Audi setzt auf SUV Die fetten Jahre für Audis Q-Familie kommen noch

Vor zehn Jahren brachte Audi den Q7 auf den Markt. Seitdem haben sich die wuchtigen Geländewagen zum Verkaufsschlager entwickelt. Jetzt kommt die zweite Generation des Q7 – als Vorbote einer SUV-Welle.

Die beliebtesten SUV im Preis-PS-Vergleich
SUV-Segment Quelle: AP
Mitsubishi ASX Quelle: AP
Peugeot 2008 Quelle: REUTERS
 Kia Sportage Quelle: AP
 Renault Capture Quelle: Presse
Mercedes Benz GLK Quelle: dpa
Mercedes GLA Quelle: REUTERS
Dacia Duster Quelle: AP
Mazda CX-5 Quelle: obs
Hyundai ix35 Quelle: obs
Skoda Yeti Quelle: obs
Einen Nachlass von 4.517 Euro gibt es für den 163-PS-starken Nissan Qasgqai des Modells 1.6 DIG-T Acenta. Das entspricht einem Rabatt von 17,75 Prozent vom Listenpreis von 25.450 Euro. Nur drei SUV-Modelle wurden 2014 häufiger verkauft als der Nissan, der 163 PS auf die Straße bringt. Deshalb der rabattierte Preis pro PS: 128 Euro. Quelle: dpa-tmn
BMW X1 Quelle: obs
Der Ford Kuga wurde im vergangenen Jahr 25.751 mal neuzugelassen. Nur einer schaffte 2014 eine höhere Zahl und auch sein Preis-Leistungs-Angebot ist lohnenswert: Das Modell 1.5 EcoBoost 4x4 134kW Trend Autom. mit 182 PS gibt es laut Liste für 30.750 Euro. Bei einem Nachlass von 23,33 Prozent können Neuwagenkäufer 7.174 Euro sparen und bekommen den SUV so für 130 Euro pro PS. Quelle: dpa-tmn
Opel Mokka Quelle: dpa

Zehn Jahre sind in der Autowelt eine kleine Ewigkeit. Audi selbst kann ein Lied davon singen: 1990 brachten die Ingolstädter den S2 auf den Markt. Das Sportcoupé begründete den Wandel: Weg vom Häkeldeckchen-Image der 80er Jahre, hin zu einer Marke mit sportlichen und luxuriösen Autos. Bis Ende des Jahrzehnts war Audi neben BMW und Mercedes als deutscher Premium-Hersteller etabliert.

2005 rollte der Audi Q7 zu den Händlern, das erste SUV der Ingolstädter. Mit einer Außenlänge von mehr als fünf Metern und bis zu sieben Sitzen im Inneren zielte der Q7 auf den Heimatmarkt der SUV, die Vereinigten Staaten. Doch nicht nur in den USA verkaufte sich der große Gelände-Audi gut, auch hierzulande setzte der SUV-Boom ein. Mehr als eine halbe Million Q7 hat Audi seitdem verkauft. Hinzu kommen unzählige Exemplare der kleineren Q5 und Q3. Fast jeder dritte Audi ist heute ein SUV.

Zehn Jahre nach dem ersten Q7 steht jetzt die zweite Generation vor dem Start – und soll den Siegeszug der SUV fortführen. Im vergangenen Jahr hat Audi einen Rekordgewinn von 5,15 Milliarden Euro erzielt – und erwirtschaftet damit 40 Prozent des Volkswagen-Konzerngewinns. Dabei machen die Audi-Autos nur 16 Prozent des Konzernabsatzes aus.

SUV bringen Audi Geld

Einen entscheidenden Anteil an diesen Zahlen haben die SUV. Sie tragen „positiv zur Erlösstruktur bei“, wie es Audi-Chef Rupert Stadler am Rande der Präsentation des Q7 in dieser Woche etwas umständlich ausdrückt. Sprich: Mit jedem verkauften SUV verdient Audi mehr Geld als etwa mit einem Kombi. „Zum höheren Grundpreis geben Q5-Käufer etwa doppelt so viel für Extras aus wie ein A4-Kunde“, sagt Stadler. Im Juni kommt der neue Q7 für mindestens 60.900 Euro in den Handel – ohne die gewinnträchtigen Sonderausstattungen.

