Auto BMW ist der gewinnstärkste Autobauer der Welt

BMW und Toyota zeigen, wie es geht. Und auch Daimler hat erneut eine starke Position im Ranking der Gewinnstärke. VW wurde wegen der teuren Abgas-Affäre ans Ende eines Branchenvergleichs durchgereicht.

BMW bleibt gewinnstärkster Autobauer der Welt Quelle: dpa

BMW hat seinen Platz als gewinnstärkster Autokonzern der Welt im zweiten Quartal 2016 einer Studie zufolge verteidigt. Die Münchner legten sogar noch eine Schippe drauf: Von 100 Euro Umsatz blieben bei BMW im zweiten Jahresviertel vor Zinsen und Steuern 10,90 Euro in der Kasse. Ein Jahr zuvor waren es 40 Cent weniger gewesen.

Das geht aus einer Analyse zu den größten 16 Autokonzernen hervor, die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen EY erstellte. Die Ergebnisse lagen der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag vor. Das Papier ist zwar nur eine Momentaufnahme, gibt aber dennoch klare Anhaltspunkte für die Lage bei den Herstellern.

Hinter BMW musste der japanische Hersteller Toyota beim Vergleich der operativen Gewinnspannen einen Rückgang von 10,8 auf 9,7 Prozent hinnehmen. Daimler belegte mit 8,4 Prozent den dritten Platz. Suzuki (7,8 Prozent), Honda (7,7) und General Motors (7,4) folgten.

Was die Hersteller an ihren Autos verdienen
Klarer Gewinnkönig: Der profitabelste Autobauer war der Studie zufolge Ferrari mit einem Gewinn von 56.000 Euro pro verkauftem Sportwagen. Die Ebit-Marge belief sich auf 18 Prozent. Richtig Gewinn macht der italienische Autobauer unter anderem mit dem Modell 458 Speciale (im Bild). Der 605 PS starke Wagen kostet mindestens 232.530 Euro. Allerdings werden davon deutlich geringe Stückzahlen verkauft. Mehr zu den Renditen der Autobauer lesen Sie hier. Quelle: PR
Noch besser laufen die Geschäfte bei Porsche: Der Sportwagenhersteller verdiente im Schnitt 15.641 Euro pro Auto, die Ebit-Marge belief sich auf 16,7 Prozent. Quelle: PR
BMW kann sich über die Geschäfte nicht beklagen: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnte der deutsche Autobauer für jedes verkaufte Auto einen Gewinn von 3.389 Euro einstreichen. Damit lag die Ebit-Marge bei 9,5 Prozent. Quelle: DPA
Im ersten Halbjahr 2016 erzielte der Audi-Konzern weltweit steigende Auslieferungen und robuste Finanzkennzahlen, die die Ebit-Marge auf 8,8 Prozent oder 3.337 Euro pro Auto steigen ließen. Quelle: obs
Noch vor zwei Jahren konnte Mercedes die Premiumkonkurrenten Audi und BMW beim Gewinn pro Auto hinter sich lassen, nun hinkt der Autobauer hinterher. Dennoch verkündete Daimler für das zweite Quartal einen Absatzrekord und einen Gewinnanstieg auf rund 2,43 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr verdiente der deutsche Autobauer an einem Mercedes 3.192 Euro, die Ebit-Marge lag damit bei 7,9 Prozent. Quelle: DPA
Die VW-Tochter hat sich mit einem Umsatz von rund 16.000 Euro pro Auto endgültig vom Billigimage verabschiedet. Die Tschechen arbeiten mit einer Ebit-Marge von 9,6 Prozent sogar rentabler als die Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes. Pro verkauftem Auto macht das 1.589 Euro. Quelle: obs
Das Europageschäft läuft gut, weltweit läuft es bei Ford noch besser: Ford erzielte pro verkauftem Auto einen Überschuss von 1.652 Euro. Die Ebit-Marge im ersten Halbjahr lag bei 8,7 Prozent. Quelle: obs

Der vom Diesel-Skandal erschütterte VW-Konzern schwang sich beim bloßen Blick auf die absoluten Umsatzzahlen wieder zum Weltmeister auf: Ein Plus von knapp zwei Prozent bei den Erlösen reicht für ein Überholmanöver vorbei an Toyota. Während die Wolfsburger zwischen April und Ende Juni auf knapp 57 Milliarden Euro zulegten, gab es bei den Japanern sechs Prozent Umsatzrückgang auf 54 Milliarden Euro.

