Außerordentliche Hauptversammlung Die wichtigsten Fragen und Antworten zum ADAC

Rund 190 ADAC-Delegierte sind in München zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammengekommen, um über eine umfassende Reform des Autoclubs zu beraten - das hat es seit 1948 nicht mehr gegeben. Das Präsidium will den ADAC wieder glaubhaft machen.

Der ADAC kämpft um seine Glaubwürdigkeit und lädt am 6. Dezember zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Quelle: dpa

2014 war ein schweres Krisenjahr für den ADAC. Nun will der Autoclub neu durchstarten und mit reformierten Strukturen Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Der Verein soll in drei Bereiche aufgeteilt werden.. Dem Totalschaden ist Deutschlands größter Autoclub mit 19 Millionen Mitgliedern nur knapp entkommen.

Warum hat der ADAC zur außerordentlichen Hauptversammlung geladen?

Der krisengeschüttelte ADAC will sich mit einer umfassenden Strukturreform neu aufstellen und Vertrauen zurückgewinnen. Rund 190 Delegierte kamen am Samstag in München zu einer außerordentlichen Hauptversammlung zusammen, um über das Programm „Reform für Vertrauen“ zu beraten. Im Kern will Europas größter Autoclub mit knapp 19 Millionen Mitgliedern ein Verein bleiben und an der Pannenhilfe sowie anderen Serviceleistungen für Auto- und Motorradfahrer festhalten. Zugleich will der ADAC für transparente Strukturen seine wirtschaftlichen Aktivitäten in eine Aktiengesellschaft ausgliedern.

