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Autoindustrie im Stresstest So belastbar sind die deutschen Autobauer

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Fragwürdige Nachhaltigkeit beim Erfolg

Wie nachhaltig aber kann Erfolg sein, der zu einem beträchtlichen Teil auf nur drei Säulen basiert? Zumal dann, wenn die Risiken insgesamt wachsen:

  • China: Die Konjunktur kühlt ab, während die Absatzrisiken zunehmen. Olaf Kastner, Chef des deutsch-chinesischen Gemeinschaftsunternehmens BMW Brilliance, sagt: Das „Ende des Goldrausches“ sei gekommen.
  • Absatzdoping 39 Prozent der 2014 neu zugelassenen Autos in Deutschland waren geleast, weitere zehn Prozent direkt von Autokonzernen zugelassen. Schon gut drei Viertel des Geldes, das für Neuwagen ausgegeben wird, geht über Kredit- und Leasingverträge. Der ganz überwiegende Teil deutscher Autos wird als Dienstwagen verkauft. Wie volatil diese Formen des Absatzes sind, zeigte das Krisenjahr 2009. Damals sanken die Leasing-Neuzulassungen binnen Jahresfrist um 20 Prozent.
  • Regulierung Die EU-Kommission senkt die Obergrenzen für den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotten. Dumm, dass gerade die gefragten SUVs mehr Sprit verbrauchen.

Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

  • Elektroauto Der Wunsch der Bundesregierung nach mehr Elektroautos deckt sich nicht mit den Verbraucherwünschen. Für die Hersteller ist die Entwicklung deshalb ein Investitionsrisiko.
  • Digitalisierung Die Vernetzung erfasst auch die Autobranche. Neue Spieler wie Apple oder Google dringen in den Markt.

    Risiken vergleichbaren Ausmaßes bei ähnlicher Bedeutung für unser wirtschaftliches Wohl sieht sich nur der Bankensektor ausgesetzt. Deshalb mussten sich die wichtigsten Player einem Stresstest der Europäischen Zentralbank stellen. Die Anfälligkeit der Autoindustrie hat bisher niemand untersucht. In Zusammenarbeit mit Stefan Bratzel, dem Leiter des Center of Automotive Management CAM in Bergisch Gladbach, unternimmt dies die WirtschaftsWoche – mit teilweise unerfreulichen Ergebnissen:

  • Vor allem Volkswagen bietet Angriffspunkte. Ein Einbruch allein in China schlüge mit geschätzt zwei bis vier Milliarden Euro Kostenbelastung und 5000 bis 8000 gefährdeten Jobs hierzulande zu Buche. Auch gegenüber neuen Konkurrenten, etwa Apple oder Google, ist VW besonders anfällig.

US-Absatz deutscher Hersteller 2000-2025

  • Die Kostenbelastung von Daimler durch einen globalen Nachfragerückgang beliefe sich auf fünf bis zehn Milliarden Euro pro Jahr und würde 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährden. Das ist vergleichsweise viel, denn Daimler produziert rund 60 Prozent seiner Autos in Deutschland. Eine Krise in China schlüge mit einer Belastung von 300 bis 500 Millionen Euro pro Jahr und 1000 bis 1500 betroffenen Jobs in Deutschland zu Buche.
  • BMW würde unter einer Weltwirtschaftskrise am wenigsten leiden – 3,5 bis 7 Milliarden Euro Kostenbelastung pro Jahr und 8000 bis 12.000 betroffene Jobs hierzulande. Ein Rückgang in China wäre aber schmerzhafter als für Daimler und würde 500 bis 800 Millionen Euro jährlich und bis zu 1700 Jobs in Deutschland kosten.

Aber der Reihe nach.

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