WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Autobauer Audi bläst Rekordjagd ab

Im vergangenen Jahr hat der Hersteller aus Ingolstadt alle Rekorde gebrochen. Doch für 2012 ist Vorstandschef Rupert Stadler vorsichtiger. Trotz immer neuer Hürden setzt Audi weiter auf seinen wichtigsten Markt: China.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Autohersteller zahlen ihren Mitarbeitern Rekordprämien
BMW zahlt nach dem Rekordjahr 2011 seinen Mitarbeitern eine Rekordprämie. Ein Facharbeiter in Bayern zum Beispiel erhalte 7650 Euro als Prämie, nach knapp 4900 Euro im Vorjahr, teilte der Autobauer am Mittwoch mit. Die Prämienzahlung erhalten die deutschen Tarifbeschäftigten des Konzerns. Quelle: dpa
Über alle Hierarchieebenen hinweg werde die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter nach dem gleichen Prinzip geregelt: Sie berechne sich nach dem Jahresgewinn, der Umsatzrendite, der Dividende und einem einheitlichen Basiswert für jede Gehaltsgruppe. Die Prämie werde im Juli ausbezahlt. 2010 hatte BMW seinen Mitarbeitern an den deutschen Standorten deutlich weniger, im Schnitt rund 5840 Euro, gezahlt. Die zwei Jahre zuvor hatte es keine Erfolgsbeteiligung gegeben. Auch bei anderen Autobauern gibt es hohe vierstellige Beträge. Quelle: dpa
Volkswagen füllt die Taschen seiner Belegschaft nach dem Rekordjahr 2011 mit dem höchsten Bonus in der Firmengeschichte. Jeder der etwa 100.000 VW-Tarifmitarbeiter in den sechs westdeutschen Werken erhalte eine Ergebnisbeteiligung von 7500 Euro, teilte Personalvorstand Horst Neumann am Donnerstag mit. Quelle: ap
Volkswagen schüttet laut Tarifvertrag zehn Prozent des operativen Gewinns der Marke VW Pkw als Prämie an die Belegschaft aus. Wegen des hohen Gewinns hatte der Betriebsrat aber einen Aufschlag verlangt. Im Vorjahr waren 4000 Euro je Mitarbeiter gezahlt worden. Quelle: dpa
Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern, zu dem acht Pkw-Marken, die beiden Lastwagenbauer Scania und MAN sowie die VW-Transportersparte gehören, hatte seinen Gewinn im vergangenen Jahr auf knapp 16 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz schwoll um ein Viertel auf 160 Milliarden Euro an. Quelle: dapd
Den Bonus für die Marke VW Pkw verhandelt der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung aus. Er lasse keine Rückschlüsse auf den Gewinn der Marke zu, erklärte Volkswagen. Den höchsten Bonus unter den deutschen Autobauern erhalten jedoch die Tarifmitarbeiter einer VW-Schwestermarke. Quelle: dpa
Die rund 44.800 Tarifbeschäftigten an den deutschen Audi-Standorten bekommen angesichts des Rekordgewinns der VW-Tochter für das vergangene Jahr eine Rekordprämie. Im Schnitt zahlt der bayerische Konzern seinen Mitarbeitern für ihre Leistungen zwei Monatsgehälter - durchschnittlich summiert sich damit die Sonderzahlung auf 8251 Euro. Quelle: dapd

Rupert Stadler gibt sich gelassen. „Dass Chinas Regierung künftig die eigenen Marken fördern will, ist doch das Normalste der Welt“, sagte der Audi-Chef heute in Ingolstadt bei der Vorstellung der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Die Wertschätzung der Marke Audi sei in China immer noch eine ganz Besondere, fügte Stadler hinzu. Er ist darum weiter optimistisch für das Geschäft dort. Das Reich der Mitte ist für Audi der weltweit wichtigste Markt. Gut 300.000 Autos, etwa ein Drittel des Gesamtabsatzes, haben die Ingolstädter dort 2011 verkauft. Ein Plus von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzende von Audi, kann sich über die Zahlen für 2011 Quelle: dpa

China macht dicht

Fakt ist aber auch, dass das Geschäft in China für alle Anbieter aus dem Ausland schwieriger wird. Anfang der Woche hat Peking angekündigt, Behörden und Regierungsstellen dürften als Dienstwagen nur noch einheimische Marken anschaffen. Traditionell ist das Regierungsgeschäft für Audi in China sehr wichtig. In Ingolstadt betont man, inzwischen bewege es sich nur noch im niedrigen einstelligen Bereich. Darüber hinaus will Chinas Regierung die Subventionen für den Automobilsektor streichen. Herstellern aus dem Ausland die neu ins Land kommen wollen, erteilen die Behörden außerdem keine Lizenzen für eine Fertigung mehr.

