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Audi-Jahreszahlen Audi glänzt im Konzern, aber verliert gegen die Konkurrenz

Auch in Zeiten der Dieselkrise bleibt Audi der große Gewinngarant im VW-Konzern. Doch trotz der guten Zahlen rumort es: Gegen BMW und Mercedes fällt Audi zurück – und Audi-Chef Stadler kommt nicht aus den Schlagzeilen.

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So schlägt sich die zweite Generation
Audi Q5 auf der Straße Quelle: Audi
Audi Q5 auf der Straße Quelle: Audi
Audi Q5 zwischen Pflanzen Quelle: Audi
Audi Q5 auf der Straße Quelle: Audi
Audi Q5 am Strand Quelle: Audi
Audi Q5 Rückbank Quelle: Audi
Audi Q5 Kofferraum Quelle: Audi

Seit zehn Jahren steht Rupert Stadler nun an der Spitze. Leicht fiel dem Audi-Chef der Start nicht. Schließlich war es bis dahin nur schwer vorstellbar, dass ein Betriebswirt und kein Ingenieur eine Marke im VW-Reich führen soll. Dass ein Zahlenjongleur ausgerechnet Audi (Motto: „Vorsprung durch Technik“) nach vorne bringen soll, sorgte 2007 für Skepsis.

Wenn der 53-Jährige am Mittwoch in Ingolstadt vor Journalisten aus aller Welt die Jahresbilanz der Audi AG vorstellt, ist die Sorge von einst kein Thema mehr. Schließlich sind die Zahlen prächtig. Wie aus der bereits veröffentlichten VW-Konzernbilanz hervorgeht, steuert Audi mit 59,3 Milliarden Euro (+900 Millionen Euro zu 2015) mehr als ein Viertel zum Konzernumsatz von 217,3 Milliarden Euro bei.

Noch größer ist der Audi-Anteil bei dem Operativen Ergebnis, wenn man es um die Sondereffekte bereinigt. Da kommen von den 7,1 Milliarden Euro des VW-Konzerns 3,0 Milliarden aus Ingolstadt. Die Dieselkrise schlägt bei Audi mit 1,8 Milliarden Euro an negativen Sondereinflüssen in der Bilanz durch.

Die wichtigsten Eckdaten aus der VW-Konzernbilanz 2016

Einer der Gründe für die starke Stellung der Ingolstädter im Konzern: Unter dem Betriebswirt Stadler hat es Audi unter anderem geschafft, stärker als die deutsche Premium-Konkurrenz vom SUV-Boom zu profitieren. Das sorgt nicht nur für hohe Stück- und Umsatzzahlen, sondern auch für einen ordentlichen Gewinn. Ein SUV-Kunde gibt doppelt so viel Geld für Extras aus als ein Kombi-Fahrer – Dieselkrise hin oder her.

Bei Dieselgate gab Stadler kein gutes Bild ab

Und dennoch steht Stadler stärker unter Druck denn je. In der Abgasaffäre hat der Audi-Chef kein gutes Bild abgegeben – sei es durch kommunikative Fehler, fragwürdige Personalentscheidungen oder schlicht Unklarheiten über die Frage, wann er über die Abgas-Manipulationen informiert war.

Mit dem letztgenannten Punkt haben sich sogar die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi befasst. Zwar sprachen VW-Konzernchef Matthias Müller und der Audi-Aufsichtsrat (dessen Vorsitzender Müller ist) Stadler ihr Vertrauen aus. Doch die Vorwürfe selbst – durch eine von VW beauftragte Anwaltskanzlei geprüft und entkräftet – haben es in sich.

In einem Prozess am Arbeitsgericht Heilbronn hatte Ulrich Weiß, ein von Audi entlassener früherer Chefentwickler von Dieselmotoren, über seinen Anwalt mitgeteilt, Stadler habe ihm bei seiner Beurlaubung gesagt, „dass alles auf Druck von VW und dem VW-Aufsichtsrat geschehen ist“. Der Ingenieur gab zudem an, Stadler bereits 2012 über die Manipulationen informiert zu haben.

So will Audi dem Einheitsbrei entkommen
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi
Audi-Design Quelle: Audi

Der Rückhalt aus dem Aufsichtsrat ist für Stadler extrem wichtig. Denn die Verbindung zu seinem großen Verbündeten und einstigen Ziehvater im Konzern, Ferdinand Piëch, scheint gekappt. Zumindest arbeitet Stadler seit Februar nicht mehr für die beiden Stiftungen Ferdinand Karl Alpha und Ferdinand Karl Beta, in denen Piëchs Anteile am VW-Hauptaktionär Porsche SE von knapp 15 Prozent liegen. Zudem sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person, Stadler habe keinen Kontakt mehr zum früheren Patriarchen, da dieser sich aus dem VW-Konzern zurückgezogen habe.