Auch wenn man es dem Q7 nicht unbedingt ansieht – beim Design unterscheidet er sich nur unwesentlich von seinem Vorgänger –, ist er dennoch ein Hoffnungsträger für Audi. Und das gleich in zweierlei Hinsicht: Er ist das erste Fahrzeug, das auf der zweiten Generation des Modularen Längsbaukastens (MLB) aufbaut und soll zudem „die zweite SUV-Welle“ (O-Ton Stadler) anführen.

Die Vorteile der neuen Technik-Plattform sind schnell zusammengefasst: Gegenüber dem Vorgänger ist der neue Q7 325 Kilogramm leichter und bis zu 28 Prozent sparsamer, die effizienteste Diesel-Version soll nur noch 5,5 Liter im Normtest verbrauchen. Zudem soll er bei gleichen Außenmaßen deutlich mehr Platz im Innenraum bieten.

Das sind die neuesten SUV
Seat 20V20 Quelle: Presse
Seat 20V20 Quelle: dpa
Mazda CX3Einen Schritt weiter sind Marken wie Renault und Mazda, die ihre Modelle fürs Grobe jetzt so langsam auffächern - allerdings in gegenläufiger Richtung. Während die Franzosen dem kleinen Capture den großen Kadjar zur Seite stellen, dampfen die Japaner den CX-5 ein und schicken gegen Opel Mokka und Co künftig einen CX-3 ins Rennen. Quelle: Presse
Die Technik stammt vom gerade eingeführten Kleinwagen Mazda2, dazu kommt auf Wunsch ein Allradantrieb. Ab rund 19.000 Euro dürfte der Fünftürer kosten, angetrieben dann von einem Benziner mit etwa 120 PS. Quelle: Presse
Dass ein international eher kleiner Hersteller wie Mazda so schnell eine SUV-Variante seines neuesten Kleinwagens auflegt, lässt ahnen, wie wichtig das Segment mittlerweile ist. Die Wachstumsraten der Mini-SUV sind angesichts des weitgehend gesättigten Pkw-Marktes außergewöhnlich: Zwischen Herbst 2013 und Herbst 2014 ist die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland um knapp 48 Prozent gestiegen. Quelle: Presse
Renault KadjarRenault zeigt auf dem Genfer Autosalon mit dem Kadjar den großen Bruder des Captur. Quelle: dpa
Infiniti QX30Die japanischen Nobelmarken Infiniti und Lexus buhlen ebenfalls mit kompakten Geländewagen um Aufmerksamkeit. Zwar sind der Lexus LF-SA und der Infiniti QX30 noch Studien. Doch letzterer wird schon Anfang nächsten Jahres in Serie gehen, kündigt Firmenchef Roland Krüger an. Quelle: dpa
Mercedes GLE CoupéUnd Mercedes eifert mit dem sportlich beschnittenen GLE Coupé dem Erfolg des BMW X6 nach.
Ssangyong TivoliDas andere Ende der Skala markiert der Ssangyong Tivoli, der im Sommer als neues Einstiegsmodell des koreanischen Herstellers startet. Zwar ist der bullig gezeichnete Geländegänger erst einmal nur als Benziner mit Frontantrieb lieferbar. Dafür soll er laut Pressesprecherin Ute Margetts bereits für weniger als 17.000 Euro angeboten werden. Quelle: dpa
Und der Trend dürfte sich noch eine Weile fortsetzen. „Mehr als ein Drittel des Wachstums des SUV Segments wird in den nächsten sechs Jahren von den Mini-SUV kommen“, prognostiziert Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. Quelle: Presse
Die schnittigste SUV-, oder sagen wir lieber Crossover-Variante des Genfer Autosalons steht bei Aston Martin. Der Sportwagenhersteller liebäugelt mit der Studie DBX mit einem ersten Crossover-Modell. Denn wer sage denn, dass nicht auch ein Gran Turismo familienfreundlich und praktisch sein kann, fragt Firmenchef Andy Palmer. Allerdings sagt er auch, dass es frühestens in zehn Jahren soweit sein wird. Denn der DBX hat Elektromotren statt eines V8 oder V12. Quelle: dpa
Der HR-V ist die Crossover-Version des Honda Jazz Quelle: Presse
Hyundai iX35Ein weiterer Neuzugang kommt ebenfalls aus Korea: Hyundai schickt in Genf den iX35 in den Ruhestand und bringt mit dem Generationswechsel den Namen "Tucson" zurück. Quelle: dpa
Aber natürlich überlassen die Europäer angesichts der Wachstumsaussichten des SUV-Segments den Asiaten nicht das ganze Feld. So wird Renault beispielsweise in Genf den neuen Kadjar vorstellen, der auf der Basis des erfolgreichen Qashqai von Nissan entsteht. Womit wir an der Grenze vom Mini- zum Kompakt-SUV angekommen sind, und das ist ja bekanntlich eine andere Geschichte. Quelle: Presse
Der Suzuki Vitara kommt im März in den Handel Quelle: Presse
Range Rover EvoqueIn Genf zeigt sich eine weitere Diversifizierung der Baureihen. So hat Jaguar Land Rover das erste moderne SUV-Cabrio auf Basis des zum Salon etwas aufgefrischten Range Rover Evoque angekündigt. Quelle: Presse
Das bringt dem SUV unter anderem Retuschen an Front und Heck, neue Sitze und Türverkleidungen sowie die ersten LED-Scheinwerfer im Modellprogramm der Marke. Dazu kommt ein modernisiertes Infotainmentsystem mit großem Touchscreen und Smartphone-Integration sowie eine Stereokamera für erweiterte Sicherheitsfunktionen. Außerdem wird das Auto dank neuer Dieselmotoren sparsamer. Die Markteinführung soll im Sommer erfolgen. Quelle: dpa
Audi Q7Für das auf dem Genfer Autosalon vorgestellte Fullsize-SUV Q7 darf uns Audi in der e-tron-Variante einen Durchschnittsverbrauch von nur 1,7 Liter auf 100 km vorrechnen. Dank Hybrid und Gewichtseinsparung, aber noch mehr dank der merkwürdigen Vorschriften zur Ermittlung des offiziellen Normverbrauchs. Quelle: Presse
Mercedes G-KlasseVon jeder Art Spielerei hebt sich die Mercedes G-Klasse klar ab: Der Klassiker verzichtet auf alle Rundungen und präsentiert sich auf dem Genfer Autosalon Salon als seriennahe Studie 4x4hoch2 noch kantiger. Aber auch technisch extremer: Der Dreitonner geht im Gelände wirklich steil. Quelle: Presse
Auch die Traditionsmarke Borgward will ihr Comeback im Herbst auf der IAA mit einem kompakten Geländewagen starten. Und sogar Rolls-Royce wagt sich auf schwieriges Terrain. Die britische BMW-Tochter hat zwar jahrelang beteuert, dass ein Rolls-Royce im Matsch nichts zu suchen habe. Kurz vor der Messe in Genf ist der Autobauer aber eingeknickt und hat ebenfalls einen Geländewagen angekündigt. Quelle: Presse

