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Automobil-Ikone Lee Iacocca Der Vater des Ford Mustang ist tot

Lee Iacocca gilt als einer der Väter des legendären Ford Mustang, der bis heute produziert wird. Quelle: AP

Lee Iacocca war einer der ganz Großen in der US-Automobilindustrie. Er galt als ein Vater des legendären Ford Mustang. Dem visionären Manager wird zudem die Chrysler-Rettung zugeschrieben. Jetzt trauert die Branche.

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Die US-Automobil-Legende Lee Iacocca ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Vom Tod des ehemaligen Chefs von Chrysler habe ein enger Vertrauter seiner Familie berichtet, teilten seine früheren Kollegen Bud Liebler und Bob Lutz am Dienstag mit. Demnach starb Iacocca im kalifornischen Bel Air. Die Todesursache war zunächst unklar. In den vergangenen Jahren hatte ihm eine Parkinson-Erkrankung zu schaffen gemacht.

Iacocca arbeitete zunächst für Autobauer Ford, bei dem er in den Sechzigerjahren maßgeblich am legendären Modell Mustang beteiligt war. Später rückte der Sohn italienischer Einwanderer an die Spitze von Chrysler, wo er das strauchelnde Unternehmen ab Ende der Siebzigerjahre in die Erfolgsspur zurückführte.

In seiner aktiven Zeit war Iacocca so populär wie sonst wenige Automogule in Amerika. Berühmt wurde er in den Achtzigern etwa mit seinen Werbespots mit eingängigen Slogans. „Wenn Sie ein besseres Auto finden können, kaufen Sie es!“, lautete einer seiner TV-Sprüche. Iacocca hatte sogar einen Gastauftritt in der Kult-TV-Serie „Miami Vice“. Zudem schrieb er zwei Bestseller und wurde sogar als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Vom Topjob im Weißen Haus wollte er aber nichts wissen.

In Erinnerung sollte der Konzernlenker mit der unverblümten Art und einem Hang zu Zigarren denn auch als Architekt der spektakulären Wende bei Chrysler bleiben. Im Jahr 1979 steckte das Unternehmen mit fünf Milliarden Dollar in die Miesen. Als Grund für die Misere galt unter anderem ein aufgeblähtes Produktionssystem, das bei Kunden unbeliebte Kraftstofffresser ausspuckte.

Als Iacocca mit Kreditgesuchen bei Banken abblitzte, überzeugten er und die Gewerkschaft UAW die Regierung, dem Unternehmen ein Darlehen von 1,5 Milliarden Dollar zu gewähren. Die Geldspritze hielt die damalige Nummer drei unter den US-Autoherstellern zunächst über Wasser.

Ford Mustang Eleanor: Die Legende lebt!
„Eleanor“ hat sich ins PS-Gedächtnis eingebrannt – ein aufgerüsteter Ford Mustang von 1967
Ford Mustang Bullitt Quelle: Ford
Auf den ersten Blick sieht seine Eleanor tatsächlich so aus, als hätte jemand den Kalender um 50 Jahre zurückgedreht. „Wir sind die einzigen, die eine offizielle Lizenz zum Nachbau des Klassikers haben“, sagt der Firmenchef und erzählt von einer Liebe, die zurückgeht bis in die Teenager-Zeit, als er Eleanor zum ersten Mal auf der Leinwand begegnet ist. Foto: SP-X/Benjamin Bessinger
Zwar konkurriert Eleanor aktuell mit einer Neuauflage von Bullitt. Doch die heiße Lady aus Los Angeles muss die Konkurrenz aus Detroit nicht fürchten. Gegen sie ist der Bullitt nur eine billige Platzpatrone. Quelle: Ford
Denn während Ford sein Remake auf dem aktuellen Mustang aufbaut und nicht viel mehr ändert als Lackierung und Ausstattung und aus dem fünf Liter großen V8-Motor 460 statt 418 PS kitzelt, hält sich Wazana zumindest äußerlich ans Original und nimmt als Basis einen Mustang aus den Modelljahren '67 und '68, die zu Dutzenden auf dem Hof lagern. Dass die völlig verrostet sind und sich oft nicht einmal mehr selbst tragen können, ficht Wazana nicht an.
„Denn viel mehr als die Fahrgestellnummer wird von den Wracks ohnehin nicht übernommen“, sagt sein Geschäftsführer Steve Feldmann und führt seine Gäste beim Ortsbesuch in eine piekfeine Manufaktur, in der ein Dutzend Mitarbeiter Karosserien aus Karbon backen, nagelneue Motoren aus großen Versandkisten holen und Sattler kunstfertig lederne Sitzbezüge nähen. Kein Wunder, dass es schnell mal zwölf Wochen dauert, bis eine Eleanor fertig ist. Foto: SP-X/Benjamin Bessinger
Dann sieht der Mustang nicht nur aus wie neu, er ist es auch. „Keine Schraube bleibt unberührt, keine Schweißnaht wird übernommen und am Ende sind über 90 Prozent der Teile tatsächlich fabrikneu – entweder von uns gemacht oder von Spezialisten zugekauft“, sagt Feldmann und zeigt ein Auto wie aus der Zeitmaschine. Foto: SP-X/Benjamin Bessinger

Dann räumte Iacocca bei Chrysler auf: Der UAW trotzte der Manager Lohneinschnitte ab, 20 Werke wurden geschlossen oder zusammengelegt und Tausende Arbeiter gefeuert. Zugleich brachte Iacocca neue Wagen auf den Markt und setzte auf gezielte Öffentlichkeitsarbeit. So erklärte er in TV-Werbespots, dass Chrysler Fehler gemacht, sich aber verändert habe.

Die Strategie zeigte Wirkung. Die in Iacoccas Ägide eingeführten Wagen der K-Modellfamilie – etwa Dodge Aries und Plymouth Reliant – galten zwar als eher fade und zweckmäßige Fortbewegungsmittel. Aber sie waren erschwinglich, verbrauchsarm und hatten Platz für sechs Insassen. Im Jahr 1981 machten die Wagen 20 Prozent des Markts für Kompaktwagen in den USA aus. Zwei Jahre später zahlte Chrysler die Kredite an die Regierung mit Zins zurück – und das sieben Jahre vor der gesetzten Frist. Im Jahr darauf führte Iacocca den Minivan ein und schuf einen neuen Markt, der das Unternehmen neue Höhen der Profitabilität erklimmen ließ.

Iacoccas Geschick in der Chrysler-Krise und sein unternehmerisches Draufgängertum machten ihm zum Medienstar. Doch war sein Umgang mit Angestellten nicht umstritten. Iacocca habe Kollegen fertiggemacht, wenn ihm ihr Verhalten nicht gepasst habe, erinnerte sich Liebler, ein früherer Sprecher des Unternehmens. Ein paar Minuten später habe Iacocca dann wieder so getan, als ob nichts passiert wäre. Auch er selbst sei Zielscheibe von mitunter öffentlichen Tiraden des Konzernchefs gewesen, ergänzte Liebler. Zugleich habe Iacocca als der Letzte in einer Ära forscher, charismatischer Manager gegolten, die Ergebnisse erzielt hätten. „Lee verdiente Geld. Er ging nach Washington und machte all diese verrückten Versprechungen, und dann lieferte er.“

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