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Auslieferungsrekord Tesla liefert und trotzt Corona

Tesla Auslieferungsrekord Quelle: dpa

Weltweit sackten Autohersteller in den vergangenen Wochen an der Börse ab – auch Tesla. Nun verkündet der E-Autobauer einen Auslieferungsrekord im ersten Quartal und versetzt die Aktionäre nach Börsenschluss in Euphorie.

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Vor zwei Jahren verkündete Tesla-Chef Elon Musk via Twitter, dass sein Unternehmen „komplett und total bankrott“ sei. „So bankrott, dass man es kaum glauben kann.“ Es war ein Aprilscherz. Und Musk, der ohnehin seit Jahren auf dem Radar der Börsenaufsicht ist, hat sich seitdem solche deftigen Witze verkniffen. Denn am nächsten Tag fiel der Tesla-Kurs um sieben Prozent. Ironie hat eben ihre Tücken.

Vielleicht lag es auch an dieser Erfahrung, dass Tesla seine aktuellen Auslieferungszahlen nun erst am zweiten April, also am Donnerstagnachmittag kalifornischer Zeit, nach Börsenschluss bekanntgab. Was Analysten nicht davon abgehalten hatte, schon am Vortag über die Zahl zu spekulieren. Mit geschätzten 89.000 Fahrzeugen lagen sie dabei erstaunlich gut.

Im ersten Quartal hat Tesla nämlich 103.000 Autos gefertigt und 88.400 davon weltweit ausgeliefert. 76.200 der an Kunden übergebenen Fahrzeuge waren Model 3, darin inbegriffen einige Exemplare des Model Y, dessen Produktion Ende Januar angelaufen war und das seit Mitte März ausliefert wird. Der anderen 12.200 Fahrzeuge entfielen auf die Premiummodelle S und X.

Laut Tesla ist Q1 2020 somit das bislang beste Quartal seiner Geschichte. Das ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Denn in seinem Heimatmarkt USA gibt es für Tesla Käufer seit Jahresbeginn keine steuerlichen Zuschüsse der Bundesregierung mehr, sondern nur noch Förderungen der einzelnen Bundesstaaten. Zwar weist Tesla nicht aus, wie viele seiner Fahrzeuge ins Ausland verkauft wurden, vor allem wie der Absatz in China, dem wichtigsten Automarkt der Welt, läuft.

Entweder hat Tesla einfach mehr seiner Elektroautos weltweit absetzen und damit die Kürzung der Subventionen in den USA ausgleichen können. Oder die Nachfrage im Heimatmarkt ist tatsächlich weiterhin ungebrochen.

So oder so ist es eine gute Nachricht für Musk. Und sie unterstreicht, dass Tesla durch seine Verkäufe genügend Zuflüsse hat, um sich die nächsten Monate über Wasser zu halten. So ändern sich die Zeiten. Denn mittlerweile gibt es Sorgen, dass einige traditionelle Autohersteller die aktuelle Krise nicht überleben können.

Im Februar hatte Musk zudem entgegen ursprünglicher Absichten den Zuwachs beim Börsenkurs genutzt, um weitere 2,3 Milliarden Dollar an Kapital aufzunehmen. Ende März standen so mindestens 8 Milliarden Dollar an Barmitteln bereit ¬– plus Kreditlinien in Milliardenhöhe.

Hinzu kommt, dass das erste Quartal in diesem Jahr besonders herausfordernd war. Denn im Januar musste wegen Corona zunächst die Produktion im neuen Werk in Shanghai stillgelegt werden. Dort läuft sie inzwischen wieder, dafür ist die Autoproduktion im Stammwerk im Silicon Valley auf Anweisung der lokalen Behörden nun seit Mitte März gestoppt.

Das verhagelte die vorgezogene Produkteinführung des Model Y, einem SUV auf Basis des Model 3, der eigentlich erst für den Sommer erwartet worden war. Musk glaubt, dass seine Verkaufszahlen alles in den Schatten stellen werden, vor allem weil das Segment der kleinen SUVs besonders beliebt ist. Und Tesla kommt nun entgegen, dass es kein eigenes Händlernetz unterhält und direkt an seine Kunden verkauft. Trotz Corona werden die bereits produzierten Fahrzeuge so weiter ausgeliert, in einem sogenannten „kontaktlosen Verkauf“, bei dem sich der Kunde zuvor über Internet-Videos schlau macht, die Bezahlung veranlasst und dann seinen Wagen bei den Tesla Servicestellen via Mobiltelefon selber entriegelt und entgegennimmt. Die traditionellen Autohändler haben wegen Corona in den meisten US-Bundesstaaten ihren Verkauf dicht machen müssen.

Wegen der unerwartet guten Auslieferungszahlen legte die Tesla Aktie nach Börsenschluss um 18 Prozent auf 533 Dollar zu. Das liegt zwar immer noch unter dem Höchstwert von 968 Dollar, der Mitte Februar erreicht wurde. Doch Tesla ist trotz Coronakrise mit einem Wert von rund 98 Milliarden Dollar immer noch der wertvollste US-Fahrzeughersteller. Ford wird von der Börse nur noch mit 17 Milliarden Dollar bewertet, General Motors steht bei 25 Milliarden Dollar. Der Blick nach Europa: Renault ist auf schier unglaubliche fünf Milliarden Dollar abgesackt, wo das Unternehmen schon einmal kurz nach der Finanzkrise von 2008 gestanden hatte. Volkswagen ist mit 58 Milliarden Dollar ebenfalls abgehängt. Nur Toyota ist mit 166 Milliarden Dollar weiterhin unangefochten der wertvollste Autohersteller der Welt.

Die Anleger sind optimistisch, obwohl der Gegenwind momentan wieder einmal besonders heftig gegen Tesla bläst. Der Ölpreis ist wegen des Preiskriegs zwischen Saudi-Arabien, Russland und den USA sowie der weltweiten Rezession auf neue Tiefststände abgesackt. Ein niedrigerer Benzinpreis hat zumindest in der Vergangenheit dem Absatz von Verbrennern geholfen. In den USA sind zudem gerade die Abgas- und Verbrauchsstandards gelockert worden. Statt fünf Prozent Reduktion pro Jahr bis 2026, sind nun nur noch 1,5 Prozent angepeilt.

Das werde den Durchschnittspreis eines Verbrenners um 3500 Dollar senken, jubelte US-Präsident Trump auf Twitter. Auf Druck von US-Bundesstaaten wie Kalifornien war er zumindest von seinem ursprünglichen Plan abgewichen, die Vorschrift auf Eis zu legen. Das hat den Druck auf die EU-Kommission verstärkt, auch in Europa die Abgas-Auflagen zu lockern, um den einbrechenden Absatz durch Corona nicht noch schlimmer ausfallen zu lassen. Branchenbeobachter erwarten, dass den traditionellen Autoherstellern – und wichtigen Arbeitgebern – Zugeständnisse gemacht werden, was die Verbreitung von Elektroautos bremsen könnte.

Tesla peilt an, in diesem Jahr eine halbe Million Fahrzeuge abzusetzen. Es müsste also in den verbleibenden drei Quartalen im Schnitt 137.000 Teslas an die Kunden bringen. Dank des neuen Model Y und der neuen Autofabrik in China schien das auch machbar. Doch diese Prognose stammt aus den Zeiten vor Corona. Der nächste Test steht bevor, wenn Anfang Mai die Quartalsergebnisse bekannt gegeben werden.

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