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Autokonzerne und Elektromobilität Daimler macht endlich Ernst mit der E-Strategie

Mercedes-Stern: Mehr Elektromobilität wagen. Quelle: AP

Endlich ist auch Daimler aufgewacht: Bis 2025 sollen bis zu 50 Prozent der verkauften Fahrzeuge Stromer sein. Bis Ende des Jahrzehnts will Mercedes in der Lage sein, zum Elektrokonzern zu werden. Doch grün ist das noch nicht unbedingt. Ein Kommentar.

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Daimler will zwischen 2022 und 2030 mehr als 40 Milliarden Euro in die Elektromobilität investieren. Bis 2025 sollen bis zu 50 Prozent der verkauften Fahrzeuge Stromer sein. Und bis Ende des Jahrzehnts will Mercedes in der Lage sein, zum Elektrokonzern zu werden. Gemeinsam mit Partnern will man acht Gigafabriken mit einer Gesamtkapazität von 200 Gigawattstunden bauen. Bei Mercedes sollen im Pkw- und Van-Bereich alle neuen Fahrzeug-Architekturen - die technische Basis von Fahrzeugmodellen - ab 2025 ausschließlich elektrisch sein. Und: Mercedes kauft das auf Elektromotoren spezialisierte UK-Unternehmen Yasa. Die Liste ließe sich fortsetzen. „Wir beschleunigen von ‚electric first‘ zu ‚electric only‘“, sagte Konzernchef Ola Källenius.

In der Tat ist es eine wahrlich große Ankündigung, die Daimler da am Donnerstag gemacht hat. Und man könnte sagen: Endlich aufgewacht! Denn viel zu lange hat Daimler beim Thema E-Mobilität geschlafen und sich zuletzt auf dem Rückzug in die Luxusnische befunden. Jetzt endlich macht Daimler ernst mit einer Zukunftsstrategie. Und Källenius emanzipiert sich damit einmal mehr von seinem Ziehvater und Ex-Daimlerchef Dieter Zetsche, der einst aus dem Daimler-Investment Tesla ausstieg und E-Autos nicht unbedingt pushte.

Daimler ist zur E-Mobilität verdammt

Doch wahr ist auch: Dem Konzern, der seine Trucksparte bis zum Jahresende abspalten will, bleibt gar nicht anderes übrig. Schließlich ist Mercedes ohne die Trucks und auf dem Luxustrip gar nicht mehr in der Lage, in alles gleichzeitig zu investieren. So ist es logisch, dass man künftig Investments in die E-Mobilität umlenkt und Mercedes so gut wie gar nicht mehr in Verbrennerautos investieren will.



 Auch seine Marge will Mercedes trotz der bislang nicht so renditestarken E-Autos zweistellig halten. Das geht unter anderem deswegen, weil die Kosten für die teuren Batterien sinken werden. 

Jetzt müssen Investoren Daimler noch die Daumen drücken, dass auch die Kunden mitmachen. Denn bislang waren reine Stromer nicht unbedingt der Verkaufsschlager bei Mercedes. 

Kritik an tonnenschweren Ressourcenfressern

Kritik kommt außerdem vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Mercedes-Benz, heißt es dort, brauche kleine E-Fahrzeuge, keine tonnenschweren Ressourcenfresser. Wer den Weg einer rein elektrischen Marke einschlage, müsse auch klarmachen, woher die dafür benötigten erneuerbaren Energien kämen. „Für die Produktion und den Betrieb aller Fahrzeuge braucht es zusätzlichen erneuerbaren Strom, diesen muss die Mercedes-Benz AG naturverträglich zubauen“, sagt Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND. Zudem müsse Mercedes auch den effizienten Umgang mit Ressourcen stärker angehen. „Fahrzeuge wie die elektrische Limousine EQS mit teilweise mehr als 2,5 Tonnen Leergewicht und einer potentiellen Reichweite von 770 Kilometern sind Ressourcenfresser und haben mit einer nachhaltigen Mobilität der Zukunft nichts zu tun.“ 

Und auch die Arbeitnehmervertreter dürften unruhig werden. Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht forderte angesichts hoher Gewinne bei Daimler gerade erst ein Ende der Sparmaßnahmen. Doch kaufen die Kunden tatsächlich wie wild vollelektrische Fahrzeuge, dürfte vor allem in der Produktion ein weiterer Abbau drohen. Denn der Verbrennungsmotor, der auch in Hybriden drin ist, hat heute rund 2500 Bauteile, die entwickelt, gefertigt und montiert werden müssen. Ein Elektroantrieb besteht dagegen aus nur noch 250 Teilen.

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Die Transformation vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroantrieb, sagt Daimler, bespreche man mit den Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern. Gemeinsam arbeite man an einer „Neuausrichtung seiner Belegschaft“. Dabei setzt das Unternehmen auf Qualifizierungs- und Umschulungsprogramme, natürliche Fluktuation und Abfindungsangebote. „Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2029 gilt nach wie vor“, hieß es dazu nur kurz und knapp vom Betriebsrat. Will heißen: Wenn hier einer geht, dann nur freiwillig. Doch ab 2030 droht Ungemach.

Mehr zum Thema: Die Verkäufe von Elektroautos legen kräftig zu, der Klimagipfel der EU dürfte das Ende des Verbrenners beschleunigen. Aber taugen die neuen Modelle schon für den Alltag? Und können die deutschen Autobauer auch Elektro?

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