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Audi-Betriebsrat Peter Mosch "Herr Stadler hat einen laufenden Vertrag. Punkt."

Peter Mosch Quelle: Audi

Der Dieselskandal und die erneute Razzia beschäftigen bei Audi nicht nur das Management, sondern auch die Belegschaft. Betriebsratschef Peter Mosch über Audi-Chef Stadler und seine Forderungen an den Vorstand.

WirtschaftsWoche: Herr Mosch, am Dienstag hat die Staatsanwaltschaft München schon wieder bei Audi durchsucht. Das kann Ihnen als Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Audi  doch nicht gefallen, oder?
Peter Mosch: Wir hoffen alle, dass bald ein Schlusspunkt darunter gesetzt werden kann. Denn ich denke an dieser Stelle als erstes an unsere Belegschaft. Sie haut sich quasi Tag und Nacht um die Ohren, damit wir weiter nach vorne schauen können. Arbeitet alles auf, durchforstet sämtliche Motoren und stemmt unser Tagesgeschäft. Das ist bei all den Nachrichten und Durchsuchungen kein Zuckerschlecken. Und ich sage Ihnen eins, der Vorstand kann sich verdammt glücklich schätzen, so eine klasse Mannschaft zu haben.

Ihr Vorstandschef Rupert Stadler hat Ende 2017 noch gesagt, dass er Land sehe und die Diesel-Taskforce aufgelöst werden könne. Und dann kam wieder ein Rückruf.
Das Unternehmen hat uns versichert, dass die zurückgerufenen Modelle bereits im vergangenen Jahr dem KBA gemeldet wurden. Trotzdem sind wir uns alle einig, dass die Untersuchungen schnellstmöglich zum Abschluss gebracht werden müssen. Gründlichkeit steht dabei weiter an erster Stelle. Aber ich sage auch ganz klar, damit meine ich uns alle als Gesellschaft, wir dürfen nicht den Fehler begehen und mit vorschnellen Pauschalurteilen am stärksten Ast sägen, auf dem wir alle gemeinsam sitzen. Die Automobilindustrie ist Deutschlands stärkster Wirtschaftszweig. Daran hängen direkt oder indirekt nicht nur über eine Millionen Arbeitnehmer in Deutschland, sondern knapp 13 Millionen Menschen in Europa. Das sollten wir bei aller berechtigter Kritik nie vergessen.

Wie denken denn die Mitarbeiter darüber, wenn der CEO sagt, die Diesel-Taskforce könne aufgelöst werden und ein paar Wochen später ruft das Kraftfahrt-Bundesamt wieder tausende Autos zurück?
Solche Nachrichten zehren natürlich gewaltig an den Nerven der Belegschaft, das ist klar. Deshalb müssen die Untersuchungen gründlich und schnellstmöglich zum Abschluss gebracht werden, damit unsere Kolleginnen und Kollegen in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können. 

Wenn Sie das so sagen – ist denn Herr Stadler nach über zehn Jahren auf dem Chefsessel noch der richtige Mann an der Spitze?
Herr Stadler hat einen laufenden Vertrag. Punkt. 

Trotzdem kommen Fragen auf…
Solche Debatten bringen uns jetzt nicht weiter. Der gesamte Vorstand ist gefordert, die Untersuchungen weiter gründlich und zügig zum Abschluss zu bringen. Das ist verdammt wichtig für unsere Kunden und unsere Belegschaft. Vor allem aber auch, weil wir endlich wieder gegenüber unseren Wettbewerbern richtig Vollgas geben müssen. 

Stimmt, denn Audi wurde 2017 beim Absatz von BMW und Mercedes stark abgehängt, ihre Werke sind teilweise immer noch nicht ausgelastet. Als oberster Betriebsrat von Audi können Sie da nicht zufrieden sein, oder?
Mit der Leistung unserer Belegschaft auf jeden Fall. Wir Audianer fertigen Spitzenprodukte und die Kunden schätzen das. Trotz der letzten anstrengenden Jahre konnten wir 2017 wieder Rekordauslieferungen verbuchen, es war das achte Rekordjahr für Audi infolge. Das war ein Kraftakt unserer gesamten Belegschaft. Aber auch 2018 müssen wir wieder alles geben, und das können wir. 

Diese Dienstwagen kommen 2018
Audi A6 Quelle: Audi
Audi A7 Quelle: Audi
BMW 3er Quelle: BMW
Ford Focus Quelle: Ford
Hyundai i40 Quelle: Hyundai
Peugeot 508Im Segment der Mittelklasse-Limousinen und vor allem -Kombis hat der Peugeot 508 bislang kaum eine Rolle gespielt – zumindest in Deutschland. Das soll die Neuauflage 2018 ändern. Bei der Limousine geht das Design eher in Richtung viertüriges Coupé, der Kombi soll ein halbes Jahr später kommen. In beiden Fällen stammt die Technik von der EMP2-Plattform des PSA-Konzerns, auf der unter anderem auch der Citroën C4 Picasso aufbaut. Der neue Konzernbruder Opel Insignia basiert hingegen noch auf einer Plattform von GM. Quelle: Peugeot
Mercedes A-Klasse Quelle: Daimler

Okay, dann schauen wir nach vorne! Was bringt das Jahr 2018 für Audi?
In diesem Jahr startet das Unternehmen eine Modelloffensive. Die muss ein Feuerwerk werden, das der Vorstand richtig zünden muss. Das erwarte nicht nur ich, sondern weltweit über 90.000 Kolleginnen und Kollegen und vor allem unsere Kunden. 

Was erwarten Sie vom Vorstand, damit das Modellfeuerwerk auch zündet?
Das Modellfeuerwerk muss mit Zahlen hinterlegt werden, die unsere Produktionshallen in den kommenden Jahren bis unter die Dächer füllen. Wir werden Modelle fertigen, die reißenden Absatz finden werden, davon bin ich überzeugt. Angefangen vom Audi A8, A7, A6, Q3 über den Audi Q8 bis zum vollelektrischen Audi e-tron. Und da kommt noch mehr. Die Mannschaft ist heiß darauf, jetzt muss es auch der Vorstand sein. Und das traue ich unserem Vertriebsvorstand Herrn Schot und seinem Team schon zu. 

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