ADAC-Manager wegen Veruntreuung unter Verdacht
Die Last der Krisen liegt noch immer auf dem ADAC. Quelle: dpa
02. Dezember 2014Der ADAC hat sich nach monatelangen Auseinandersetzungen mit seinem fristlos gekündigten Pressechef Michael Ramstetter geeinigt. Ramstetter habe Schadenersatz geleistet, sagte eine ADAC-Sprecherin Anfang Dezember in München und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung". Damit sei eine außergerichtliche Einigung erreicht worden. Zu der Höhe des geleisteten Schadenersatzes äußerte sich der ADAC nicht. "Im Übrigen wurde Stillschweigen vereinbart." Ramstetter hatte im Januar Manipulationen beim ADAC-Preis "Gelber Engel" zugeben und den ADAC damit in eine tiefe Krise gestürzt. Nachdem ein Prüfbericht der Beratungsfirma Deloitte den Verdacht auf Fälschungen bestätigt hatte, wurde Ramstetter fristlos gekündigt. Er wehrte sich aber vor Gericht gegen Schadenersatzforderungen und die Kündigung. Quelle: dpa
22. November 2014Der ADAC steht nach dem Skandal um Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" und Kritik an seinen wirtschaftlichen Aktivitäten vor einer grundlegenden Strukturreform. Dabei will der Autoclub seinen steuermindernden Vereinsstatus behalten. Ein entsprechender Reformplan, der aus mehreren Entwürfen ausgewählt wurde, soll der außerordentlichen ADAC-Hauptversammlung am 6. Dezember in München vorgelegt werden. Neben mehr Transparenz und besserer Nachvollziehbarkeit der Struktur soll die Reform auch der "erforderlichen und sinnvollen Trennung zwischen Vereins- und Wirtschaftsaktivitäten besser Rechnung tragen", wie ADAC-Sprecher Christian Garrels erklärte. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und von NDR Info favorisiert der kommissarische ADAC-Präsident August Markl (66) ein Modell, das eine Ausgliederung der ADAC-Firmenholding in eine Aktiengesellschaft vorsieht. Diese Berichte wollte der Sprecher des Autoclubs nicht bestätigen und nicht kommentieren. Quelle: dpa
10. November 2014Der ADAC zieht sich aus dem umkämpften Markt für Fernbusse zurück und beendet seine Beteiligung an dem ADAC Postbus. Die Deutsche Post AG wird die Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen übernehmen. Über den Ausstieg des ADAC war seit Monaten spekuliert worden. Der Wettbewerb auf dem Fernbusmarkt hatte zuletzt auch andere Anbieter hart getroffen: Anfang November war bekanntgeworden, dass das Offenbacher Unternehmen DeinBus.de Insolvenz anmelden muste. Quelle: dpa
22. Oktober 2014August Markl, der kommissarische Präsident des ADAC, will auch in Zukunft auf dem Chefposten bleiben. Wie der Autoclub im Oktober mitteilte, wird Markl sich im Dezember auf einer außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC als Präsident zur Wahl stellen. Der 66-Jährige, offiziell Erster Vizepräsident, war im Februar Interimschef geworden, nachdem Peter Meyer vom Präsidentenamt zurückgetreten war. "Ich fühle mich dem ADAC und seinem zutiefst solidarischen Grundgedanken von Hilfe, Rat und Schutz seit mehr als 40 Jahren so sehr verpflichtet, dass ich meine ursprüngliche persönliche Planung noch einmal hinten anstelle", erklärte Markl. Quelle: dpa
23. April 2014Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ werden liegengebliebene Kunden großer Autohersteller bei der Pannenhilfe bevorzugt. Mehrere ADAC-Insider hätten demnach berichtet, dass die „Gelben Engel“ häufig zunächst den Autofahrern helfen, die über die Hersteller ihrer Fahrzeuge versichert seien. Mehrere Autokonzerne haben den ADAC mit solchen Dienstleistungen beauftragt. Der ADAC hat den Vorwurf zurückgewiesen. „Alle Pannenfälle werden nach Eingang bearbeitet“, sagte ein Sprecher des Autoclubs. Quelle: dpa
16. April 2014Der frühere ADAC-Geschäftsführer Alfons Kifmann gibt in seinem Enthüllungsbuch "Die gelbe Gier" noch einmal Zunder ins Feuer der Wut auf den ADAC. So deckt Kifmann, der zwischen 1995 und 1998 Mitglied der Geschäftsführung sowie Chefredakteur der Clubzeitung "Motorwelt" war, etwa auf, dass die 650 Vertragsanwälte, die für den ADAC arbeiten, ein Auftragsvolumen von 460.000 Euro pro Kopf und Jahr erhalten. Die Anwaltslizenzen nennt er eine Lizenz zum Gelddrucken. Nahezu ebenso gut würden die Sachverständigenbüros und Abschleppdienste des ADAC verdienen. Quelle: Fotolia
Laut Kifmann gibt der ADAC jährlich mehr als 50 Millionen Euro für den Motorsport aus, obwohl sich seit Jahren eine Mehrheit der Mitglieder dagegen ausspreche, dass Mitgliedergelder für den Motorsport verwendet werden. Eine weitere Anschuldigung: da der ADAC ein "Idealverein" ist, dürfte er kein Vermögen anhäufen - das tue er aber trotzdem. Laut Kifmann sitzt der ADAC auf "liquiden Vermögenswerten von mindestens drei Milliarden Euro". Quelle: Fotolia
