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Autobauer in Brasilien Das Risiko am Zuckerhut

Um die Reichen im Land zu bedienen, sind Audi, BMW und Mercedes gezwungen, in Brasilien zu fertigen. Doch die Eröffnung eigener Fabriken ist nicht ohne Risiko – für den Export taugt Brasilien nichts.

Deutsche Autobauer in Brasilien Quelle: dpa/Montage

Wer die neueste Fabrik von BMW besuchen will, muss sich aufmachen nach Joinville. Die 500.000-Einwohner-Stadt liegt im Süden von Brasilien und nennt sich das „Manchester“ des Landes, in Anspielung auf die Textil- und Schwerindustrie der englischen Metropole, die es in der Region noch heute gibt. Von hier sind es weitere 50 Minuten Autobahnfahrt durch subtropischen Regenwald, bis der Besucher endlich vor einer eigentümlichen Fabrik steht: weiß, aus Blechwänden, ohne Schild und ohne den Namen des Eigentümers.

Die anonyme Halle spielt eine wichtige Rolle für BMW. Denn hier bereitet der bayrische Autobauer seine Offensive in Brasilien vor. „Das Firmenschild hat der lokale Zulieferer noch nicht fertig bekommen“, erklärt Gerald Degen. Der 44-jährige Manager, der zuvor in China und im Stammwerk in München arbeitete, zieht seit zwei Jahren die erste Produktion der Bayern in Brasilien hoch. Sein Zeitplan ist eng: Nach nur zehn Monaten Bauzeit laufen auf dem Areal, auf dem zuvor Rinder grasten, die ersten 3er-Limousinen vom Band.

Deutsche liegen im Premium-Automarkt Brasilien vorne

Zwar stammen viele der 15.000 Einzelteile noch aus dem Stammwerk in München und von Zulieferern in Deutschland. Doch in einem Jahr sollen die Lackiererei und der Karosseriebau starten und damit die örtliche Wertschöpfung erhöhen. Dann werden hier neben den Serien 1 und 3 auch die geländegängigen Limousinen X1, X3 sowie die Mini-Variante Countryman produziert. 200 Millionen Euro lässt sich BMW das neue Werk kosten.

Autoimporteuren das Geschäft verhagelt

Weder die Fabrik noch die Eile, die Degen an den Tag legt, entspringen reinem unternehmerischem Kalkül. Denn eigentlich würden die Münchner ihre Autos weiterhin gern nach Brasilien exportieren, und zwar aus ihren Werken mit den hohen Stückzahlen und niedrigen Produktionskosten – wie etwa im amerikanischen Spartanburg oder in der bayrischen Landeshauptstadt. So haben sie schöne Wachstumsraten in Brasilien erreicht.

Doch das dürfen Ausländer nicht mehr so einfach. Vor drei Jahren verhagelte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff den Autoimporteuren das Geschäft, indem sie eine Fahrzeugsteuer von 30 Prozent verhängte. Zusammen mit dem üblichen Importzoll von 35 Prozent bedeutete das einen Aufschlag von 65 Prozent auf den Ladenpreis. Damit waren Anbieter wie BMW, die nur importierten, nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber Konkurrenten, die in Brasilien auch produzieren.