Doch Umsatz ist nicht alles. Beim Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hat Toyota nach absoluten Zahlen die Nase vorn: Mit umgerechnet 5,3 Milliarden Euro warf das laufende Geschäft bei Toyota so viel ab wie bei keinem Wettbewerber. Daimler (3,3 Milliarden Euro Ebit) und General Motors (GM/2,8 Milliarden Euro) landen auf den Plätzen zwei und drei. Beim Pkw-Absatz lag Toyota vor Volkswagen und GM.

Europas größter Autobauer muss allein für die Einigung mit Behörden und Kunden in den USA zweistellige Milliardensummen einplanen, was zu hohen Rückstellungen führt. Mit 1,9 Milliarden Euro Ebit liegt Volkswagen daher in der Analyse nur im Mittelfeld.

Wo VW überall zur Kasse gebeten wird
Italien will bis zu fünf Millionen EuroVW muss in Italien wegen des Abgasskandals um Dieselfahrzeuge bis zu fünf Millionen Euro Strafe zahlen. Es gehe um Verkäufe von Autos auf dem italienischen Markt ab 2009, bei denen die Zulassung durch Softwaremanipulationen erreicht worden war, teilte die italienische Wettbewerbsbehörde mit. Es habe einen schweren Verstoß gegen die professionelle Sorgfalt gegeben und Kunden hätten mit den realen Daten womöglich eine andere Kaufentscheidung getroffen. Laut früheren Meldungen sind in Italien knapp 650.000 Volkswagen von dem Skandal betroffen. Quelle: dpa
Bayern will bis zu 700.000 Euro Quelle: dpa
Entschädigungen für Aktionäre und Anleger: 1 bis 8 Milliarden Euro Quelle: dpa
Kundenentschädigungen von bis zu 10 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Entschädigungen in Europa und dem Rest der Welt: bis zu 4,5 Milliarden Euro Quelle: dpa
Rückrufe und Nachrüstung in Europa Quelle: dpa
Mögliche Wertminderung von VW-Fahrzeugen: 0,5 Milliarden EuroIst ein VW-Diesel-Fahrzeug nach der Umrüstung noch genauso viel wert wie vorher und erzielt es als Gebrauchtwagen denselben Preis wie vor dem Skandal? Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt, doch das Risiko, dass die VW-Fahrzeuge im Wert fallen, ist gegeben. Die VW-Tochter Financial Services, die für 1,2 Millionen Leasing-Fahrzeuge zuständig ist, hat vorsorglich die Rücklagen für mögliche Wertverluste nach oben korrigiert. Quelle: dpa

Leicht verzerrt ist diese Betrachtung, weil VW in China aus seinen dortigen Gemeinschaftsfirmen in den beiden letzten Quartalen 1,2 Milliarden Euro anteiligen Gewinn kassierte. Diese Zahlen tauchen aber erst im Finanzergebnis auf und fehlen vor Zinsen und Steuern.

Das hat buchhalterische Gründe. Dennoch: Im Vergleich der Gewinnstärke (Ebit-Marge) rangiert der VW-Konzern mit 3,3 Prozent fast ganz am Ende. Nur Mitsubishi (1,1 Prozent) ist schlechter. Ein Jahr zuvor reichte es mit 6,2 Prozent für einen Platz im Mittelfeld.

Zur allgemeinen Lage sagte EY-Partner Peter Fuß: „Der weltweite Automarkt hat einen Gang zurückgeschaltet. Nachdem die Umsätze der größten Autokonzerne im Vorjahresquartal noch um zehn Prozent nach oben geschnellt waren, legten sie im abgelaufenen Quartal gerade einmal um ein Prozent zu. Einige wichtige Absatzmärkte - etwa Russland und Brasilien - befinden sich in einer tiefen Krise, in den USA stagnieren die Verkäufe auf hohem Niveau, derzeit sorgen nur noch Westeuropa und China für Wachstum.“

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