Auch Partys auf Kosten der Mitglieder gibt es laut Kifmann. Jährlich würde für "die obersten 189 Ehrenamtlichen des Vereins" auf der Hauptversammlung eine "Party mit Damen" gefeiert, samt Gala-Dinner und Besuch einer Spielbank. Die Rechnung dafür schätzt Kifmann auf einen siebenstelligen Betrag, der aus den Mitgliedsbeiträgen gezahlt werde. Quelle: Fotolia
Auch bei den Mitgliederzahlen geht es laut Alfons Kifmann nicht mit rechten Dingen zu. Laut seinen Insiderinformationen sind die Zahlen geschönt, weil auch beitragsfreie Mitglieder eingerechnet würden. Dabei handele es sich um junge Menschen, die im ersten Jahr nach dem Wechsel von der beitragsfreien Jugendmitgliedschaft in die ordentliche Mitgliedschaft noch keinen Beitrag zahlen. Kifmann beziffert diese Gruppe auf rund 389.000. Quelle: Fotolia
14. April 2014TV- und Hörfunk-Werbespots sollen das ramponierte Image des ADAC wiederherstellen. Im Mittelpunkt sollen die "klassischen Serviceleistungen" des Clubs stehen, nämlich "Rat, Service und Hilfe", wie das 'Handelsblatt' schreibt. Ab Mai sollen die Spots anlaufen, die mehrere Millionen Euro kosten sollen. Die Idee, so berichtet das 'Handelsblatt', soll von der Münchener Kreativagentur Serviceplan entwickelt werden. Mediaplus, eine Tochter, vermarktet die Spots. Quelle: REUTERS
4. April 2014Der ADAC hat in der Aufarbeitung seiner Manipulationsaffäre weitere Konsequenzen gezogen und sich von seinem langjährigen Geschäftsführer Karl Obermair getrennt. Über die vertraglichen Details hätten beide Seiten Stillschweigen vereinbart, teilte der ADAC mit. „Es gibt eine einvernehmliche Trennungsvereinbarung, die von beiden Seiten unterschrieben worden ist“, sagte ADAC-Sprecher Christian Garrels. Erste Ergebnisse der entsprechenden Arbeitsgruppen könne es eventuell im Mai bei der Hauptversammlung geben. Obermair war zunehmend unter Druck geraten, nachdem er bei der Feier zur Wahl des Lieblingsautos der Deutschen im Januar Manipulationsvorwürfe harsch zurückgewiesen hatte. Tatsächlich aber bestätigten sich später die Vorwürfe. Der kommissarische ADAC-Präsident August Markl hatte schon Ende Februar angekündigt, dass sich der Club auch von Obermair trennen wolle. Wann Obermair den ADAC offiziell verlässt, blieb offen. Quelle: dpa
04. März 2014Nach dem Manipulationsskandal um den Autopreis „Gelber Engel“ sind dem ADAC weitere Mitglieder davongelaufen. Die Zahl der zusätzlichen Kündigungen aufgrund der aktuellen Entwicklungen sei auf 186.000 angewachsen, teilte der Automobilclub am Montag mit. Die Zahl ergebe sich durch den Vergleich mit den „normalen“ Monaten Januar und Februar des Vorjahres. Weitere 26.000 Kündigungen seien noch nicht bearbeitet - damit dürfte sich die Zahl der Austritte wegen der Affäre bisher auf über 200.000 belaufen. Im gesamten Jahr 2013 hatte der Club rund 490.000 Kündigungen verzeichnet. Dennoch lag der Netto-Zuwachs damals bei rund 528.000. Erstmals seit langem sank nun im Februar die absolute Zahl der Mitglieder leicht, nämlich um knapp 2500. In den vergangenen zehn Jahren hatte der mit 18,99 Millionen Mitgliedern zweitgrößte Autoclub der Welt stets dazugewonnen. Quelle: dpa
17. Februar 2014Beim Autopreis „Gelber Engel“ des ADAC hat es schon seit Jahren Manipulationen bei der Wahl zum Lieblingsauto gegeben. Wie der Automobilclub am Montag in München mitteilte, wurde dabei zwischen 2009 und 2013 neben der Teilnehmerzahl auch die Rangfolge gefälscht. Quelle: dpa
12. Februar 2014Wie die Zeitung " Die Welt" berichtet, gibt es den Verdacht, dass ein ADAC-Funktionär sich für den Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke in Dresden eingesetzt hat. Die Dresdner Grünen haben demnach eine entsprechende Anfrage an die Oberbürgermeisterin gestellt, in der sie wissen wollen, "ob und welche Projekte es zwischen ADAC und der Landeshauptstadt seit 1990 gab, ob darüber Verträge bestanden und Kosten für Dresden entstanden sind." Zudem wird gefragt, "ob die Stadt (auch kostenlose) Angebote des ADAC erhalten und angenommen hat und ob damit zu rechnen ist, dass es in diesem Zusammenhang eine Presseberichterstattung zulasten der Landeshauptstadt geben könnte".Die Waldschlößchenbrücke ist vielen ein Dorn im Auge. Das 180 Millionen Euro teure Bauwerk wird nicht nur etwa halb so viel genutzt, als vorausgesagt. Auch brockte der Bau der Stadt Dresden den Verlust des Welterbetitels der Unesco ein. Es schwelt der Verdacht, dass Statistiken gefälscht wurden, um den Bau durchzusetzen. Dem Bericht nach war ein führender Funktionär des ADAC maßgeblich an der Propaganda zugunsten der Brücke beteiligt und trat zudem a ls Sponsor und Organisator des Bürgerentscheids von 2005 auf, durch den der Bau letztendlich abgesegnet wurde. Quelle: dapd
