Autobauer Finanzkrise bremst deutschen Automarkt

So wenig Neuzulassungen gab es sonst nur im Jahr nach der Abwrackprämie: Der Autoabsatz in Deutschland brach im Juli deutlich ein. Als Rettungsanker für deutsche Hersteller erwies sich zwar das Geschäft in den USA, doch auch dort werden die Aussichten trüber.

Die größten Autobauer der Welt
Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat gut Lachen:
BentleyDer britische Luxuswagen-Hersteller Bentley hat im abgelaufenen Jahr so viele Autos verkauft wie noch nie. Die Volkswagen-Tochter mit Sitz in Crew lieferte 2013 genau 10.120 Wagen aus. 2012 waren es 8510. Im bisherigen Rekordjahr 2007 waren 10.014 Bentleys verkauft worden, wie Vorstandschef Wolfgang Schreiber sagte. „2013 ist das vierte Jahr in Folge, in dem der Absatz zweistellig steigt“, so Schreiber. Der weltweite Marktanteil im Preissegment über 150.000 Euro liege bei 25 Prozent. 86 Prozent der Produktion geht in den Export, vor allem in die USA, China und Nahost. Der europäische Markt läuft schleppender. Allerdings stieg auch der Absatz in Deutschland deutlich. 544 Bentleys wurden den Angaben zufolge 2013 nach Deutschland geliefert, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr. Kunden warten derzeit im Schnitt 45 Monate auf ihren bestellten Bentley. Schreiber will den Absatz bis 2018 auf 15.000 Autos hochschrauben und dafür in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in den Standort Crew investieren. Die Mannschaft von derzeit 3700 Mitarbeitern soll allein um 400 zusätzliche Leute aufgestockt werden, um bis 2016 einen luxuriösen Geländewagen auf den Markt zu bringen. Von den Absatzzahlen der Autohersteller wie Audi, BMW oder Daimler kann Bentley allerdings nur träumen... Quelle: REUTERS
AudiAudi hat auch im Dezember deutlich mehr Autos verkauft und damit erneut ein Bestjahr perfekt gemacht. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern weltweit rund 1,57 Millionen Autos, ein Plus von 8,3 Prozent. Bereits im November hatte Audi die Rekordwerte von 2012 erreicht. „Unser strategisches Etappenziel von 1,5 Millionen Auslieferungen haben wir zwei Jahre früher als geplant erreicht und sogar komfortabel übertroffen“, sagte Vorstandschef Rupert Stadler. Quelle: REUTERS
DaimlerDie Schwaben haben und im vergangenen Jahr 1,32 Millionen Autos ihrer Top-Marke Mercedes verkauft. Das entspricht einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Quelle: dapd
BMWVon ihrer Kernmarke setzten die Bayern im vergangenen Jahr 1,54 Millionen Fahrzeuge ab. Das entspricht einem Plus von 12 Prozent gegenüber 2011. Quelle: dpa
Fiat-ChryslerDer Fiat-Konzern lieferte im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Fahrzeuge weltweit aus - sechs Prozent mehr als 2011. Fiat profitiert dabei vom guten Geschäft der US-Tochter Chrysler. Denn ähnlich wie die Kollegen von PSA Peugeot Citroen litten die Italiener massiv unter der Absatzkrise in Europa, sie verkauften dort 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Quelle: dpa
Nissan RenaultCarlos Ghosn - Chef der französisch-japanischen Allianz - kann zufrieden mit sich sein. Bei Nissan lief es hervorragend, Partner Renault litt unter der Schwäche des europäischen Markts. Die Renault-Gruppe setzte weltweit 2,55 Millionen Fahrzeuge und damit 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In Europa sank der Absatz um volle 18 Prozent. Die Marke Renault verkaufte weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge, Dacia knapp 360.000 Autos. In Deutschland setzte Renault inklusive der Marke Dacia im Jahr 2012 mit 170.000 Einheiten rund 11.000 Fahrzeuge weniger ab als 2011. Die Marke Renault allein verkaufte 2012 in Deutschland 123.779 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der Marktanteil sank um knapp 0,4 Prozentpunkte. Quelle: REUTERS

Die Finanzkrise in Europa schlägt auch auf den deutschen Automarkt durch. Wie mehrere Branchenverbände am Donnerstag berichteten, war der Autoabsatz hierzulande mit rund 249.000 Neuzulassungen im Juli so schlecht wie sonst nur im Jahr nach der Abwrackprämie. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lag das Minus bei fast fünf Prozent.

„Die Zeichen, dass die Eurokrise den deutschen Automarkt trifft, verstärken sich“, sagte Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Die Ergebnisse seien „alles andere als beruhigend.“ Niedriger sei die Zahl der Zulassungen nur im Juli 2010 gewesen. Der Gesamtabsatz liegt seit Jahresbeginn mit 1,88 Millionen Autos nur noch auf dem Vorjahresniveau.

Im ersten Halbjahr hatte der deutsche Markt dem Negativtrend in Europa zwar noch getrotzt, nun trübten sich die Aussichten jedoch ein. Stattdessen waren Gebrauchtwagen stärker gefragt, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg mitteilte. Der Chef des Importeurverbandes VDIK, Volker Lange, sagte: „Der Pkw-Markt kann im Herbst nur dann lebhafter und stabiler werden, wenn die Finanzkrise in Europa einer Lösung näher kommt und das Vertrauen der Bürger in Politik und Wirtschaft gefestigt wird.“

Allerdings profitieren deutsche Autobauer in der Krise von ihrer globalen Ausrichtung: Getrieben von den Erfolgen in den USA konnten deutsche Hersteller ihre Exporte im Juli um fast drei Prozent auf 342.000 Autos ausweiten, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) mitteilte. Die Zahl ist nach Angaben eines Sprechers sogar noch bereinigt um Autos, die auch in Deutschland gebaut, aber danach zu einem größeren Teil in China gefertigt werden.

Auch dunkle Wolken in Übersee drohen

Seit Jahresbeginn wurden allein in den USA 692.700 Autos und Kleinlaster deutscher Marken verkauft - ein Zuwachs von rund einem Fünftel. „Wir wachsen damit in den Vereinigsten Staaten weiterhin schneller als der Markt“, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Der Gesamtmarkt legte im gleichen Zeitraum um 14 Prozent zu. Zudem zeige der Bestelleingang aus dem Ausland, dass der Weltautomobilmarkt weiter wachse, hieß es.

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Seit Januar erhöhte sich der Auftragseingang aus dem Ausland um 7 Prozent. Doch auch von Übersee ziehen dunkle Wolken auf: Die bislang boomenden Autoverkäufe in den USA schwächelten im Juli - allerdings waren davon nicht alle Hersteller betroffen.

Nach Angaben des Marktforschers Autodata stieg der Absatz im Juli um 9 Prozent auf 1,15 Millionen Pkw, Geländewagen, Pick-up-Trucks und Vans. In den Monaten zuvor hatte der Markt gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch prozentual zweistellig zugelegt. Die beiden größten US-Hersteller Ford und General Motors mussten nun sogar Rückgänge hinnehmen. Völlig unbeeindruckt zeigten sich hingegen VW und die Premiumschwester Audi: Sie legten weiter Rekordverkäufe hin.

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