Über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg des MLB-Pioniers wird aber eine andere Kennziffer entscheiden, wie Autoexperte Stefan Bratzel weiß. „Wie groß die Skaleneffekte und Margen wirklich sind, wird sich erst in einigen Jahren zeigen, wenn weitere MLB-Modelle auf dem Markt sind und die Produktion in mehreren Werken angelaufen ist“, sagt der Direktor des Center of Automotive Management (CAM) aus Bergisch Gladbach.

Zur Erinnerung: Die Einführung des Modularen Querbaukastens (MQB) bei Volkswagen lief alles andere als rund. Über Monate mussten immer wieder die Bänder angehalten werden, der Konzern brachte die Probleme erst spät in den Griff, die Verzögerungen kosteten Millionen. Produktionsvorstand Michael Macht musste gehen.

Premium-Markt in den USA erholt sich

Derartige Anlaufschwierigkeiten erwartet Stadler beim zweiten Längsbaukasten nicht. Die Produktion des Q7 in Bratislava, wo der Audi neben den Brüdern VW Touareg, Porsche Cayenne (nur die Karosserie) und künftig dem Bentley Bentayga vom Band läuft, sei ohne Probleme angelaufen. „Bis ein weiteres SUV aus dem Konzernverbund auf der MLB-Basis gebaut wird, dauert es noch rund anderthalb Jahre“, sagt Stadler „Wir können uns also auf ein Produkt konzentrieren und haben genug Zeit, die Prozesse zu kontrollieren.“ Später startet MLB-Produktion in Ingolstadt und Neckarsulm, zum Beispiel für die A6-Baureihe. „Auch das ist mit zwei Werken beherrschbar“, so Stadler.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%