme Erscheinungsbild des Vorgängers hat er aber abgelegt. Preislich wird er sich vermutlich etwas unterhalb der Konkurrenz von Audi S3, Mercedes A45 AMG oder Golf R ansiedeln, die ab 40.000 Euro starten. Unter der Haube arbeitet der aus dem neuen Mustang bekannte 2,3-Liter-Benziner mit vier Zylindern. Mehr als 235 kW/320 PS holt er aus dem Aggregat. Damit ist er selbst dem Muscle Car überlegen, der in der Basisausführung „nur“ auf 231 kW/314 PS kommt. Aus dem Ford-Werk in Saarlouis wird er nicht nur nach Europa, sondern diesmal in die ganze Welt ausgeliefert. Quelle: Presse
Als Meister der Variantenvielfalt bringt Porsche seine Rundstrecken-Version des Cayman schon bald auf den Markt. Der GT4 hat viele Komponenten der größeren Elfer, von 911 S und GT3. Ab 85.776 Euro kostet der 283 kW/385 PS starke Zweisitzer. Der 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer ist aus dem Triebwerk des 911 S abgeleitet, wo es 400 PS leistet. Ein Sechsgang-Schaltgetriebe übernimmt die Kraftübertragung. In 4,4 Sekunden beschleunigt der Cayman GT4 aus dem Stand auf 100 km/h, erst bei 295 km/h ist Schluss. Vom 911 GT3, übernimmt der drei Zentimeter tiefer gelegte Zweisitzer zum Beispiel Fahrwerks-Komponenten sowie die Bremsanlage. So ausgerüstet platziert sich der Sportler mit einer Rundenzeit von sieben Minuten und 40 Sekunden auf der Nürburgring-Nordschleife. Quelle: Presse

Lange überlegen muss Audis Finanzvorstand Axel Strotbek nicht, als er gefragt wird, wo er im laufenden Jahr Unsicherheiten für das Audi-Geschäft sieht. „In China spüren wir eine höhere Wettbewerbsintensität“, sagt Strotbek am Dienstag in Ingolstadt, und sein Kollege Luca de Meo, im Vorstand für Vertrieb und Marketing zuständig, ergänzt sogleich, man müsse in China ja nicht für immer und ewig beim Absatz zweistellig zulegen.

Im Januar und Februar hat Audi im Reich der Mitte zehn Prozent mehr Pkw verkauft als im Vorjahreszeitraum; im Februar lag das Plus allerdings nur noch bei 4,2 Prozent, was nicht nur mit den Feiertagen rund um das chinesische Neujahrsfest zu tun gehabt haben dürfte. Im vergangenen Jahr konnten die Ingolstädter den Autoabsatz in China noch um fast 18 Prozent steigern.

Zentrale Rolle für China

Mit solchen Zuwächsen dürfte es fürs erste vorbei sein. Denn die Wirtschaft im Reich der Mitte, Audis wichtigstem Wachstumsmarkt, zeigt deutliche Schwächesymptome. Offiziell heißt es, die Wirtschaft wachse um etwa sieben Prozent. Nicht wenige Experten vermuten allerdings, dass das Wirtschaftswachstum bestenfalls noch halb so hoch ist. Städte, Kreise und Provinzen, auch Staatsbetriebe, sind hoch verschuldet, die Immobilienpreise fallen; in vielen Branchen gibt es in China riesige Überkapazitäten.

China spielt in der Konzernstrategie von Audi-Chef Rupert Stadler eine zentrale Rolle. Etwa ein Drittel der 1,74 Millionen Fahrzeuge, die die Ingolstädter im vergangenen Jahr absetzen konnten, gingen an Käufer in China. Stadler hält trotz der derzeitigen Unwägbarkeiten im Reich der Mitte daran fest, dass es bei dieser Quote auch in Zukunft bleibt. Noch vor 2020, kündigt der Audi-Chef an, werde das Unternehmen die Zwei-Millionen-Marke beim Absatz knacken.

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Auslandsmärkte werden für Audi wichtiger

Die Auslandsmärkte werden für Audi immer wichtiger. Im vergangenen Jahr haben die Ingolstädter erstmals im Ausland mehr Autos gebaut als in Deutschland. Der Trend dürfte sich weiter beschleunigen. Im kommenden Jahr geht beispielsweise eine neue Fabrik in Mexiko ans Netz. Dort wird Audi das SUV Q5 bauen und in alle Länder der Welt liefern.

Die Wette auf die Internationalisierung ist 2014 für die Ingolstädter aufgegangen. „Wir haben mehr geliefert als wir versprochen haben“, sagte Stadler. Im vergangenen Jahr hat Audi in Europa 763.000 Autos an den Käufer gebracht; in den USA waren es 180.000 und in China fast 580.000. Den Umsatz konnte die Volkswagen-Tochter um 7,8 Prozent auf 53,8 Milliarden Euro steigern. Das operative Ergebnis kletterte um 2,4 Prozent auf 5,15 Milliarden Euro.

Insgesamt will Audi bis 2019 24 Milliarden Euro investieren, vor allem in technische Innovationen und neue Modelle. Stadler will dafür sorgen, dass der Premium-Hersteller aus Ingolstadt auch in Zukunft ganz vorne mitspielt. Die Modellpalette will der Audi-Chef von 52 auf 60 erweitern. Viel Geld soll in die Entwicklung von Lösungen für pilotiertes Fahren und alternative Antriebe fließen.

Das laufende Jahr hat für Audi zufriedenstellend begonnen. Zwischen Anfang Januar und Ende Februar haben die Ingolstädter den Pkw-Absatz um 7,4 Prozent gesteigert. Stadler peilt ein neues Rekordjahr an. „Wir wollen auch 2015 wachsen: stärker als der Weltmarkt und mit einem Plus in alles Regionen“, sagt der Audi-Chef.

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