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Autolobby und der "Vorfall VW" Der verzweifelte Kampf um den Diesel

Der VW-Skandal setzt den Verband der Automobilindustrie (VDA) unter Druck. Die politische Unterstützung in Berlin und Brüssel für die Autohersteller schwindet. Nun will der Verband gegensteuern.

Der Abgasskandal um VW kratzt am Image der gesamten Auto-Industrie. Quelle: rtr

Wenn Matthias Wissmann am Dienstag zur Jahrespressekonferenz des Verbands der Automobilindustrie (VDA) nach Berlin lädt und die neusten Absatzzahlen verkündet, wird er nur gute Botschaften im Gepäck haben– trotz oder gerade wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte durch Volkswagen. Die Deutschen jedenfalls kaufen weiterhin Dieselfahrzeuge. Zumindest taten sie das im Oktober. Und da war der Betrugsskandal aus Wolfsburg schon lange Thema.

Am liebsten würde es VDA-Präsident Wissmann bei der Verkündung der positiven Zahlen belassen. Doch der CDU-Politiker und frühere Bundesverkehrsminister wird sich unangenehmen Fragen stellen müssen: Welche Rolle der VDA bei den Grenzwerten für den Ausstoß von Stickoxiden und CO2 gespielt hat? Welchen Einfluss die Lobbyisten heute noch in Berlin und Brüssel genießen? Und ob die Diesel-Technologie überhaupt noch eine Zukunft hat?

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann. Quelle: dpa

Keine Frage: Nicht nur Volkswagen, auch der VDA steht derzeit gehörig unter Druck. Der Verband ist das Sprachrohr von rund 600 Unternehmen und wenn Wissmann spricht, redet er allzu gerne vom „Wir“, etwa darüber, dass „wir bei der Elektromobilität enorm aufgeholt haben“, so Wissmann gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“. Doch jetzt muss er seine Perspektive der aktuellen Notlage anpassen, denn Betrug sei „inakzeptabel“ und es gebe „keinen Grund, von einem auf alle zu schließen“. Die Aufklärung des Abgasskandals sei Sache von Volkswagen.

Der "Vorfall VW"

Und dennoch kratzt der Betrug am Image der gesamten Industrie. Wissmann, der sich selbst als „Dolmetscher“ versteht, muss nun tatsächlich Vieles übersetzen. Die Stimmung innerhalb des Verbands ist angespannt. Viele Mitgliedsunternehmen sind verärgert über die Dreistigkeit von Volkswagen. Die Wolfsburger haben jahrelang geprahlt, sie würden die scharfen Grenzwerte beim Stickoxid-Ausstoß problemlos einhalten können. Das stieß bei Wettbewerbern schon damals übel auf. Heute weiß jeder, dass Volkswagen dies nur kundtun konnte, weil sie zu unlauteren Mitteln griffen. Der Verband setzt nun alles daran, den Kollateralschaden für die gesamte Industrie in Grenzen zu halten.  

Denn der Abgasskandal hat Folgen. Die Glaubwürdigkeit der gesamten Branche ist ramponiert. Im Januar steht die Detroit Auto Show im US-Bundesstatt Michigan an. Bei der Automobilindustrie macht man sich keine große Hoffnung auf allzu positive Meldungen über Autos „Made in Germany“. Das werde „schwierig“, sagt ein ranghoher Vertreter der Branche. Immerhin: Der Anteil der Diesel-Fahrzeuge ist in den USA ohnehin verschwindend gering und in Asien, wo der deutsche Diesel durchaus eine Rolle spielt, gebe es „kaum Spuren von dem Vorfall VW“.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Dennoch hat mit VW auch das Image des VDA gelitten. In den eigenen Reihen war man viele Wochen lang irritiert, dass der VDA viel zu zurückhaltend agierte. Und Gegner der Automobilindustrie schlachten die Schwächephase der Branche bis heute zum eigenen Vorteil aus. „Jeder, der mal auf uns drauf hauen wollte, haut jetzt drauf“, sagt ein Automanager, der ungenannt bleiben will.

Tatsächlich lassen die zahlreichen Termine des VDA und der Autohersteller bei Kanzlerin Angela Merkel in den vergangenen Jahren viel Raum für Spekulationen. Keiner war in der letzten Legislaturperiode von 2009 bis 2013 so häufig bei der Kanzlerin gesehen worden wie Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und VDA-Chef Wissmann – jeder ganze neun Mal. Und natürlich ging es in den Gesprächen auch darum, die Belastungen für die deutsche Autoindustrie etwa bei den Grenzwerten möglichst gering zu halten. Merkel wiederum machte sich daraufhin etwa in den USA für die deutschen Unternehmen stark – für den VDA ein ganz normaler Vorgang, für kritische Beobachter ein Skandal.

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