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Audi-Chef Stadler „Wir sind auf Tuchfühlung zu BMW“

Audi-Chef Rupert Stadler investiert in alles: Kleinwagen, Mitarbeiter, Elektroautos – aber wohl nicht in die Formel 1. Was für ihn 'Vorsprung durch Technik' bedeutet und auf welche Art Vorsprung er gerne verzichtet.

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Audi-Chef Rupert Stadler Quelle: laif

WirtschaftsWoche: Herr Stadler, warum wird Ihr Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer nach nur zehn Monaten von seinem Pendant bei VW, Ulrich Hackenberg, abgelöst? Zeichen einer Krise bei Audi?

Stadler: Nein, schauen wir auf die Fakten. Wir sind im Wettbewerb sehr erfolgreich unterwegs, das zeigen zum Beispiel unsere Absatz- und Finanzzahlen deutlich. Auf vielen Feldern sind wir führend. Es geht hier um etwas anderes: Meine Aufgabe ist es, wie ein Fußballtrainer die stärkste Mannschaft aufzustellen, um in einem harten Wettbewerb zu bestehen. Ulrich Hackenberg ist Audianer durch und durch, er kennt nicht nur unsere Marke aus dem Effeff, sondern auch seine Mitspieler in Ingolstadt und Wolfsburg aus einer langen und intensiven Zusammenarbeit. Er brennt dafür, die besten Automobile der Welt zu entwickeln.

Chinesische Regierung setzt auf Hongqi statt Audi

Ihr Rivale BMW will in diesem Jahr mehr als 1,5 Millionen Autos verkaufen. Schaffen Sie das auch?

Wir haben einen guten Lauf und sind zu BMW auf Tuchfühlung. Zwischen Januar und Mai haben wir unseren Absatz weltweit um 6,7 Prozent auf mehr als 640.000 Autos gesteigert.

Umsatz, Umsatzrendite und Absatz von Audi Quelle: Unternehmen

Aber in Westeuropa haben Sie in dem Zeitraum zwei Prozent weniger verkauft.

Genau gesagt sind es 1,3 Prozent. Westeuropa ist heiß umkämpft. Aber wir bewegen uns besser als der Markt. In Europa und China sind wir Marktführer, und in den USA wachsen wir zweistellig.

Glauben Sie noch an das Absatzziel von 1,5 Millionen Autos bis 2015?

Ja, und es ist für uns in greifbare Nähe gerückt. Wir wollen diese Marke spätestens 2014 passieren.

Immer mehr Länder verhängen Importzölle und Steuern auf Luxusautos, weil sie die eigene Autoindustrie fördern möchten. Kann das Ihre ambitionierten Absatzpläne durchkreuzen?

Weltweit beobachten wir mit Sorge eine Zunahme der Handelsbeschränkungen. Ich bin der Meinung, dass das langfristig wieder gedreht werden muss, denn am Ende verlieren durch Handelsbarrieren und Zölle alle Branchen, die auf globalisierte Märkte setzen, nicht nur die Autobranche. Deshalb begrüße ich die geplante Freihandelszone zwischen Europa und den USA sehr. Das ist mehr als ein gutes Zeichen, auch für potenziell bis zu 500 Millionen europäische und über 300 Millionen amerikanische Verbraucher.

Der Chef der Kommunistischen Partei in China hat die Parteimitglieder aufgefordert, nicht mehr vor allem Audi-Fahrzeuge zu kaufen, sondern chinesische Fabrikate. Ist das bedrohlich für Audi?

Das Regierungsgeschäft macht für Audi in China nur rund fünf Prozent des Absatzes aus. Dennoch ist für uns als Premiummarke auch dieses Marktsegment wichtig und prestigeträchtig, schließlich statten wir seit knapp 25 Jahren chinesische Regierungsstellen mit unseren Modellen aus. Das werden wir auch in Zukunft tun. Die Chancen stehen dazu gut, denn unsere Marke genießt in China durch unsere Innovationskraft eine starke Anziehungskraft.

