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Autoindustrie Audi, BMW und Daimler vor schweren Zeiten

Die Freude über die überwiegend guten Quartalszahlen der deutschen Autohersteller dürfte nur kurz währen. Die Autoindustrie wird sich in den nächsten zehn Jahren neu erfinden müssen.

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Arbeiter montieren die Mercedes-Benz S-Klasse Quelle: dpa

Audi hält an den Jahreszielen fest, BMW setzt seinen Erfolgskurs fort, Porsche wächst weiter kräftig, Opel reduziert die Verluste, Volkswagen ist nicht zu bremsen und Daimler kriegt kräftigen Rückenwind aus USA: Nach den Schlagzeilen der vergangenen Tage geht es der deutschen Autoindustrie – vordergründig - besser denn je. Die aktuell vorgelegten Quartalsberichte erzählen zwar auch von Absatzproblemen in Europa und dem steigenden Konkurrenzdruck, von sinkenden Renditen im Neuwagengeschäft und von den hohen Investitionen in alternative Antriebe, die das Ergebnis belasten. Aber unter dem Strich wird die Botschaft verkündet: Die aktuellen Probleme sind nur vorübergehender Natur und der Eurokrise geschuldet. Aber insgesamt wird die Erfolgsgeschichte weitergehen.

Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Die Krise auf dem europäischen Automobilmarkt ist mitnichten vorbei. Im September sind die Absatzzahlen auf dem für die meisten deutschen Hersteller immer noch wichtigsten Absatzmarkt zwar leicht nach oben gegangen, aber betrachtet man den gesamten Jahresverlauf, so liegt der Markt immer noch deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Und nicht nur dies: Audi-Chef Rupert Stadler rechnete dieser Tage auf dem Auto-Gipfel des Handelsblatt in München vor, dass der europäische Automarkt in den vergangenen Jahren um insgesamt 3,5 Millionen Einheiten geschrumpft ist – das sind etwa so viele Pkw, wie in Deutschland in guten Jahren neu zugelassen werden. Fünf bis sieben Automobilfabriken könnten deshalb eigentlich problemlos geschlossen werden, ohne dass Lieferengpässe entstünden. Und eine rasche Erholung ist nicht zu erwarten. Erst Ende des Jahrzehnts, also im Jahr 2018, werde es wieder aufwärts gehen, prophezeit der Audi-Chef.

Auch die erfreulich positive Entwicklung des wichtigen US-Automarkts wird nach Expertenschätzungen nicht lange anhalten. Große Hoffnungen setzen die Autohersteller auf China und andere asiatische Märkte – dort geht es aktuell immer noch recht dynamisch voran.

Kfz-Absatz in ASEAN-Ländern 2012:

LandPkwNutzfahrzeugeInsgesamtVeränderung
Thailand694.000742.0001,4 Millionen+81 %
Indonesien781.000335.0001,1 Millionen+ 25 %
Malaysia552.00076.000628.000+ 5 %

Quelle: Asean Automotive Federation (AAF)

Und große Potenziale sehen Audi, BMW, Daimler & Co. Auch noch in den sogenannten MIST-Staaten, in Mexiko, Indonesien, Südkorea und der Türkei. Aber die Bäume wachsen auch dort nicht in den Himmel. Und wer diese Märkte knacken will, muss zunächst einmal kräftig investieren, in neue Fabriken und Vertriebsstrukturen.

Die Autoindustrie muss sich neu erfinden

Elektroautos, die zu haben sind
VW e-Up! Quelle: Volkswagen
Porsche Panamera S E Hybrid Quelle: Porsche
Renault FluenceMarke: Renault Modell: Fluence Preis: ca. 25.950 Euro plus Batteriemiete von 79 €/Monat Reichweite (in km): 185 km Leistung (kw/PS): 70kW/95 PS Quelle: Presse
Mercedes SLS ed Quelle: Daimler
Renault TwizyMit futuristischem Design und ohne echte Türen kommt der Twizy daher. Der Zweisitzer ist besonders klein und wendig und für den Stadtverkehr konzipiert. Er kann an jeder Haushaltssteckdose aufgeladen werden. Marke: Renault Modell: Twizy Urban Grundpreis (inkl. MwSt): ab 6990 Euro, zusätzlich fallen mindestens 50 Euro Batteriemiete pro Monat an Reichweite (in km): 100 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 80 Stromverbrauch (kWh/100km): 6,3 Quelle: dapd
Smart ed Quelle: Daimler
Kangoo RapidDer Elektro-Kangoo soll den städtischen Lieferverkehr sauberer und leiser machen. Er bietet mit bis zu 3,5 Kubikmetern Laderaum soviel Platz wie sein konventioneller Dieselbruder. Das ist möglich, weil die Batterien im doppelten Ladeboden verschwinden. Mit 60 PS ist der Elektro-Kangoo ausreichend schnell.   Marke: Renault Modell: Kangoo Rapid Z.E. Grundpreis (inkl. MwSt): 15.100 (+ 86 Euro monatlich fürs Batterie-Leasing) Reichweite (in km): 160 Höchstgeschwindigkeit (km/h): 130 Stromverbrauch (kWh/100km): nicht bekannt Quelle: Presse

Auch an anderer Stelle sieht die Autoindustrie inzwischen die Grenzen des Wachstums: Die Investitionen in sparsamen Motoren und Fahrzeuge mit alternativen Antriebe sind immens – und zahlen sich deutlich langsamer aus, als manche in euphorischen Momenten ausgerechnet haben.

BMW hat allein für das neue Elektro-Wundermobil i3 eine Summe von angeblich über drei Milliarden Euro investiert. Aber wie viele der Kleinwagen in diesem und im nächsten Jahr abgesetzt werden können, mag BMW-Chef Norbert Reithofer zwei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart immer noch nicht sagen – auf jenem Autogipfel wünschte er sich deshalb wohl nicht zufällig eine stärkere Förderung der Elektromobilität auch durch die Bundesregierung, damit sich diese Investition in die Zukunft für die Unternehmen nicht erst in zehn Jahren rechnen.

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Denn die Autoindustrie hat noch mit einem anderen Megatrend zu kämpfen – der Wanderung der Menschen in die Großstädte. Gut zwei Drittel der Menschen werden in Zukunft in Megacities leben. Elektromobilität ist da nur eine Teilantwort auf die Mobilitätsbedürfnisse dieser Menschen, von denen viele entweder in großer Armut leben oder aber dank gut ausgebauter Bahn- und Busverbindung, Carsharing-Angebote oder Radwege gut auf ein eigenes Auto verzichten können.

Die Autoindustrie wird sich deshalb in den nächsten zehn Jahren neu erfinden müssen – aus Fahrzeugherstellern müssen Mobilitätsanbieter werden. Das hört sich leicht an, erfordert aber einen hohen Kapitaleinsatz und einen Umbau der vorhandenen Produktionsstrukturen. Das sind allesamt eher schlechte Nachrichten für die Aktionäre der Automobilkonzerne. Die aktuelle Freude über die überwiegend guten Quartalszahlen der deutschen Autobauer dürfte darüber ebenso schnell schwinden.

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