Ausblick 2013 Europa belastet deutsche Autobauer

In Europa werden wegen der Schuldenkrise immer weniger Autos verkauft. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nicht viel ändern, stellt der Verband der Automobilindustrie in Aussicht.

Ford macht drei Werke in Europa dicht
FordAls erster Autobauer zog Ford angesichts der Absatzkrise in Westeuropa die Notbremse und macht drei Werke mit Tausenden Beschäftigten dicht: Das Werk im belgischen Genk mit 4300 Mitarbeitern sowie die zwei Standorte Southampton und Dagenham in Großbritannien mit 1400 Beschäftigten. Abgesehen von Russland werde die Produktionskapazität in Europa um 355.000 Fahrzeuge verringert, eine Kürzung um fast ein Fünftel. Der wegen der weggebrochenen Verkaufszahlen für dieses Jahr erwartete Verlust werde über 1,5 Milliarden Dollar liegen, räumte Ford ein. Bisher war der Autobauer von lediglich über einer Milliarde ausgegangen. In Saarlouis hat Ford seine Produktion bereits gedrosselt: Sie soll von täglich 1.670 Fahrzeugen ab November 2012 auf 1.530 pro Tag sinken. Außerdem entlässt das Unternehmen Leiharbeiter. Schon im Sommer hatte Ford mehrere tausend Mitarbeiter seines Kölner Werks (Foto) in Kurzarbeit geschickt. Quelle: dpa/dpaweb
AudiStille Nacht in Neckarsulm: Über Weihnachten soll im dortigen Audi-Werk die Produktion der Modelle A7 (Foto) und A8 ruhen. Schon Anfang August stoppte der Konzern seine Fertigung in der Fabrik für eine Woche. Audi hatte bereits im Sommer 2012 angekündigt, sich schrittwiese in Neckarsulm von Leiharbeitern zu trennen. Quelle: obs
BMWBMW will sich vom europäischen Markt emanzipieren. Dabei setzt der Konzern auf vielversprechendere Märkte wie Asien, Süd- und Nordamerika. Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist ein neues Werk in Brasilien geplant. Außerdem leitet BMW jene Modelle, die in Europas Autohäusern verstauben, nach Asien und in die USA um. Dieses wiederfuhr laut Vertriebsvorstand Ian Robertson in den vergangenen Monaten bereits mehreren zehntausend Autos, die in Europa nicht verkauft werden konnten. Quelle: REUTERS
PSA Peugeot CitroënEin eingesperrter Personalchef – das zeigt, wie kritisch die Lage von Europas zweitgrößtem Autobauer PSA Peugeot Citroën ist. Nachdem der Manager des Werks in Aulnay-sous-Bois die Löhne gekürzt hatte, sperrten ihn die Mitarbeiter am 17. Oktober ein. Eine Woche zuvor demonstrierten Werksmitarbeiter vor dem Pariser Autosalon (Foto). Das Unternehmen will die Fabrik 2014 still legen. Insgesamt sollen bei PSA Peugeot Citroën 8.000 Stellen fallen. Der französische Staat und mehrere Banken verhandeln mit der konzerneigenen Banque PSA Finance über eine Finanzspritze. Im ersten Halbjahr 2012 machte das Unternehmen 800 Millionen Euro Verlust. Quelle: Reuters
OpelDer sogenannte Deutschland-Plan soll Opel wieder auf die Beine helfen. Doch die Verhandlungen dazu sind ins Stocken geraten. Bis Ende 2012 will das Unternehmen seine Mitarbeiter in den Werken in Rüsselsheim (Foto) und Kaiserslautern an 20 Tagen in Kurzarbeit schicken. Quelle: dpa
VolkswagenDie Produktion des VW Passat in Emden (Foto) soll einige Tage ruhen. Bei Volkswagen leidet vor allem die Mittelklasse unter der Kaufzurückhaltung der Kunden. Quelle: dapd
PorschePorsche will seine Produktion im Jahr 2013 zurückfahren: Sie soll um fünf bis zehn Prozent sinken. Kurzarbeit ist jedoch nicht vorgesehen. Quelle: dapd

Die deutschen Autobauer rechnen auf ihrem Heimatmarkt im kommenden Jahr mit weiter sinkenden Pkw-Verkäufen. Die Neuzulassungen dürften auf etwa drei Millionen Fahrzeuge schrumpfen, teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag in Berlin mit. 2012 werden insgesamt 3,1 Millionen Fahrzeugen erwartet.

Im November sanken die Neuregistrierungen in Deutschland Branchenangaben zufolge um drei Prozent auf 260.000 Einheiten. Seit Jahresbeginn kamen knapp 2,9 Millionen Fahrzeuge neu auf die Straßen, zwei Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Nachfrage auf Europas größtem Pkw-Markt ist weiterhin stabiler als in vielen Nachbarländern.

