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Audi im Diesel-Skandal Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ex-Audi-Chef Rupert Stadler

Rupert Stadler: Ex-Audi-Chef wird wegen Betrug angeklagt Quelle: imago images

Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den früheren Audi-Vorstandschef Rupert Stadler und drei weitere Personen erhoben. Ihnen wird im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre unter anderem Betrug vorgeworfen.

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Nun wird es ernst für den früheren Audi-Vorstandschef Rupert Stadler. Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München II hat die Staatsanwaltschaft München im Zusammenhang mit der Diesel-Affäre Klage gegen ihn und drei weitere Personen erhoben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich hierbei um den früheren Audi- und Porsche-Manager Wolfgang Hatz und zwei Ingenieure. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht zu deren Namen. Den vier Angeschuldigten wird Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung vorgeworfen. Das Landgericht München muss nun über die Zulassung der Anklage entscheiden.

Drei Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft vor, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet war, heißt es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Die sogenannte Abschalteinrichtung ist eine Softwarefunktion, die bewirkt, dass die Abgasminderung auf dem Rollenprüfstand anders (und besser) funktioniert als im realen Fahrbetrieb. „Fahrzeuge mit den betroffenen Motoren sind in der Folge in großer Zahl abgesetzt und in den Verkehr gebracht worden“, so die Staatsanwaltschaft.

Ex-Audi-Chef Stadler wird vorgeworfen, spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen gewusst und trotz dieses Wissens nicht verhindert zu haben, dass die betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW weiter vertrieben wurden.

Die Anklage bezieht sich auf insgesamt 250.712 Fahrzeuge der Marke Audi, 71.577 Autos der Marke VW und 112.131 der Marke Porsche. Die Fahrzeuge seien insbesondere auf dem US-amerikanischen und europäischen Markt verkauft worden. Alle vier Angeklagten sollen laut Reuters die Vorwürfe der Strafverfolger in den Vernehmungen zurückgewiesen haben. Die Rechtsanwälte von Stadler und Hatz waren zunächst nicht für Stellungnahmen zu erreichen.

Stadler war im Juni 2018 als bislang einziger Manager aus der obersten Führungsriege des Volkswagen-Konzerns verhaftet und im Oktober unter Auflagen und auf Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Neben der Staatsanwaltschaft München ermitteln allerdings auch die Strafverfolger in Braunschweig in dem Dieselskandal. Ex-Konzernchef Martin Winterkorn sowie vier weitere Personen wurden im April wegen schweren Betrugs und unlauteren Wettbewerbs angeklagt. Daneben werfen die Ankläger den Führungskräften teilweise auch Untreue, Steuerhinterziehung und mittelbare Falschbeurkundung vor. Gegen weitere Beschuldigte laufen noch Ermittlungen. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig in Deutschland gegen 49 mutmaßlich Beteiligte am VW-Abgasskandal. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat mehr als 20 Verdächtige im Visier.

Der Volkswagen-Dieselskandal war im September 2015 in den USA aufgeflogen. Damals gab Volkswagen auf Druck der dortigen Umweltbehörden zu, Dieselabgase durch eine Software manipuliert zu haben.

Audi gilt als Keimzelle dieses Abgasbetrugs im VW-Konzern. Im arbeitsteilig organisierten Zwölf-Marken-Imperium hat der Ingolstädter Autobauer seit geraumer Zeit bei der Entwicklung von großen Motoren mit drei Litern Hubraum den Hut auf. Die von Schummeleien betroffenen Sechs- und Achtzylinder-Dieselaggregate wurden außer in Audi-Fahrzeuge auch in Modelle von VW und Porsche eingebaut.

Mitte Oktober 2018 verhängte die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den Autobauer bereit eine Geldbuße von 800 Millionen Euro wegen Verletzung der Aufsichtspflicht, die „die Begehung vorsätzlicher Straftaten aus dem Unternehmen heraus“ möglich gemacht habe. „Die Audi AG akzeptiert das Bußgeld und bekennt sich damit zu ihrer Verantwortung“, teilte der Autobauer damals mit. Das Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten wurde so abgeschlossen, die anderen Ermittlungen liefen weiter.

Die Wiedergutmachung des Dieselskandals hat Volkswagen bislang 30 Milliarden Euro gekostet. Bei Audi belaufen sich die Kosten der Affäre seit 2015 auf rund 3,4 Milliarden Euro.

Mit Material von dpa und Reuters

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