Aufsichtsrat Daimler-Chefkontrolleur Bischoff in der Kritik

Manfred Bischoff und Dieter Zetsche sind Kumpels aus schwerer Zeit. Investoren bemängeln die große Nähe der beiden zueinander.

Tiefer und breiter geht immer
Es ist wahrscheinlich der kleinste AMG in der 45-jährigen AMG-Geschichte, aber bestimmt nicht der langsamste: der Mercedes-Benz A45 AMG, die Power-Version der A-Klasse. Der Kleine lässt es ganz schön krachen: Der neue Motor mit zwei Litern Hubraum entwickelt etwa 350 PS und ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern. Das klingt nach mächtigem Spurtvermögen, auch wegen des Doppelkupplungsgetriebes. Foto: Auto-Medienportal.Net/Daimler
Sein Debut wird der A45 AMG im kommenden März auf dem Genfer Automobil-Salon erleben. Ausgeliefert wird er ab dem Sommer. Der Preis soll vermutlich knapp unter 50.000 Euro liegen. Die Daimler-Tochter AMG will den Kleinen damit offensiv platzieren, zum Beispiel gegen den Audi RS3 Sportback oder das BMW 1er Coupé
Pünktlich zum Verkaufsstart der neuen A-Klasse bietet Brabus in Bottrop ein komplettes Tuningprogramm. Es umfasst Motortuning, Aerodynamik-Komponenten, Leichtmetallräder in 17, 18 und 19 Zoll Durchmesser, Fahrwerkslösungen und Interieur-Veränderungen. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
Der Brabus Frontspoiler für die AMG Sport-Ausstattungslinie ist so konzipiert, dass er am unteren Teil der Schürze fixiert wird. Damit wirkt die A-Klasse nicht nur dynamischer, durch die im Windkanal optimierte Formgebung wird bei hohen Geschwindigkeiten auch der Auftrieb an der Vorderachse reduziert. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
In Entwicklung ist auch ein Heckspoiler. Der Brabus Heckschürzeneinsatz für den AMG Sport Stoßfänger ist nicht nur wie ein Diffusor geformt, sondern setzt auch die vier Endrohre der Brabus Edelstahl-Sportauspuffanlage in Szene. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
Die Fahrwerksingenieure und Testfahrer von Brabus entwickelten maßgeschneiderte Rad-Reifen-Kombinationen mit 17, 18 oder 19 Zoll Durchmesser. Als größte Option für die Mercedes-Kompaktklasse gibt es 8.5Jx19-Räder in fünf Designs. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
Passend dazu liefern Continental, Pirelli und Yokohama Hochleistungsreifen bis zur Dimension 255/30 R 19 für die Hinterachse. Speziell für die Verwendung mit sportlichen Niederquerschnittsreifen wurden Sportfedern für die Mercedes-Benz A-Klasse entwickelt, die die Karosserie um rund 25 Millimeter tiefer gelegt. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
Die komplett aus Edelstahl gefertigte Brabus Sportauspuffanlage mit je zwei Chromendrohren links und rechts gibt es in passenden Versionen für alle Motorisierungen. Das Abgassystem produziert einen sportlicheren aber keineswegs aufdringlichen Motorsound. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus
Brabus bietet auch zahlreiche Veredelungsoptionen für das Interieur der neuen A-Klasse an. Bi-Color Edelstahl-Einstiegsleisten mit Brabu- Logo gehören genauso zum Programm wie matt eloxierte Aluminiumpedale oder Alu-Türverriegelungsstifte. Besonders weiches Mastik-Leder und Alcantara wird von den Sattlern in das Wunsch-Cockpit des A-Klasse-Besitzers verarbeitet. Foto: Auto-Medienportal.Net/Brabus

Zwei Drittel aller Frauen, behaupten Modemagazine, finden Schnurrbärte grässlich. Dass dies Manfred Bischoff, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Daimler, und seinen Vorstandschef Dieter Zetsche nicht anficht, spricht für das Selbstbewusstsein der beiden. Das Daimler-Spitzenduo eint aber weitaus mehr – und sogar mehr, als kritischen Anlegern lieb ist.

Denn der Chefaufseher und der Beaufsichtigte sind Kumpels aus schwerer Zeit. Schon in den Siebzigerjahren arbeiteten sie als Daimler-Manager zusammen. In den Achtzigern saßen sie in der Geschäftsführung der brasilianischen Konzerntochter. In den Neunzigern hatten beide einen Sitz im Vorstand – Zetsche als Lenker der US-Daimler-Tochter Chrysler, Bischoff als Luftfahrtspartenchef.

Kein Wunder, dass die beiden sich blendend verstehen. Bischoff sei der beste Kontrolleur, den er sich vorstellen könne, lobte Zetsche seinen Chefaufseher zu dessen 70. Geburtstag im Frühjahr 2012. Der Aufsichtsrat stehe voll hinter Zetsche, beteuerte Bischoff – und überraschte Investoren ein Dreivierteljahr später mit dem Plan, Zetsches Vertrag angeblich nicht nur um drei, sondern gleich um fünf Jahre zu verlängern.

Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment sieht die große Nähe der beiden Big Shots kritisch. Denn in der jetzigen Lage müsse Bischoff den Vorstandschef besonders stark hinterfragen: „Es ist nicht nur am Vorstand, etwas zu tun. Auch der Aufsichtsrat muss sich fragen lassen, was er machen will, um die Situation zu ändern.“ Unverhohlen äußert Speich, wie andere Großinvestoren auch, seine Kritik an der Personalpolitik Bischoffs: „Eine mögliche Verlängerung von Zetsches Vertrag um fünf Jahre“, so Speich, „erschließt sich mir nicht, drei Jahre wären völlig ausreichend. Dann könnte man später sehen, ob eine Verlängerung sinnvoll ist.“

Kurskorrekturen verlangt

Großinvestoren haben inzwischen einen Plan ausgearbeitet, wie Daimler wieder in die Spur kommt: Sinnvoll sei eine „andere Konzernstruktur mit kleineren, schlagkräftigeren Einheiten“. So solle etwa die Autosparte eine „separate Einheit sein und auch als solche geführt werden können“ – und nicht nur, wie ein Investor kritisiert, „im Verbund mit dem gesamten, hoch komplexen Daimler-Universum“.

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Ganz ähnlich die Stoßrichtung der Fondsgesellschaft DWS: „Wir halten nichts davon, dass Herr Zetsche sowohl Konzernchef als auch Chef der Autosparte ist“, sagt Fondsmanager Stefan Bauknecht. „Wir würden es befürworten, wenn es einen eigenen Chef für die Autosparte geben würde, damit diese Einheit mehr Freiheit hat und schneller handeln kann.“

In den kommenden Wochen, so heißt es in Frankfurt, wollen insbesondere Fondsvertreter mit dicken Daimler-Aktienpaketen bei Bischoff vorstellig werden, um den Konzernumbau und einen neuen Chef für die Autosparte zu fordern. Auf ein Gespräch mit dem Chefkontrolleur hoffen sie schon lange. Doch bislang beschied Bischoff ihre Anfragen negativ. Auch nach der Hauptversammlung im vergangenen Jahr, wo viele Großaktionäre ihrem Unmut über Zetsches Kurs Luft machten, erhielten sie keine Audienz. „Aufsichtsratschefs anderer Dax-Konzerne nehmen solch eine harsche Kritik zum Anlass, das Gespräch zu suchen“, sagt ein Fondsmanager. „Nicht so Herr Bischoff. Aber wir geben nicht auf.“

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