Quantensprünge im Verbrauch

Wie viel Sprit Ihr Auto wirklich schluckt
Erschütterndes TestergebnisVon den 91 geprüften Fahrzeugen lag der im Unterschied zu den Herstellerangaben festgestellte Mehrverbrauch bei 55 Wagen teils deutlich über der Marke von zehn Prozent. Diese Grenze muss laut herrschender Rechtsprechung überschritten werden, wenn der Autokaufvertrag erfolgreich angefochten werden soll. Voraussetzung dafür ist in aller Regel auch das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen, der die besagte Verbrauchsdifferenz bestätigen muss. Die Bildergalerie zeigt die Testergebnisse ausgewählter Fahrzeuge: Die erste Ziffer gibt immer den Spritverbrauch laut Hersteller an. Die zweite den tatsächlichen Verbrauch im Rahmen des ACE-Tests. Quelle: dapd
Ford FocusFocus 1.6 Ti-VCT: Werksangabe: 6,6 Liter Super - ACE-Test: 7,9 Liter Focus 1.6 TDCi TREND: Werksangabe: 5,1 Liter Diesel - ACE-Test: 5,2 Liter Focus 2.0 TDCi: Werksangabe 4,9 Liter Diesel - ACE-Test 5,1 Liter Quelle: obs
Opel CorsaCorsa 1.7 CDTI Cosmo: Werksangabe: 4,8 Liter Diesel - ACE-Test: 5 Liter Quelle: obs
Audi Q3Q3 2.0 TDI Quattro S tronic: Werksverbrauch: 5,9 Liter Diesel - ACE-Test: 7,9 Liter Quelle: obs
Audi A4 A4 1.8 TFSI: Werksangabe: 7,1 Liter Super - ACE-Test: 8,1 Liter A4 2.7 TDI Avant Multitronic: 6,4 Liter Diesel - ACE-Test; 6,5 Liter Quelle: obs
Audi A6 AvantA6 Avant 2.0 TDI: Werksangabe: 5,8 Liter Diesel - ACE-Test: 6,7 Liter A6 Avant 3.0 TDI quattro: Werksangabe: 5,8 Liter Diesel - ACE-Test: 6,9 Liter Quelle: obs
Škoda RapidRapid 1.9 TDI: Werksangabe: 4,4 Liter Diesel - ACE-Test: 4,6 Liter Quelle: dpa

Audi wächst derzeit vor allem mit kompakten und kleinen Fahrzeugen. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Audi hat als erster Hersteller mit dem A3 bereits vor 17 Jahren bewiesen, dass Premium nichts mit Größe zu tun hat. Wenn man sich ansieht, dass es einen starken Trend zur Urbanisierung, zum Leben in Metropolen gibt, dann ist klar, dass der Anteil kompakter Automobile immer wichtiger wird. In den USA wird es vielleicht etwas länger dauern, bis die Kunden auch kleine Premiumautos in größeren Stückzahlen kaufen. Aber auch dort geht es in diese Richtung. Das Gleiche gilt für China. Die Kunden verstehen, dass sich Premium nicht nur über Länge, Breite und Höhe definiert.

Große, durstige Fahrzeuge wie der Q7 werden darüber zum Auslaufmodell?

Die Wünsche unserer Kunden belegen das Gegenteil. Und wir geben darauf mit konsequentem Leichtbau und sehr effizienten Motoren eine überzeugende Antwort. Der Q7 hat seinen Markt und seine Berechtigung, und er hat im Laufe seines aktuellen Lebenszyklus beim Verbrauch riesige Fortschritte gemacht. Der Nachfolger wird mehr als 300 Kilogramm leichter und auch als Plug-in-Hybrid zu haben sein. Für den Verbrauch und die CO2-Effizienz ist das ein Quantensprung.

Wie viel schluckt Ihr Dienstwagen?

