Autobauer kämpft mit Umsatz Opel steckt in roten Zahlen fest

Überall nur rot: Nicht in diesem Jahr und auch nicht im nächsten Jahr wird Opel wieder Gewinne schreiben. Wie lange kann sich die Konzernmutter General Motors das noch erlauben?

Eine Flagge von General Motors hängt in Bochum neben dem Logo von Opel. Quelle: dpa

Die visuelle Essenz der Marke Opel liegt in den Farben Schwarz, Gelb und Silber, lehrten uns die Marketingstrategen von Scholz & Friends, als sie im Sommer vergangenen Jahres wieder einmal ein neues Corporate Design präsentierten. Man wolle mit der Erhöhung des Schwarzanteils die Wahrnehmung der Marke verbessern, Opel aber auch neues Selbstbewusstsein geben – mit der neuen Leitidee real life, real people, real answers.

Ich weiß nicht, was Opel damals den Werber für diese Schönfärberei bezahlt hat. Genützt hat es dem Unternehmen freilich wenig. Der Schwarzanteil mag seitdem vielleicht in den Prospekten gestiegen sein - im Geschäftsbericht jedoch ist weiterhin Rot die dominierende Farbe. Im dritten Quartal fuhr General Motors Europa einen Verlust von fast einer halben Milliarde Dollar ein und das vierte Quartal, deutete GM-Finanzchef Dan Ammann bei der Vorstellung der Quartalsbilanz an, wird wohl nicht viel besser sein. In Summe läuft es wohl auf ein Minus von 1,5 bis 1,8 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2012 hinaus. „Vor uns liegt noch viel Arbeit, besonders in Europa“, weiß der Finanzer.

So stand es 2014 um Opel

Rot, Rot, Rot statt Schwarz, Silber, Gelb: Europa ist für New General Motors ein riesiges Tränental. Und 2013, ahnt man bereits in Detroit, wird es nicht viel besser werden. Die Gewinnschwelle, ließ der Konzern gestern seine Aktionäre wissen, werde hier voraussichtlich erst Mitte der Dekade wieder erreicht. 2016, schießt mir da durch den Kopf, läuft im Opel-Werk Bochum die Produktion des Zafira aus.

Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern des Landes Nordrhein-Westfalen, der Arbeitnehmer und Managern des Unternehmens ist kürzlich gegründet worden, um zusammen mit Führungskräften aus der Region zu überlegen, wie der Standort in Zukunft genutzt werden kann – ein klares Indiz für die geplante Schließung des Standorts.

Fast vier Jahre will man also die Opel-Beschäftigten in Bochum noch zappeln lassen. Entschlossenes Handeln sieht anders aus. „Real answers“, die richtigen Antworten auf eine ernste Absatzkrise und auf gravierende strukturelle Probleme hat kürzlich Ford gegeben. Weil auch hier Milliardenverluste im Europa-Geschäft drohen, hat der US-Konzern ohne viel Federlesens den Daumen über ein Werk in Belgien und zwei Produktionsstätten in Großbritannien gesenkt: Um Überkapazitäten abzubauen werden die drei Standorte in den kommenden zwei Jahren dicht gemacht. Die Produktion wird auf andere Werke in Spanien, in der Türkei und in Deutschland verteilt. Natürlich gibt es an den betroffenen Standorten nun viel Heulen und Zähneklappern. Aber die Marschrichtung ist klar und nachvollziehbar.

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