Automarkt Chinas Autos sollen Europa erobern

Dreimal haben die Chinesen schon versucht, auf dem europäischen Automarkt Fuß zu fassen. Zweimal scheiterten sie am Crashtest. Jetzt soll von Bulgarien aus soll der Markt aufgerollt werden.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS
Daher steht auch für Daimler-Chef Dieter Zetsche der Ausbau der Produktion von Ort an erster Stelle. Die Schwaben fertigen von allen deutschen Herstellern noch am wenigsten vor Ort. Im einzigen chinesischen Mercedes-Werk in Peking (10.000 Mitarbeiter) laufen C-Klasse, die Langversion der E-Klasse, GLK und GLA vom Band. Zusammen ergibt der Werksoutput erst sieben Prozent aller weltweit produzieren Mercedes-Pkw. Die Kapazität des Werks soll bis Jahresende auf 200.000 Stück jährlich wachsen. Rund vier Milliarden Euro will Zetsche gemeinsam mit Joint-Venture Partnern BAIC investieren. Quelle: dpa

Deutsche Autos - vornehmlich die der Luxusklasse - sind in China ein Renner sind. Made in Germany ist ein Verkaufsschlager - unabhängig vom Produkt. Nun sollen Autos made in China die Herzen und Straßen Europas erobern. Der Versuch ist nichts neues, ging allerdings schon dreimal schief. 2005 kam der chinesische SUV Jiangling Landwind in Europa auf den Markt. Rund 15.000 Euro sollte der Geländewagen kosten. Doch dann kam der ADAC-Crashtest und der Traum von Europa war für den chinesischen Autobauer Jiangling Motors ausgeträumt: Einen Frontalzusammenstoß mit 64 Stundenkilometern hätten weder Fahrer noch Beifahrer des Wagens überlebt. Die Fahrgastzelle wurde beim Aufprall genauso zerstört wie der Fußraum, Lenksäule und Lenkrad drangen weit in den Innenraum ein. Fehlende Seitenairbags und Türverstärkungen hätten eine seitliche Kollision ähnlich katastrophal enden lassen.

Kein Stern beim Crashtest

Auch dem chinesischen Automobilhersteller Brilliance vermasselte der TÜV den Markteintritt: Brilliance wollte eine günstige Luxuslimousine etablieren. 2007 stellte sich der BS6 dem Euro-NCAP- Crashtest und bekam einen von fünf Sternen, 2009 schaffte der kleinere Brilliance BS4 nicht mal den. Der Grund war ebenfalls der Frontalzusammenstoß mit 64 Stundenkilometern. Beim BS4 riss dabei das Bodenblech auf, die Fahrgastzelle kollabierte und der Kopf des Dummies knallte wegen eines Airbag-Fehlers nahezu ungebremst auf das Lenkrad. Ein Mensch hätte einen solchen Zusammenstoß nicht überlebt. Kurz vor dem Crash des BS4 versuchte sich der Hersteller Shuanghua mit dem Geländewagen Ceo in Deutschland - als günstige Version des X5 von BMW. Die optische Ähnlichkeit verblüffte - was Qualität und Fahrvergnügen anging, war der Ceo wirklich nichts anderes als ein billiger Abklatsch. Für rund 30.000 Euro lässt sich kein X5 erfolgreich kopieren.

Testautos seit November
Scheinbar sind aller guten Dinge aber mehr als drei, weshalb der chinesische Autobauer Great Wall nun den bisher vierten Versuch startet, Europa mit chinesischen Autos zu versorgen. Bisher ist das Unternehmen schon in Ägypten, Indonesien, der Ukraine und Russland vertreten. Nun also Europa. Im nicht gerade als Autobauer-Nation bekannten Bulgarien eröffnet heute offiziell das erste Werk von Great Wall. Testweise rollten im neuen Werk bereits seit November 2011 Autos vom Band in die Läden. Für rund 13.000 Euro ist beispielsweise ein Pick Up zu haben. Ein Sprecher von Litex sagte, dass Great Wall den europäischen Markt schrittweise erobern und in Bulgarien Marktführer werden wolle. Bisher vertreiben einige wenige bulgarische Händler die bereits existierenden Modelle. Bis zum Jahr 2016 sollen dann alle 10 Serien erhältlich sein. Die Reaktion der Testkunden sei bereits jetzt sehr positiv, heißt es von Litex.

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