Toyota gewinnt knapp gegen VW
Absatztrends Platz 5: FordDas Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hat die Geschäftsberichte und Marktkennzahlen der ersten elf Monate des Jahres 2014 genauer analysiert und in der Prognose "Automotive Performance 2014" zusammengefasst. Die Forscher um Professor Stefan Bratzel gehen dabei von einem globalen Wachstums des Pkw-Markts auf 75 Millionen Fahrzeuge aus – was einem Plus von rund 3,7 Prozent entspricht. Mit diesem globalen Wachstum kann Ford nicht ganz Schritt halten. Der US-Autokonzern stagniert laut der CAM-Studie bei einem weltweiten Absatz von 6,3 Millionen Fahrzeugen (-0,5 Prozent) im Jahr 2014. Die vom Hersteller veröffentlichten Absatzzahlen weisen nach drei Quartalen nur ein minimales Plus von 20.000 Fahrzeugen (4,72 Millionen in Q1-Q3 2013 zu 4,74 Millionen 2014) aus. Quelle: obs
Absatztrends Platz 4: HyundaiDie großen Drei der Branche sind zwar noch ein Stück entfernt, doch der Hyundai-Kia-Konzern holt auf – und das in großen Schritten. Die Koreaner entfalten die größte Dynamik im Gesamtjahr und werden laut der CAM-Prognose 2014 zum ersten Mal mehr als acht Millionen Pkws verkaufen. Gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Plus von 5,8 Prozent. Bereits nach neun Monaten konnte der Konzern einen kräftigen Zuwachs verbuchen, in dem Bericht zum dritten Quartal werden 5,88 Millionen Fahrzeuge genannt. Im selben Zeitraum 2013 waren es noch 5,58 Millionen Autos. Quelle: REUTERS
Absatztrends Platz 3: General MotorsZum ersten Mal seit dem Aufstieg zum Weltmarktführer im Jahr 1931 wird General Motors im globalen Absatzranking nur auf Rang 3 landen. Zwar dürften die Amerikaner trotz des Zündschloss-Skandals um 1,4 Prozent wachsen, doch nicht stark genug: Mit einer Prognose von 9,85 Millionen verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeugen (LCV) wie diesem Chevrolet Silverado listet das CAM GM nur auf dem Bronzerang. Quelle: AP
Absatztrends Platz 2: VolkswagenDer Kampf um die Absatzkrone der globalen Pkw-Hersteller entscheidet sich im Zieleinlauf zwischen Volkswagen und Toyota, die am Ende Jahres bei rund 10 Millionen Einheiten fast gleichauf liegen. Nach drei Kalenderquartalen konnte Volkswagen mit 7,50 gegenüber Toyota mit 7,49 Millionen Pkw und LCV nur noch ganz knapp seinen Absatzvorsprung des Halbjahres behaupten, die hohe Dynamik des ersten Halbjahres (+5,8 Prozent) aber vor allem aufgrund hoher Absatzrückgänge in Südamerika und Russland nicht aufrechterhalten. Seit dem Herbst halbierte sich das Wachstum, im November konnte VW nur noch 0,7 Prozent zulegen. Nach der aktuellen Prognose des CAM könnte Volkswagen im Gesamtjahr 2014 mit 9,95 Millionen Pkw (+4,4 Prozent) noch knapp von Toyota abgefangen werden. Inklusive der schweren Nutzfahrzeuge MAN/Scania wird Volkswagen das Ziel von mehr als 10 Millionen verkauften Fahrzeugen jedoch erfüllen. Quelle: dpa
Absatztrends Platz 1: ToyotaAuf das Gesamtjahr gerechnet dürfte Toyota Volkswagen dennoch die Rücklichter zeigen. Ohne die Lkw-Marke Hino geht das CAM von 10,25 Millionen Toyota-Fahrzeugen aus. Der Zuwachs lag allerdings nur bei 0,6 Prozent. Sollte der Volkswagen-Konzern seine höhere Dynamik beibehalten, könnte sich 2015 das Bild ändern – und die Wolfsburger zum absatzstärksten Autobauer der Welt aufsteigen. Bei einer anderen Kennziffer hat Volkswagen aber noch Aufholbedarf, wie die folgenden Bilder zeigen. Quelle: REUTERS
Finanzielle Performance Platz 5: General MotorsBeim Absatz hat sich das Rückruf-Debakel bei zahlreichen GM-Marken noch nicht niedergeschlagen, wohl aber im Konzernergebnis. Zusammen mit den Verlusten in Europa bricht der Gewinn der Amerikaner nach drei Kalenderquartalen um über ein Drittel auf 3,2 Milliarden Euro ein. Folglich sinkt auch die Marge nach drei Quartalen von 5,8 Prozent im Vorjahr auf nur noch 3,6 Prozent. Quelle: REUTERS
Finanzielle Performance Platz 4: FordAuch bei Ford sinken die Gewinne um rund 30 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro (Q1 bis Q3). Als Grund nennt das CAM hohe Entwicklungsaufwände für neue Modelle, wie etwa die neueste Generation des Ford Mustang (im Bild) oder den eingangs gezeigten Ford Mondeo. Dieser Rückgang schlägt sich natürlich auch auf die Gewinnmarge durch: In den ersten drei Quartalen blieben nur noch 4,8 statt 6,6 Prozent des Umsatzes im Unternehmen als Gewinn hängen. Quelle: obs

Die Regierung will auf diese Weise verhindern, dass Brasilien zu einem reinen Absatzmarkt für Pkws wird. Stattdessen soll der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas mit seinen 200 Millionen Einwohnern einen Teil der Wertschöpfung der weltweiten Autoproduktion erbringen. Aus dem Dekret von vor drei Jahren ist inzwischen ein Deal mit der Branche geworden: Je mehr ein Autobauer im Land fertigt und in neue Technologien investiert, desto höhere Steuervergünstigungen erhält er. Auch wer eine Fabrik baut, kommt in den Genuss von Steuererleichterungen für Importe.

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