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Audi, BMW, Mercedes Die Strategien der Premiumhersteller

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Gefahr Carsharing


Dieter Zetsche Quelle: dpa

Ein Seitenhieb auf Daimler, die erst jetzt nach einer Neuorganisation des Vertriebs und der Berufung eines eigenen China-Vorstands beginnen, die Potenziale des Markts voll zu nutzen. Hier war Audi schneller, dafür ist BMW auf dem nordamerikanischen Markt mit seinem riesigen Werk in Spartanburg in South Carolina, das mit rund einer Milliarde Dollar zum größten Werkt des Konzerns ausgebaut werden soll, etwas besser in den USA platziert. Doch das Audi-Werk in Mexiko befindet sich bereits im Bau. Hat einer der Deutschen in punkto Internationalisierung eindeutig die Nase vorn? „Die schenken sich nicht viel“, sind sich die Analysten einig.

Innovativ und hervorragend auf den Wachstumsmärkten positioniert – was könnte Deutschlands Vorzeigeautobauer da noch schrecken?

Fall eines Statussymbols

Von Angst zu sprechen, wäre übertrieben. Bei einer Nachfrage von rund drei Millionen Neufahrzeugen jährlich auf dem deutschen Markt – auch in den nächsten fünf bis zehn Jahren – kann keine Rede davon sein, dass die Deutschen die Lust am Auto verloren haben.

Bei mittlerweile über 750.000 Carsharing-Nutzern hierzulande (67 Prozent mehr als 2013!) liegt der Gedanke aber nahe, dass zumindest die Städter zunehmend Gefallen daran finden, zwar ein Auto zur Verfügung zu haben, dafür aber kein eigenes besitzen müssen.

Ist das die Mobilität der Zukunft – ein Heer von (elektrischen?) Automobilen, die sich per Smartphone überall in der Stadt chartern lassen und das eigene Fahrzeug überflüssig machen?

„Carsharing ist für die Mehrzahl der Befragten vorerst kein Thema“, heißt es in der Aral-Studie „Trends beim Autokauf 2013“. Nur zwei Prozent haben bisher in einem Carsharing-Auto gesessen.

Andreas Knie, Mobilitätsexperte vom Wissenschaftszentrum Berlin, hält dagegen. Bei den so genannten „Greenovators“, also Kundengruppen, die sich für nachhaltige Konzepte interessieren und sie mit als erste ausprobieren, habe Carsharing große Erfolgschancen: „Wir beobachten in den USA einen massiv boomenden Carsharing-Markt.“ Dort werde der Club-Gedanke des Car-Sharings, der sich in Deutschland bisher kaum durchgesetzt hat, immer populärer. Junge Menschen seien inzwischen sehr besorgt um ihre Umwelt, das verändere ihr Mobilitätsverhalten.

Der Car-Sharing-Markt habe sich daher rasant entwickelt: „In diesem "Nutzen-statt-Besitzen"-Markt werden wir auch in Deutschland und Europa eine deutliche Wachstumsentwicklung erleben“, sagt er voraus.

Audi setzt auf "Select"

BMW und Mercedes haben sich wohl aus genau diesen Gründen dafür entschieden, mit Smart Car2Go und BMWDriveNow beim Carsharing mitzumischen. BMW nutzt DriveNow dabei auch bewusst, um seine E-Modelle beim Publikum zu testen. Seit gut einem Jahr ist der ActiveE mit 40 Modellen in Berlin und 20 Wagen in München im Angebot. Die Reaktionen seien sehr positiv, sagt DriveNow-Sprecher Michael Fischer. In wenigen Monaten – wann genau steht noch nicht fest – soll der i3 in die Flotten aufgenommen werden.

Audi-Chef Stadler jedoch hält nichts vom klassischen CarSharing. „Ich will keine rollenden Litfaßsäulen in den Städten.“

Ein Fehler? Nein, sagt Nord-LB-Analyst Schwope: „Carsharing halte ich für einen großen medialen Hype und einen überzeichneten Trend.“ Das eigene Auto würde dadurch selten verdrängt.

Studien geben ihm Recht. Doch Benecke vom Marktforschungs- und Beratungshaus IHS ist anderer Meinung: „Audi unterschätzt die Strahlkraft des Carsharing“. Wer schon einmal einen BMW i3 geliehen hat, findet vielleicht soviel Geschmack an dem Stromer, dass er Freunden zu einem rät oder selbst zum Käufer wird.

Audi hat sein eigenes Konzept: Mit Audi Select kann der Kunde bis zu drei unterschiedliche Modelle im Jahr leasen. Die Fahrzeuge werden geliefert, die Laufzeiten betragen sechs oder zwölf Monate. Für Audi-Chef Stadler die bessere Lösung: „Für einen gewissen Mehrpreis bekommt der Audi-Kunde im Rahmen seines Leasingvertrags diese Flexibilität. Das tut unserer Marke gut und kommt beim Premiumkunden besser an.“

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