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Autobauer Rennen ohne Ende

BMW, Audi und Mercedes kämpfen um den Titel des weltgrößten Herstellers von Premiumautos. Wer hat den längeren Atem?

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Audi wird Mercedes erstmals bei der Zahl der verkauften Autos überholen - so Audi-Chef Stadler Quelle: dpa

BMW-Fahrer sind jung, erfolgreich und üble Drängler auf der Autobahn. Im Mercedes, so es denn kein Taxi ist, sitzt ein dickbäuchiger Mann jenseits der 60, der dank des Sterns auf der Motorhaube die Überholspur gepachtet hat und den übrigen Verkehr keines Blickes würdigt.

Und einen Audi steuert ein Beamter aus dem gehobenen Dienst, der es in Besoldungsstufe A9 geschafft hat und bei der Fahrt über die Autobahn sorgsam darauf achtet, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit nicht zu überschreiten.

Vor zwei Jahrzehnten waren die Auto-Stereotypen an den deutschen Stammtischen eindeutig, gab es auch in den Zulassungsstatistiken des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg eine klare Hackordnung: In der Premium-Liga der deutschen Premiumliga stand ganz oben Mercedes-Benz.

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    Dahinter rangierte mit einigem Abstand BMW. Audi hingegen musste noch ringen, um von den Autokäufern wie von den Rivalen überhaupt als Premiummarke akzeptiert zu werden.

    Überholmanöver auf dem Premiummarkt

    Aber Auto-Stereotypen können sich ändern. Und Hackordnungen noch viel schneller, wenn man sich zu lange im Glanz des eigenen Erfolgs sonnt. Auf den Autobahnen sind heute Audi-Fahrer wenigstens genauso schnell unterwegs wie die BMW-Besitzer – so schnell, dass die Mercedes-Piloten nicht anders können, als den Dränglern Platz zu machen.

    Ende 2011 wird sich die neue Rangfolge erstmals in den weltweiten Verkaufszahlen der drei Premiummarken niederschlagen: Nach BMW zieht nun auch Audi an Mercedes vorbei. Ende November fehlten den Ingolstädter sogar nur rund 50.000 Fahrzeuge, um auch noch BMW zu überholen. Allein die starke Position des bayerischen Erzrivalen auf dem US-Markt verhinderte ein zweites Überholmanöver.

    Entsprechend selbstbewusst gibt sich Audi-Chef Rupert Stadler in diesen Tagen: „Unser Ziel ist es, ganz nach vorn zu kommen“, kündigt er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche an. Bis 2015 will er elf Milliarden Euro in neue Produkte, Antriebstechnologien, neue Märkte und auch Produktionsstätten investieren, um weltgrößter Anbieter von Luxusautos zu werden. „Wenn Sie Gesamtsieger werden wollen, brauchen Sie einen gewissen Speed über eine längere Distanz.“

    BMW punktet mit umweltbewusstem Image

    BMW-Vorstandsmitglied Frank-Peter Arndt beim Richtfest für eine neue Produktionshalle in Leipzig. Quelle: dpa

    Tatsächlich ist das Rennen noch nicht gelaufen. BMW hat derzeit zwar die Nase vorn, ruht sich aber nicht auf den Lorbeeren aus. Unter Norbert Reithofer hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren große Innovationssprünge gemacht und sich mit Efficient Dynamics nicht nur einen griffigen Slogan gegeben, sondern auch als eine Art grüne, umweltbewusste Premiummarke etabliert, die sparsame Antriebe forciert und mit dem aus der Formel 1 und dem Flugzeugbau bekannten Hightech-Werkstoff Karbon einen Vorstoß in ein neues Zeitalter des Karosseriebaus wagt.

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      Von der Kohle-Faser zum E-Auto
      Der BMW i3 - hier bei der Enthüllung in London - ist das erste Fahrzeug, dessen Karosserie vorwiegend aus Karbonteilen besteht. Damit hat BMW bis zu fünf Jahre Vorsprung vor Konkurrenten wie Audi und Daimler. Doch von der Karbonfaser bis zur Karbon-Karosserie ist es ein weiter Weg, der seinen Anfang nimmt in.... Quelle: dpa
      Acrylfäden aus Japan im US-Werk in Moses Lake Quelle: Rich Frishman
      Schwarze Karbonfasern aus reinem Kohlenstoff auf Rollen Quelle: Rich Frishman
      Andreas Wüllner, Geschäftsführer in Moses Lake Quelle: Rich Frishman
      Karbon-Plakat Quelle: Rich Frishman
      Jörg Pohlman Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche
      Karbonfasern in einer Webmaschine Quelle: Martin Hangen für WirtschaftsWoche

      Mercedes, lange gehandicapt durch die unglückselige Allianz mit dem maladen US-Autobauer Chrylser, hat die vergangenen drei Jahre genutzt, um neue Kräfte zu sammeln und neuen Mut zu finden, den Kampf um die Spitze wiederaufzunehmen, zwar ohne Maybach, aber mit einer Fokussierung auf die Kernmarke, den Ausbau des Angebots in der Kompaktklasse und einer Besinnung auf alte Stärken: Höchste Qualität und echte Innovationen wie dem Brennstoffzellenantrieb. Daimler-Chef Dieter Zetsche gibt sich jedenfalls noch lange nicht geschlagen.

      Ingolstädter setzen auf Leichtbau

      Audi wiederum setzt auf intelligenten, bezahlbaren Leichtbau, arbeitet an innovativen Assistenzsystemen und Lichttechniken, und bereitet zusammen mit der Konzernmutter Volkswagen den Einstieg ins Zeitalter der Elektromobilität vor. Der „Vorsprung durch Technik“, der Audi nach vorn brachte und erfolgreich machte, hat sich kommunikativ vielleicht ein wenig aufgebraucht.

      Doch Audi ist durch die Aufholjagd und die Runderneuerung der Modellpalette keineswegs geschwächt – als Teil des weltgrößten Autokonzerns haben die Ingolstädter im Zweifelsfall den längeren Atem. Die neuen Modelle, die in den kommenden zwei Jahren auf den Markt kommen, werden – wenn keine Weltwirtschaftskrise dazwischen kommt - die weltweiten Verkaufszahlen von Audi bis 2015 auf neue Rekordhöhen treiben.

      Ob diese reichen, um BMW und Mercedes auf die Plätze zu verweisen, bleibt abzuwarten: Zumindest dieses Rennen kennt kein Ende. 

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