Die Lieblingsautos der Generation „Ü50“
Platz 10: Für den Kia Sportage haben sich 1,9 Prozent der über 50-jährigen Autokäufer im Internet entschieden. Dabei zahlten sie im Schnitt 23.529 Euro für den SUV, der in Rüsselsheim entwickelt wurde und in der Slowakei vom Band läuft. Damit sparten sie 5.651 Euro auf den Listenpreis. Übrigens: SUVs im Allgemeinen sind bei der Generation 50+ sehr beliebt. Sie kommen laut meinauto.de auf einen Marktanteil von 27,4 Prozent in dieser Altersklasse - mehr als jedes andere Fahrzeugsegment. In der Studie berücksichtigt wurden alle Vermittlungen von Neuwagen des Portals meinauto.de an Kunden mit Geburtsjahr 1962 und älter, gemessen im Zeitraum von Oktober 2011 bis Juni 2012. Quelle: PR
Platz 9: Unter den beliebtesten zehn Modellen der Generation 50+ befinden sich auch zwei Vans. Der erste auf Platz 9 ist der Ford C-Max mit einem Marktanteil von 2,2 Prozent. Statt einem Listenpreis von 28.265 Euro zahlten die Kunden im Schnitt 21.664 Euro, also 23,4 Prozent weniger. Insgesamt betrachtet sind Vans mit einem Marktanteil von 13,1 Prozent das viertbeliebteste Fahrzeugsegment der Über-50-Jährigen. Quelle: PR
Platz 8: Mit einem Marktanteil von 2,6 Prozent reiht sich der Skoda Octavia vor dem C-Max ein. Die Kompakt-Limousine fand im Mittel für 22.110 Euro einen Käufer – 18,9 Prozent unter dem Listenpreis. Ab jetzt folgen nur noch Modelle des VW-Konzerns – mit einer Ausnahme. Quelle: PR
Platz 7: Der beliebteste Van ist der VW Touran. Für den Wolfsburger entschieden sich 2,9 Prozent aller Ü50-Kunden auf meinauto.de. Mit einem Kaufpreis von 28.203 Euro ist er eines der teureren Fahrzeuge in dieser Liste, trotz einem Preisnachlass von 5.810 Euro. Quelle: PR
Platz 6: Es folgt der zweite von vier SUVs in den Top Ten, der Skoda Yeti. Er kommt auf einen Marktanteil von 3,2 Prozent. Im Schnitt fand der Yeti für 22.524 Euro einen neuen Käufer. In den Autohäusern liegt der Listenpreis bei 27.763 Euro. Quelle: PR
Platz 5: Der Skoda Fabia ist das günstigste Modell in diesem Ranking. Di 13.498 Euro (Liste: 17.212 Euro) und bewährte Technik aus dem VW Polo sind sicher ein Grund, warum 3,4 Prozent der Über-50-Jährigen zugegriffen haben. Quelle: PR
Platz 4: Hier der letzte Nicht-VW: 4,6 Prozent der Kunden haben sich für einen Nissan Qashqai entschieden. Ein möglicher Grund: Auf den Qashqai gab es mit 6.310 Euro (23 Prozent) den höchsten Preisnachlass. Am Ende kostete er noch 21.113 Euro. Quelle: PR

Dort können sich die Verbraucher wegen der hohen Arbeitslosigkeit keine Neuwagen leisten. In Frankreich waren die Neuzulassungen im November gar um knapp ein Fünftel weggebrochen.

Die Schuldenkrise wird im nächsten Jahr andauern - davon geht der Verband der Automobilindustrie (VDA) aus: "Der Gegenwind nimmt zu. Eines ist gewiss - das Jahr 2013 wird uns fordern, es wird ein hartes Arbeitsjahr", sagte VDA-Chef Matthias Wissmann.

Autoabsatzprognose für 2012 und 2013

In den USA herrschen Zustände wie im Schlaraffenland

Auf der andern Seite bewahrt die starke Nachfrage in Übersee die deutsche Automobilindustrie 2012 vor dem Schlimmsten. Besonders für deutsche Premiumhersteller läuft es in den USA und in Asien richtig gut. In Amerika wuchsen die deutschen Premiumhersteller im November deutlich stärker als ihre örtlichen Konkurrenten. Die Oberklassehersteller erleben dort teils hohe zweistellige Zuwachsraten. So steigerte BMW steigerte Absatz im November auf dem nach China weltweit zweitgrößten Pkw-Markt um 39 Prozent und lag damit einen Monat vor Jahresschluss rund 30.000 Einheiten vor dem Rivalen Daimler. Der Stuttgarter Konzern verkaufte im vergangenen Monat 15,6 Prozent mehr Fahrzeuge als vor Jahresfrist. Volkswagen steigerte den Absatz um knapp 30 Prozent, die ebenfalls zum Wolfsburger Konzern gehörende Sportwagenmarke Porsche sogar um mehr als 70 Prozent.