Mein Dienst-A8 mit Drei-Liter-Sechszylinder verbraucht im Schnitt nur 6,4 Liter. Und das bei durchaus zügiger Fahrweise. Selbst unser A8 mit Zwölfzylindermotor lässt sich unter zehn Liter bewegen, wenn man behutsam mit dem Gaspedal umgeht...

Wir haben mit Kunden mal eine Testfahrt von Basel nach Wien und zurück gemacht. Die besten Fahrer haben die Norm um einen Liter unterboten. Der derzeitige Normverbrauchszyklus ist eine Art Urmeter unserer Branche, mit dem man alle Automobile und Hersteller vergleichbar macht. Er kann nicht alle Fahrertypen und Verhaltensweisen abbilden, sondern er ist eben ein Standard. In Paris wird anders gefahren als in Berlin, in Skandinavien anders als in Deutschland. Selbst wenn Sie einen neuen Standard einführen, wird es in der täglichen Praxis Abweichungen geben.

Der amerikanische Hersteller Tesla verkauft inzwischen jeden Monat Tausende Elektrosportwagen. Sind Sie neidisch?

Nein. Wir setzen für Audi auf Plug-in-Hybride, also Elektroautos mit einem zusätzlichen Verbrennungsmotor. Unser erstes Modell ist der A3 e-tron, den wir ab 2014 vermarkten. In der Stadt fährt dieser elektrisch, auf der Autobahn übernimmt der Benzinmotor, und der Elektromotor gibt zusätzlichen Schub, wenn der Fahrer das will. Auf diese Weise schaffen Sie die Fahrt von Hamburg nach München ganz ohne Tankstopp und ohne Verzicht bei Komfort oder Raumangebot.

Elektro kommt

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Sie bringen erst 2014, nach Mercedes, BMW und Volkswagen, als letzter deutscher Hersteller ein Elektroauto auf den Markt. Wie passt das zu Ihrem Motto „Vorsprung durch Technik“?

Für unsere Kunden geht es um die Summe der attraktivsten Eigenschaften, etwa Alltagstauglichkeit, Reichweite und Preis. Wir denken weiter und setzen auch um. Seit ein paar Tagen betreiben wir im niedersächsischen Werlte eine Anlage, in der aus überschüssiger Windenergie e-Gas gewonnen wird. Mit unserem A3 g-tron bieten wir dazu auch das passende Auto an. Das ist ein nachhaltiger Ansatz. Im Übrigen: Ich kenne einen Wettbewerber, der seit rund 20 Jahren das Brennstoffzellenauto in Serie ankündigt (lacht).

Damit meinen Sie Daimler...

...nicht nur. Es gibt auch andere Hersteller, die mit reinen Elektroautos am Markt sind, die aber nur wenige Kunden kaufen und fahren wollen, weil sie zu teuer und eigentlich Verzichtsmodelle sind. Diese Art von Vorsprung ist nicht mein Ziel. Der A3 e-tron und A3 g-tron dagegen werden am Markt Erfolg haben.

Der A3 e-tron zielt auf das Elektroauto i3 von BMW, das im Herbst auf den Markt kommt und trotz teurer Karbonkarosserie deutlich unter 40.000 Euro kosten soll. Wie teuer wird der A3 e-tron?

Einen Preis kann ich noch nicht nennen. Aber Sie können davon ausgehen, dass dieser attraktiver sein wird als der des BMW i3.

Auch BMW bietet optional einen zusätzlichen Benzinmotor an.

Das zeigt doch, dass man die Kundenerwartungen in München genauso einschätzt, wie wir es tun.

Werden 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, wie die Bundesregierung dies seit gut zwei Jahren angepeilt?

Das Elektroauto kommt, das ist gar keine Frage. Ob wir die eine Million 2018, 2019 oder 2021 haben, finde ich persönlich eher zweitrangig.

Über zwei Drittel der Teile eines Autos kommen heute von Zulieferern. Beim Elektroauto rechnen die Lieferanten mit einem noch höheren Anteil, weil dann auch der Motor und die Batterien von ihnen kommen. Wie viel Wertschöpfung bleibt da noch für den Autohersteller?

