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Audi-Chef Stadler "Wir geben heftig Gas"

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Mit Speed durch die Krise

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG Quelle: dpa

Lassen Sie Ihre Experten schon den Ausstieg Deutschlands aus der Währungsunion und die Rückkehr zur D-Mark durchkalkulieren?
Nein. Wir denken zwar in Szenarien, aber dieses gehört definitiv nicht dazu.


Warum das?
Weil ich überzeugt bin, dass der europäische Wirtschaftsraum den Euro braucht und es auch keine Alternative zu ihm gibt. Es ist unsere Aufgabe, diese Leitwährung zum Wohle unserer politischen und gesellschaftlichen Stabilität robust zu halten.


Koste es, was es wolle?
Deutschland ist keine Insel. Es exportiert mehr als die Hälfte seiner Wirtschaftsleistung, einen sehr großen Teil davon in Euro-Länder. Wir exportieren 40 Prozent unserer Autos in den Euroraum. Hinter dieser Wirtschaftsleistung stehen Menschen, Arbeitsplätze. Der Euro hat Deutschland als führender Export-Nation sehr geholfen. Der Fehlmechanismus der europäischen Gemeinschaftswährung der letzten zehn Jahre war, dass die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus der teilnehmenden Märkte nicht in den Preisen und Löhnen abgebildet wurden. Außerdem haben sich alle schon vor der Finanzkrise ziemlich dramatisch verschuldet. Das muss jetzt schleunigst korrigiert werden.


Durch Eurobonds?
Wenn die Kreditaufnahme für jedes Land gleich billig ist, segelt man am Thema vorbei. Wo bleibt dann der Druck, Haushalte nachhaltig zu sanieren und die richtigen Wachstumsanreize zu setzen? Das ist kein einfacher Prozess, er wird auch schmerzhaft sein. Und vielleicht wird für die Reform ein Jahrzehnt nicht reichen. Aber da müssen wir durch.

Angst und bange wird Ihnen bei solchen Perspektiven nicht? Andere Unternehmen spüren bereits die Abschwächung des europäischen Markts und haben für einzelne Werke Kurzarbeit angeordnet.
Aufgabe eines Unternehmers ist es, die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Märkte zu finden. Da ist Angst kein guter Ratgeber. Wir haben im nächsten Jahr gute Chancen auf weiteres Wachstum. Wir werden deshalb auch weiter kräftig investieren und nicht zu sparen anfangen. Wir investieren auch noch stärker in den eigenen Nachwuchs und haben vor wenigen Tagen die Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung neu geregelt. Alles mit dem Ziel, die Leistung unserer Mitarbeiter zu honorieren und sie zu motivieren, unsere ambitionierte Wachstumsstrategie weiter so engagiert voranzutreiben wie bisher.


Dennoch würde es Ihnen wohl kaum jemand übel nehmen, wenn Sie bei der unsicheren Lage der Weltwirtschaft den Fuß kurz vom Gaspedal nähmen.
In jeder unübersichtlichen Kurve sollte man den Druck aufs Gaspedal fein dosieren. Das ist die Aufgabe eines jeden Unternehmers. Aber wenn Sie Gesamtsieger werden wollen, dann brauchen Sie einen gewissen Speed über eine längere Distanz.


Dabei wächst aber die Gefahr, aus der Kurve zu fliegen.
Wie gesagt, einen gefühlvollen Gasfuß in unübersichtlichen Kurven aber nie vergessen, dass man ein Rennen nicht nur mit der Bremse gewinnen kann.

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