Die Topseller unter den SUV
Platz 10: Hyundai IX35Absatz bis Juni 2012: 9.500 Gesamtabsatz 2011: 13.300 Nennleistung (kw/PS): 85/116 bis 135/184. Das CAR-Center Automotive Research hat untersucht, welche sportlichen Geländewagen bis Ende Juni 2012 am besten verkauft wurden. CAR-Leiter Ferdinand Dudenhöffer: "Die SUV sind das am schnellsten wachsende Fahrzeugsegment in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2012 haben sie mit 15,2 Prozent den größten Marktanteil seit Bestehen der Bundesrepublik. " Auf Platz 10 schafft es ein koreanisches Modell. Der Hyundai IX 35 ist auf dem besten Weg 2012 einen neuen Rekordabsatz zu erzielen. Schon jetzt gibt es 9.500 neuzugelassene Modelle dieses Typs auf Deutschlands Straßen. Der Koreaner ist ab 20.690 Euro zu haben. Quelle: Presse
Platz 9: Audi Q5Absatz bis Juni 2012: 9.500 Gesamtabsatz 2011: 21.800 Nennleistung (kw/PS): 165/225 bis 200/272 Die SUV-Modelle Q 3 und Q5 zählen zu den Wachstumstreibern bei Audi - trotz der stattlichen Preise. Der Q5 ist ab 41.900 Euro zu haben. Im Gesamtranking 2011 lag der Q5 auf Platz 5, doch der Wettbewerb ist hart - derzeit konkurrieren 73 SUV-Modelle auf dem deutschen Markt. Foto: obs/Audi AG Quelle: obs
Platz 8: Dacia DusterAbsatz bis Juni 2012: 10.200 Gesamtabsatz 2011: 22.700 Nennleistung (kw/PS): 77/105 bis 81/110 Der Dacia gehört zu den preiswertesten Kompakt-SUVs und ist bereits ab 10.990 Euro zu haben. Der Preisvorteil hat 2011 viele Kunden überzeugt. Der Dacia belegte insgesamt Platz vier im Ranking der SUV-Lieblinge. Quelle: Presse
Platz 7: Ford KugaAbsatz bis Juni 2012: 10.600 Gesamtabsatz 2011: 17.080 Nennleistung (kw/PS): 103/140 bis 147/200 Der Kuga verkauft sich im ersten Halbjahr in etwa auf Vorjahresniveau. 2011 landete das Ford-Modell auf Platz 8 der meistverkauften SUVs. Den Kuga gibt es ab 29.500 Euro. Quelle: dpa
Platz 6: Skoda YetiAbsatz bis Juni 2012: 11.600 Gesamtabsatz 2011: 19.400 Nennleistung (kw/PS): 77/105 bis 125/170 Ebenfalls ein preiswerter SUV mit etwas weniger PS - der Skoda Yeti ist ab 18.390 Euro zu haben. Bisher läuft der Verkauf auf Vorjahresniveau. 2011 belegte der Yeti Platz sieben der bestverkauften Fahrzeuge. Das Modell ist seit 2009 auf dem deutschen Markt erhältlich. Quelle: Skoda
Platz 5: Nissan QashqaiAbsatz bis Juni 2012: 12.000 Gesamtabsatz 2011: 24.400 Nennleistung (kw/PS): 86/117 bis 110/150 Der Qashqai belegte 2011 Platz drei unter den bestverkauften SUVs - diese Marke kann er wohl nicht halten, nach dem ersten Halbjahr fährt er auf Platz 5. Der Japaner ist ab knapp 20.000 Euro zu haben. Quelle: dpa-tmn
Platz 4: Audi Q3Absatz bis Juni 2012: 12.140 Gesamtabsatz 2011: 2900 Die Ingolstädter landeten mit der Einführung des Q3 im Oktober 2011 einen Volltreffer. Nach einem dreiviertel Jahr auf dem deutschen Markt belegt er bereits Platz vier der meistverkauften SUVs. In der Dieselvariante ist der Q3 ab 30.000 Euro zu haben, den Benzin gibt's ab knapp 32.000 Euro. Foto: obs/Audi AG Quelle: obs

Als Grund für das hohe Wachstum führten Experten den Sturm "Sandy" im Oktober an, durch den viele Verkäufe in den November verschoben worden seien. Die Opel-Mutter GM begründete ihr vergleichsweise geringes Wachstum von drei Prozent damit, dass sie an der vom Sturm betroffenen Ostküste weniger Fahrzeuge verkaufe als in anderen Regionen der USA. Ford legte um 6,5 Prozent zu. Am stärksten unter den drei US-Autobauern steigerte sich die von Fiat kontrollierte Marke Chrysler (plus 14,4 Prozent).

Auch in China waren die Nobelkarossen von BMW, Daimler und der VW-Tochter Audi zuletzt gefragt. Dadurch können die deutschen Premiumhersteller den Absatzrückgang in ihrer Heimat abfedern, während die Konkurrenz von Opel und Peugeot über Werksschließungen diskutiert. Ford hat bereits angekündigt, in den nächsten Jahren drei Werke mit 5700 Beschäftigten zu schließen.

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