10. Februar 2014ADAC-Präsident Peter Meyer tritt zurück. Der 64-Jährige legte nach einem Skandal um Manipulationen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder. Die in den letzten Tagen erfahrenen Angriffe und Diffamierungen seiner Person belasteten nicht nur den ADAC, sondern auch seine Familie. Die Entscheidung zur Demission wurde von ihm allein und sorgfältig überlegt gefällt, sagte er in einer Mitteilung. „Für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften, denen gemäß ADAC-Satzung die Besorgung der laufenden Geschäfte obliegt, möchte ich nicht länger alleine verantwortlich gemacht werden“, erläuterte er in der Mitteilung. Zuvor hatte Meyer einen Rücktritt mehrfach ausgeschlossen. Quelle: dpa
07. Februar 2014Bei der Vergabe des ADAC-Preises „Gelber Engel“ für die Lieblingsautos der Deutschen sollen nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ nicht nur die Abstimmungszahlen manipuliert worden sein, sondern auch die Rangfolge der Sieger. Danach hätten die ADAC-Mitglieder eigentlich den VW Tiguan auf Platz fünf gewählt. Aber der Autoclub habe den 5er BMW auf Platz fünf gehoben, der bei der Abstimmung eigentlich nur auf Platz sieben gekommen sei, berichtete die Zeitung. ADAC-Sprecher Christian Garrels sagte, er könne den Bericht nicht bestätigen und verwies auf die Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Dem ADAC sind bisher keinerlei Ergebnisse bekannt“, sagte Garrels. BMW und VW teilten auf Anfrage mit, sie wollten das offizielle Untersuchungsergebnis abwarten. BMW-Sprecher Kai Lichte kündigte aber an, wenn der Zeitungsbericht zutreffen sollte, „dann wären die Preise für uns wertlos, und wir würden sie zurückgeben“. Quelle: dpa
05. Februar 2014Der ADAC hat den Vorwurf von Tricksereien bei Reifentests zurückgewiesen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor unter Berufung auf einen ehemaligen ranghohen Mitarbeiter eines Reifenherstellers sowie die "WDR"-Sendung "Servicezeit" berichtet, die Hersteller hätten vorab erfahren, welches Reifenmodell ADAC und die Stiftung Warentest überprüfen wollten. Daraufhin hätten die Hersteller ihre Techniker zur Überarbeitung an genau jenes Modell gesetzt. Mit enormem Aufwand - behauptet der Insider laut den Berichten - würden die Pneus verbessert und für die jeweiligen Testbedingungen sogar speziell präpariert. ADAC-Sprecher Christian Garrels wies die Vorwürfe zurück: "Hersteller haben zu keinem Zeitpunkt Einflussmöglichkeiten auf die Tests. Die Hersteller wissen nicht, welche ihrer Reifen getestet werden." Es sei aber Standard, dass die Hersteller die Testbedingungen kennen. Zugleich wurde bekannt, dass am 10. oder 11. Februar erste Ergebnisse der externen Kontrolle durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zu Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekanntgegeben werden sollen. Quelle: dpa
01. Februar 2014Der ADAC in Nordrhein-Westfalen hat einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge ein größeres Geschäft mit der Firma eines hochrangigen Club-Funktionärs abgeschlossen. Eine Sprecherin des ADAC Nordrhein bestätigte am Samstag den Sachverhalt. Das Geschäft sei aber völlig einwandfrei gewesen. Demnach hatte der von ADAC-Präsident Peter Meyer geleitete Regionalverband im Jahr 2009 dem Unternehmen eines Vorstandskollegen 200.000 Euro „Werbekostenzuschuss“ für ein Fernsehstudio am Nürburgring gezahlt. Als Gegenleistung wurde für den Autoclub an der Eifelstrecke geworben. Wegen der späteren Pleite der Rennstrecke wurde schließlich die Hälfte der Summe an den ADAC zurückgezahlt. Quelle: dpa
31. Januar 2014Angeblich zahlt der größte Autoclub Europas den Pannenhelfern für den Wechsel von defekten oder leeren Batterien eine Prämie. Das berichten die "Süddeutsche Zeitung" und der "NDR". Offenbar sollen die "Gelben Engel" Autofahrern Batterien aufschwatzen, die diese gar nicht brauchen. Nach Medien-Recherchen übt der Autoclub massiven Druck auf seine Pannenhelfer aus. Damit verbindet der ADAC wirtschaftliche Interessen mit der Pannenhilfe. Zum Umsatz macht der ADAC bisher keine Angaben. Quelle: dpa