Dazu kommt die nachlassende Nachfrage. Im Januar ging der Autoabsatz in China im Vergleich zum Dezember um mehr als 20 Prozent zurück, auch wegen der Eintrübung der Konjunktur. Konkrete Zahlen will Audi nennen, doch für das laufende Jahr rechne man für China mit einem Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich, so Dietmar Voggenreiter, Chef bei Audi in China.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ein erfolgreiches Jahr 2011

    Ob die Ingolstädter 2012 die Rekorde des abgelaufenen Jahres wiederholen können, ist darum fraglich. Um mehr als 24 Prozent auf 44,1 Milliarden Euro steigerte Audi seinen Gesamtumsatz im vergangenen Jahr. Das operative Ergebnis konnte der Konzern um 60 Prozent auf 5,3 Milliarden erhöhen. Den Anstieg des Finanzergebnisses eingerechnet, erreichte das Ergebnis vor Steuern 2011 sechs Milliarden Euro – ein Plus von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ausgebaut hat Audi sein Geschäft vor allem im Oberklasse-Segment. Der Anteil, den die Oberklassewagen zum Gesamtumsatz des Konzerns beisteuert, stieg von 25 Prozent auf 38 Prozent.

    Realistische Prognosen für 2012

    Der Audi Q3 kommt angerollt
    Der Audi Q3 kommt aus Spanien
    Zwei Benziner und ein Diesel
    Sparsame Technologie
    Nur mit Allradantrieb
    Hilfe in bergigem Gelände
    Von sportlich bis komfortabel
    Der Q3 wird sparsam

    Für das laufende Jahr erwarten die Ingolstädter allerdings nur ein operatives Ergebnis, „dessen Höhe sich an dem Niveau des Rekordjahres 2011 orientiert“. Und das auch nur „sofern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht wesentlich verändern“, heißt es in Ingolstadt. „Beim Blick in die Zukunft kann von Eitel Sonnenschein keine Rede sein“, gibt Stadler denn auch zu bedenken. Global werde die Wirtschaft wohl nur um 2,5 Prozent wachsen. Der weltweite Pkw-Absatz werde 2012 lediglich um vier Prozent zulegen. „Wir wollen stärker als der Gesamtmarkt wachsen“, gibt der Audi-Chef die Richtung vor.

    Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
    Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
    Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
    Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
    AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
    BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
    Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
    MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

    Weitere Investitionen in China geplant

    Große Hoffnungen setzen die Ingolstädter weiterhin auf China. Im südchinesischen Foshan entsteht derzeit ein neues Werk. Dort soll bald ein Modell der Reihe A3 vom Band laufen. Demnächst will Audi in China auch den Geländewagen Q3 montieren. In wenigen Wochen stellen die Deutschen außerdem die neue Generation der Limousine A6L vor, eine speziell für China entwickelte Langversion des A6 – das Auto, das sich bei Behörden und Regierungsstellen bislang als Dienstwagen großer Beliebtheit erfreute. Insgesamt will Audi in den kommenden drei Jahren zusammen mit seinem chinesischen Partner rund drei Milliarden Euro in China investieren und die Kapazitäten auf rund 700.000 Einheiten steigern.

    Auto



    Doch auch in Nordamerika will Audi seine Position ausbauen. Bis 2020 soll der Absatz dort auf 200.000 Einheiten steigen. Stadler will dazu in den USA eine lokale Fertigung aufziehen, auch um das Wechselkursrisiko auszuschalten.. Bis zur Sommerpause will er entscheiden, welches Modell das Unternehmen dort fertigen soll.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%