Wir machen all das selbst, was nötig ist, um uns zu differenzieren. Das wird beim Elektroauto nicht anders sein. Wenn der Motor oder die Batterie für die Differenzierung wichtig sind, dann werden wir diese in Eigenregie herstellen oder in einer exklusiven Kooperation. Deshalb sehe ich keine großen Verschiebungen der Wertschöpfungsanteile.

Chinesische Regierung setzt auf Hongqi statt Audi

Volvo und der neue chinesische Anbieter Qoros wollen Autos aus China nach Europa exportieren. Planen Sie das auch?

Nein. Wir produzieren in China für China und importieren auch ausgewählte Modelle aus Europa.

Qoros will die Marke Q3 für die eigenen Fahrzeuge benutzen. Dagegen wehren Sie sich rechtlich, weil die Geländewagen von Audi ebenfalls unter der Modellbezeichnung Q laufen. Konnten Sie sich schon mit Qoros einigen?

Nein, das läuft noch. Wir haben in die Modellbezeichnung Q viel investiert. Es ist sicher nachvollziehbar, dass wir uns dagegen wehren, wenn jemand Trittbrett fährt.

Differenziertere Modelltypen

Ab 2014 tritt neben Audi auch Porsche als zweite VW-Marke beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans an. Wird so entschieden, welche der beiden Marken künftig in der Formel 1 mitfährt?

Stadler (lacht): Ein lustiger Gedanke, aber glauben Sie mir, so funktioniert die Welt des Motorsports nicht. Wir fragen uns gerade in diesen Tagen, ob es überhaupt sinnvoll ist, in der Formel 1 dabei zu sein. Zu 90 Prozent wird in dieser Rennserie nicht über die Hersteller geredet, sondern über die Fahrer. Man redet auch noch viel über die Reifen und gerne auch oft über die Verlierer. Nur hin und wieder kommen auch die beteiligten Autobauer ins Spiel, und das nicht immer mit positiven Attributen. Dagegen bringt für uns Le Mans eine ganz andere Spannung und in diesem Jahr sogar den insgesamt zwölften Sieg.

Obwohl Le Mans nur einmal im Jahr stattfindet?

Die 24 Stunden von Le Mans sind für viele der Höhepunkt der WEC genannten Langstreckenweltmeisterschaft, mit Rennen in den USA, Südamerika, im Mittleren Osten, Asien und natürlich Europa, an Internationalität fehlt es also nicht. Und wir haben auch noch sehr ambitionierte Pläne im Kunden-Rennsport. Da können Sie das sportliche Profil der Marke schärfen, da ist die Marke sehr direkt erlebbar.

In Arbeit
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Im VW-Konzern sind nicht alle glücklich mit dem Audi-Design. Es wird als zu einheitlich kritisiert. Planen Sie Änderungen?

Wenn sich im vergangenen Jahr 1,455 Millionen Kunden und damit 360.000 mehr als noch 2010 für unsere Marke und unser Design entschieden haben, kann es so schlecht nicht sein. Wir werden aber die etwas robustere SUV-Linie Q, die edle Linie A und die knackige Sportwagen-Linie R künftig klarer voneinander differenzieren. Aber unsere Modelle werden auch in Zukunft auf den ersten Blick als Audi erkennbar sein.

Herr Stadler, haben Sie inzwischen eigentlich den Motorradführerschein?

Ja.

Audi übernahm 2012 den Motorradhersteller Ducati, weil VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch die Marke unbedingt haben wollte. Davon abgesehen, welchen Sinn hat der Kauf, wenn der Motorradmarkt insgesamt schrumpft?

Ducati ist eine starke Marke mit technischen Leckerbissen und einer enormen Rennsportgeschichte. Noch dazu hat die Marke großes Wachstumspotenzial, und zwar weltweit. Im vergangenen Jahr hat Ducati 44.000 Motorräder abgesetzt – mit einer zweistelligen Umsatzrendite. Auch auf diesem Feld passen wir hervorragend zusammen.

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