Wie kam es dazu?

ADAC-Präsident Peter Meyer ist am 10. Februar von seinem Amt zurückgetreten. Der 64-Jährige war seit 2001 an der Spitze des Automobilclubs. Er zog die Konsequenzen aus dem Manipulationsskandal rund um den ADAC-Publikumspreis "Gelber Engel". Club-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte die Zahl der abgegebenen Stimmen frisiert.

34.299 Stimmen seien für den Golf abgegeben worden, so steht es in einem offiziellen ADAC-Papier - magere 3409 Stimmen sollen es nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" tatsächlich gewesen sein. Ramstetter musste gehen, der ADAC hat sich kürzlich außergerichtlich mit ihm geeinigt.

In der Folge kam eine Reihe weiterer Verfehlungen des ADAC ans Licht. So wurden Rettungshubschrauber als Shuttle für Präsidiumsmitglieder missbraucht. Die Maschinen werden aus Bundesmitteln, Krankenkassenbeiträgen, durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

Pannenhelfer wurden mit Prämien für das Einbauen neuer Batterien entlohnt, eine ADAC-Managerin organisierte im Jahr 2012 für ihren Sohn und dessen Kumpel Plätze in einem Ambulanz-Jet des ADAC nach Ägypten, nachdem diese ihren regulären Flug zuvor verpasst hatten.

Was hat sich seither geändert?

Als erste Reaktion auf den Skandal hatte der ADAC im Februar einen Zehn-Punkte-Plan zur Erneuerung vorgelegt. Als Sofortmaßnahmen wurde festgelegt, dass:

  • Pannenhelfer ab sofort keinen Bonus für den Verkauf von Batterien bekommen
  • ADAC-Hubschrauber künftig ausnahmslos im Rahmen der Rettungshilfe eingesetzt werden
  • kein Test mehr ohne doppelte Qualitätskontrolle stattfinden wird

Der ADAC hat in den vergangenen Monaten seine Mitglieder und seinen Angestellten befragt sowie einen externen Beitrat eingerichtet, der ihn beim Reformprozess unterstützt. Der Beirat besteht aus Jürgen Heraeus, Unicef Deutschland, Hans-Jürgen Papier, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Edda Müller von Trancparency International Deutschland und Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata Instituts für Philanthropie und Zivilgesellschaft.

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman arbeitete an den Reformen mit, die Großkanzlei Freshfields entwickelte eine Compliance-Struktur. Ein neuer Chief Compliance Officer soll über die Einhaltung des neuen Regelwerks für transparente und gute Unternehmenskultur wachen.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

Was soll sich jetzt noch ändern?

Der ADAC gibt sich eine neue Struktur. Den Verein soll es weiterhin geben und in ihm auch die Pannenhilfe organisiert sein. Statt der bisherigen Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH soll es künftig eine AG geben. In ihr sollen die wirtschaftlichen Aktivitäten gebündelt sein, wie etwa Autovermietung oder Versicherungen.

Der Verein wird an dieser AG nur noch 74,9 Prozent halten, wie das Nachrichtenmagazin Spiegel in Erfahrung gebracht hat. Die restlichen 25,1 Prozent - und damit Sperrminorität und ein aktienrechtliches Vetorecht - soll einen neu zu gründende Stiftung halten. Im Aufsichtsrat der Stiftung soll es keine Vorherrschaft des ADAC geben. Die Stiftung soll gemeinnützige Aufgaben finanzieren, etwa Forschungsprojekte zur Unfallprävention oder Hilfe für Unfallopfer.

Was sind die nächsten Schritte?