Audi fällt bei Absatz und Rendite zurück

Stadlers Karriere im VW-Konzern ist eng mit Piëchs Gunst verknüpft. Er war von 1997 bis 2002 Leiter des Generalsekretariats von Piëch, damals Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Danach wurde er Finanzvorstand von Audi, bevor er zum Vorstandsvorsitzenden aufstieg. Doch hat er Insidern zufolge nach wie vor den Rückhalt der Eignerfamilien Porsche und Piëch – wohl auch, weil die Zahlen stimmen und auch der Ausblick kein trüber ist. Ein glänzender allerdings auch nicht.

Audi ist in der Wolfsburger Großwetterlage ein wichtiger Faktor. Mit ihren Gewinnen sorgen die Ingolstädter (zusammen mit Porsche) dafür, dass es in der Konzernbilanz trotz der Milliarden-Belastungen durch Dieselgate Lichtblicke gibt. Unterm Strich kehrt der VW-Konzern mit einem Gewinn von 5,1 Milliarden Euro in die schwarzen Zahlen zurück – Stadlers Anteil daran ist beträchtlich.

Ein großer Treiber des Audi-Geschäfts im Jahr 2016 blieb China. Die Ingolstädter verkaufen dort im Schnitt vier von zehn Autos. Im laufenden Jahr allerdings dürfte der Umsatz- und Gewinnbeitrag aus China leicht schrumpfen oder zumindest stagnieren: Audi baut gerade sein Händlernetz neu auf, was zu Jahresbeginn auf die Verkäufe drückte. Die Profiteure sind BMW und Daimler – die auch bei den gesamten Verkaufszahlen davonziehen.

Während BMW und Mercedes 2016 jeweils mehr als zwei Millionen Autos ausliefern konnten, bleibt Audi mit 1,87 Millionen Einheiten nur Rang 3. Das ist zwar ein Rekord und 3,8 Prozent mehr als die bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2015. Doch der Abstand wird größer – auch weil Mercedes und BMW ihrerseits das SUV-Angebot stark ausgebaut haben.

Audis Plan: Für 2017 hoffen die Ingolstädter vor allem auf den komplett neuen Q2 und auf die neue Generation des wichtigen Q5. Sie sollen für deutlich mehr Verkäufe bei den SUV sorgen. Später im Jahr steht noch eine Modellpremiere an, die Audi auf Jahre prägen wird: der neue A8.

Neues Design soll den Neustart symbolisieren

Mit der Luxuslimousine will Audi technologisch mit den Flaggschiffen von Mercedes und BMW mindestens gleichziehen. Der Slogan „Vorsprung durch Technik“, der zuletzt eher zur Bürde als Antrieb war, soll Rechnung getragen werden. Der A8 ist auch das erste Serienmodell aus der Feder des neuen Designchefs Marc Lichte, der die Jahre des Audi-Einheitsdesigns beenden soll.

Den selbst verordneten Neustart hat Audi bitter nötig, denn nicht nur beim Absatz haben die Ingolstädter Rückstand. Autobauer messen sich gerne in der Profitabilität, sprich der operativen Marge. Während bei Mercedes-Benz 9,1 Prozent des Umsatzes als operatives Ergebnis hängen bleibt und bei BMW immerhin 8,9 Prozent, kommt Audi auf 8,2 Prozent Umsatzrendite – und auch nur, wenn die Sondereinflüsse nicht mit eingerechnet werden. Rechnet man die 1,8 Milliarden Euro aus dem Operativen Ergebnis heraus, fällt die Marge auf gerade noch 5,1 Prozent.

Was das neue Audi-Coupé kann
Premiere des A5 Coupé im Jahr 2007 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi
Audi A5 Quelle: Audi

Dass Audi im Premium-Dreikampf aufholen muss, zeigt sich übrigens auch an der Jahrespressekonferenz in Ingolstadt selbst: In den Vorjahren wurde das Audi-Forum, also jene Halle, in der die Neuwagen an die Kunden übergeben werden, über Tage zu einem eigenen Konferenzsaal umgebaut. Von einer riesigen Bühne aus präsentierten Stadler und der gesamte Audi-Vorstand vor mehr als 300 Journalisten die Bilanz.

In diesem Jahr halten Stadler und sein Finanzchef Axel Strotbek ihre Reden an einem Stehpult, im gegenüberliegenden Firmenmuseum, vor nur noch 100 Journalisten. Damit kann der Betrieb im Audi-Forum ungehindert weiterlaufen.

Im Rennen mit BMW und Mercedes wird Stadler jedes ausgelieferte Auto brauchen.

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