Das Amtsgericht München muss entscheiden, ob der ADAC den Vereinsstatus behalten darf. Vom Ausgang des Verfahrens hängt für den ADAC viel ab. Er ist zwar kein gemeinnütziger Verein, doch auch als so genannter Idealverein genießt er Privilegien. Er darf zum Beispiel die Mitgliedsbeiträge steuerfrei vereinnahmen. Der ADAC zahlt allerdings auf zehn Prozent der Basismitgliedschaft 19 Umsatzsteuer. Bisher ist der ADAC mit dem eingetragenen Verein als Mutter konstruiert, der über Tochterfirmen – beim ADAC sind sie in der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH als Holding gebündelt – wirtschaftlich tätig ist. Entscheidend für die Beurteilung des Gerichts ist nun, ob in der neuen Konstruktion der Verein nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb ausgerichtet ist.

Ein Idealverein soll nämlich weder Waren noch Dienstleistungen am Markt anbieten und auch nicht gewinnorientiert agieren. Er soll stattdessen in der Satzung festgelegten ideellen Zwecken dienen. Das Registergericht muss zum Beispiel die Frage klären, ob eine Tätigkeit wie die Pannenhilfe ideellen Zwecken dient oder ob sie doch eher eine Versicherungsleistung ist.

Wer wird den ADAC künftig führen?

August Markl ist auf der außerordentlichen Hauptversammlung zum neuen Präsident des ADAC gewählt worden. Der Radiologe leitet seit 2001 den Regionalclub Südbayern. Markl ist Mitglied im Verwaltungsrat des ADAC und ist Vorsitzender des ADAC Kulturkreise. Als Peter Meyer im Zuge der Krise um Fälschungen beim ADAC-Autopreis im Februar das Handtuch geworfen hatte, hatte Markl das Amt des Präsidenten bereits kommissarisch übernommen. Er hatte am Samstag keinen Gegenkandidaten und bekam 180 von 218 abgegebenen Stimmen. Markl bedankte sich für das Vertrauen.

Der Präsident wird normalerweise für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt, da es sich um einen außerordentlichen Wechsel handelt, beträgt die Amtszeit nur noch zweieinhalb Jahre.

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Ist Markl der richtige Mann dafür?

Markl genießt im ADAC großen Rückhalt - eine Grundvoraussetzung für den begonnenen Wandel. Aber er steht auch für das alte System. Kritiker bezweifeln, dass er zur Gallionsfigur des Neuanfangs werden kann. Doch keiner kennt die Strukturen und ihre Schwächen so gut wie der amtierende Interimschef. Man habe berechtigterweise viel Kritik einstecken müssen, erklärt er wenige Tage vor der außerordentlichen Hauptversammlung. "Die Strukturen waren intransparent, an manchen Stellen kam der Verbraucherschutz zu kurz, wir haben die Mitglieder nicht richtig eingebunden und hatten mancherorts keine gute Vereins- und Unternehmenskultur." Wer persönlich mit Markl spricht, gewinnt den Eindruck, dass er es ernst meint mit dem Neuanfang.

Fakt ist aber auch: Die Aufgabe ist riesig. Das zeigt sich etwa daran, dass der zurückgetretene Präsident Meyer noch immer Vorsitzender des mitgliederstärksten Regionalclubs Nordrhein ist. Auch scheut sich der ADAC das Thema Vertragsanwälte anzupacken. Ehrenamtliche Funktionäre bekleiden in Doppelfunktion auch das Amt eines Vertragsanwalts. Kritiker sehen hier eine Vermischung von finanziellen Interessen mit dem Ehrenamt. Die Beirats-Sprecherin Edda Müller hatte sich für eine Trennung der Funktionen stark gemacht, konnte sich damit aber wohl nicht durchsetzen.

Ein erster Sieg für die Reformer im ADAC: Die Fernbus-Kooperation mit der Post wurde gestoppt. Das habe ebenso nicht zum neuen Leitbild gepasst, wie die ADAC-eigene Werkstatt-Kette. Das Projekt wurde Anfang September gestoppt. Werkstätten, die sich bereits qualifiziert hatten, werden für ihre Aufwendungen entschädigt.

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